Jubiläum
Der grosse Abend des Herrn ckdt: Bâloise feiert den 150. Geburstag

Der Gala-Abend der Bâloise ist der Höhepunkt der 150-Jahr-Feier. Mitarbeiter erhalten keine Jubiläumsprämie, Aktionäre keine Sonderdividende. Sängerin Amy Mcdonald vermochte die geladenen Gäste zu begeistern.

Iso Ambühl
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Bâloise-Verwaltungsratspräsident Andreas Burckhardt hat zum Jubiläum gerufen – und alle sind sie gekommen.

Bâloise-Verwaltungsratspräsident Andreas Burckhardt hat zum Jubiläum gerufen – und alle sind sie gekommen.

Peter Schnetz

Die schottische Sängerin Amy Macdonald (25) brachte am Freitag Stimmung in die Eventhalle am Basler Messeplatz. Die 750 geladenen Gäste in schwarzen Anzügen und eleganten Roben erhoben sich von ihren Stühlen und stürmten zur Bühne: Kantonalbank-Chef Guy Lachappelle mit Ehefrau Ute im Arm wippte zur Musik, der Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber stützte sich auf einen Stuhl und träumte vor sich hin, Handelskammer-Präsident Thomas Staehelin jubelte und klatschte in die Hände.

Zum Schluss des Konzerts stand Bâloise-Verwaltungsratspräsident Andreas «Abu» Burckhardt-Burckhardt (62) auf der Bühne, überreichte der Sängerin einen Blumenstrauss, umarmte sie und gab ihr begeistert zwei Küsse.

Freude über Besuch von Ueli Maurer

Auch sonst war der Gala-Abend zum 150-Jahr-Jubiläum der Versicherung sein Abend: In einer souveränen, mit Basler Bonmots gespickten Rede zeigte Burckhardt, dass er seit seiner Wahl von April 2011 nun endgültig aus dem grossen Schatten seines Vorgängers und Übervaters Rolf Schäuble, dem langjährigen, erfahrenen Bâloise-Chef, herausgetreten ist.

Ehrlich stolz zeigte sich Burckhardt, dass Bundespräsident und Verteidigungsminister Ueli Maurer am Abend teilnahm und launige Worte zur Begrüssung sprach. Viel Prominenz labte sich am Gala-Dinner mit einem Thunfischtatar als Vorspeise, gebratener Wachtelbrust, Kalbsfilet auf Steinpilzen sowie einem mit gerösteten Haselnüssen gefüllten Weinbergpfirsich als Nachtisch. Dazu wurden Dézaley-Weine serviert.

Prominente Gästeschar

Die gesamte Basler Regierung mit Ausnahme von Carlo Conti, derzeit auf grosser China-Fahrt mit Bundesrat Alain Berset, war zugegen. Mit Sabine Pegoraro, Isaac Reber, Anton Lauber und Thomas Weber war auch die Basebieter Regierung stark vertreten. Sozialdemokraten wie Ständerat Claude Janiak oder Nationalrat Eric Nussbaumer vergnügten sich ebenso wie die bürgerlichen Basler Nationalräte Sebastian Frehner, Markus Lehmann und Daniel Stolz sowie Grossratspräsident Conradin Cramer.

Weitere Prominente waren Armeechef André Blattmann, «Zürich»-Präsident Joe Ackermann, Swiss-Re-Präsident Walter Kielholz, Mobiliar-Präsident Urs Berger, Ueli Vischer und René Kamm, Präsident und CEO der Messe Schweiz, Rolf Soiron, Präsident von Avenir Suisse, der Basler Arbeitgeber-Verbandspräsident Marc Jaquet, Beat Oberlin, Chef der Baselbieter Kantonalbank, Eric Sarasin von der Privatbank J. Safra Sarasin sowie die Manager-Legende Alex Krauer, Samuel Holzach, Verwaltungsratspräsident des Basler Theaters, Antonio Loprieno, Rektor der Universität Basel, und Adrian Knup, Vorstands-Mitglied des FC Basel.

Preise für 1,5 Millionen Franken

Viel banaler als beim gelungenen Gala-Abend sind andere Aktivitäten rund ums Jubiläum. So hat die Basler Versicherung im Internet einen «Jubiläums-Wettbewerb» mit Sport-Utensilien als Preisen im Wert von 1,5 Millionen Franken geschaltet. Simple Quizfragen sind zu beantworten. Etwa das Rätsel, ob es sich bei einer schön verpackten Sporttasche um eine Palme oder eine Sporttasche handle.

