Tramnetz
Der grosse Wurf wird beim Tramnetz vermisst

SP-Grossrat Jörg Vitelli ist enttäuscht, dass die Regierungen beider Basel auf eine Tramlinie vom Bahnhof SBB über Heuwaage-Viadukt, Petersgraben, Kinderspital, Johanniterbrücke und Feldbergstrasse zum badischen Bahnhof verzichten.

Andreas Maurer
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Dieses Tram kann nicht wie gefordert nach rechts abbiegen, um die Johanniterbrücke zu überqueren.

Dieses Tram kann nicht wie gefordert nach rechts abbiegen, um die Johanniterbrücke zu überqueren.

Aargauer Zeitung

Diese Tramlinie wird nicht nur von der Tram-Initiative gefordert. Auch die Verkehrsbetriebe BVB und BLT machen sich dafür stark. Ein gemeinsames Expertenteam der beiden Unternehmen hat diesen Vorschlag bei der Erarbeitung des «Tramnetzes 2020» eingereicht (siehe Karte rechts). Die Verkehrsdepartemente beider Kantone nehmen nur einen Teil davon auf: den Abschnitt durch den Petersgraben (Karte unten).

Gerüchteweise hat Vitelli aus dem Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) gehört, dass man die Linie über das Heuwaage-Viadukt erst in den letzten Runden herausgenommen habe. «Ich habe den Eindruck, dass Wessels kalte Füsse erhalten hat und den Konflikt mit den Autoverbänden scheut», kritisiert Vitelli. Dass das BVD nicht auf den Vorschlag der BVB eingeht, irritiert Vitelli: «Dabei haben die BVB das bessere Datenmaterial als die Verfasser der anderen Vorschläge.»
BVB glauben an Wirtschaftlichkeit
Die Zahlen der BVB zeigen laut Vizedirektor Georg Vischer, «dass die Idee der Tram-Initiative Hand und Fuss hat». Damit meint er die Auslastung der Buslinie 30. Deren hohe Auslastung würde laut BVB für einen wirtschaftlichen Betrieb einer Tramlinie 30 sorgen. «In anderen Städten hätte man diesen Bus längst mit einem Tram ersetzt», meint Vitelli.
Aus seiner Sicht sprechen mehrere Argumente für die Tramlinie. «Das Kleinbasel und das Unigebiet würden besser mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen.» Die Feldbergstrasse habe eine Entlastung vom Autoverkehr dringend nötig, meint Vitelli. Die Versprechen, die beim Bau der Nordtangente gemacht wurden, würden Wessels verpflichten, hier aktiv zu werden. «Offenbar möchte er diese heisse Kartoffel nicht anfassen», vermutet der SP-Grossrat.
Die Tramlinie 30 würde zudem die Innenstadt entlasten: «Passiert im Nadelöhr zwischen Bankverein und Barfüsserplatz etwas, liegt der ganze Tramverkehr lahm.» Die Linie über das Heuwaage-Viadukt und die Johanniterbrücke wäre ideal, um bei Störfällen auszuweichen.
Dass die geforderte Tramlinie den Autoverkehr zu stark behindere, glaubt Vitelli nicht. «Tram und Autos haben auf beiden Brücken problemlos nebeneinander Platz.» Und auch finanziell sieht er keine Probleme: «Würde Wessels auf den unnötigen Gundeli-Tunnel verzichten, könnte man das locker bezahlen.»
Herzstück brächte Entlastung
Die BVB kommentieren den Verzicht auf ihre Wünsche etwas diplomatischer. Vizedirektor Vischer möchte in erster Linie loben, dass sich die beiden Kantone gemeinsam für einen Ausbau des Tramnetzes starkmachen. «Wird das Herzstück mit einem Ausgang bei der Lyss gebaut, bringt das eine Entlastung für die Buslinie 30», bedenkt Vischer. In diesem Fall könnten die BVB mit einem Verzicht auf die geforderte Tramlinie gut leben. Vitelli bleibt skeptisch: «Ich weiss nicht, ob die Rolltreppen von dieser unterirdischen Station bei der Lyss attraktiv wären. Sie wären vielleicht zu lang.» Er wirft dem Kanton vor, die Prioritäten falsch zu setzen. Die von den beiden Kantonen geplante «Chemielinie», welche Roche und Novartis mit den Bahnhöfen verbindet, findet der SP-Grossrat weniger wichtig.
Aus dem BVD war gestern keine Stellungnahme zu den Vorwürfen erhältlich. In ihrem Bericht kritisieren die von den beiden Kantonen beauftragten Experten, dass BVB und BLT unrealistisch viele Infrastrukturausbauten vorschlagen. Gleichzeitig würden diese zu wenig stark genutzt.