Anspruchsvoller sind die Artikel zur Bâloise-Geschichte, die Konzernsekretär Markus von Escher seit Januar monatlich im redaktionellen Teil der «Basler Zeitung» schreiben darf. Im November erscheint das Jubiläumsbuch «Sicherheit als Prinzip» von Escher und dem Zürcher Publizisten Karl Lüönd.

Zum Geburststag einen neuen Hauptsitz

Zum Jubeljahr spendiert sich die Versicherung zudem Neubaupläne für ihren Hauptsitz in Basel, wo für 200 Millionen Franken unter anderem ein Büroturm mit Hotel am Centralbahnhof realisiert werden soll. Viel Geld ausgegeben hat die Versicherung auch für die Renovation ihres Hotels Spitzhorn in Saanen, wo die Bâloise im 2. Weltkrieg als «Reduit» ihre Policen in Sicherheit gebracht hatte. Ende Jahr wird es wieder eröffnet.

Weder Sonderdividende, noch Lohnprämie

Knausrig zeigt sich die Versicherung dagegen gegenüber Aktionären und Mitarbeitenden. In Aktionärskreisen wird nicht verstanden, dass die Basler zum Jubiläum keine Sonderdividende geschaffen hat. Ganz im Gegensatz zum Rückversicherer Swiss Re, der 2013 ebenfalls 150 Jahre alt wird und zusätzlich eine Sonderdividende auszahlt. Bei der Bâloise will man dies nicht, weil man Dividenden nach wirtschaftlichen Kriterien und nicht nach dem Kalender auszahle.

Eine Lohnprämie für Mitarbeitende zum Jubiläum ist ebenfalls nicht vorgesehen. Dies bestätigt Bâloise-Sprecher Amos Winteler gegenüber der «Schweiz am Sonntag». «Es findet jedoch am30. August ein grosses Mitarbeiterfest in der Basler Messe statt», sagt Winteler.

«Me gyt nyt»

Die Sparsamkeit überrascht nicht. Die Bâloise ist eine Gründung von Basler «Daig»-Familien. Einem Klüngel alter Basler Clans, der durch eifriges Heiraten untereinander entstanden ist. Als Klischee wird diesem einflussreichen, protestantisch-sparsamen Geldadel der Spruch «Me git nyt» zugewiesen.

Es waren illustre Männer wie der Seidenbandfabrikant und erste Bâloise-VR-Präsident Rudolf Paravicini-Vischer, Nationalrat Rudolf Geigy-Merian oder Bankier Alphons Koechlin-Geigy, die am 2. Mai 1863 die «Basler Versicherungs-Gesellschaft gegen Feuerschaden» aus der Taufe hoben. Aktueller Anlass war der grosse Brand von Glarus im Jahr 1861, der laut Burckhardt aufzeigte, «dass es Institutionen braucht, die als Gefahrengemeinschaft erstens Risiken erkennen und mindern und zweitens ihre Folgen solidarisch decken».

Da Burckhardt wie Paravicini aus dem «Daig» stammt, ist er eine Idealbesetzung als Bâloise-Verwaltungsratspräsident im Jubiläumsjahr. Vom Thema «Daig» will er nichts wissen. Unmissverständlich hält er fest: «Den ‹Daig› gibt es nicht!». Trotzdem sind die Gemeinsamkeiten von Paravicini und Burckhardt auffallend: Beide stammen aus alten Basler Familien, beide waren im Militär Oberst und sassen im Grossen Rat.

Glücklicher Präsident

Am Gala-Abend war die Stimmung heiter. Auch den Kurs der Bâloise-Aktien scheint das Jubiläum zu beeindrucken: Seit Anfang 2013 ist er um über 28 Prozent gestiegen – auch wegen der Hoffnung auf eine Sonderdividende. Der Bâloise-Börsenwert beträgt derzeit rund fünf Milliarden Franken. Burckhardt ist zufrieden, will aber nicht sagen, wie lange er noch bleibt: «Ich fühle mich wohl in der Rolle als VR-Präsident.»