Faktor-5-Preis
Der Grosspeter-Tower räumt ab – zusammen mit dem Männerwohnheim

Der diesjährige Nachhaltigkeits-Preis Faktor 5 geht an den Grosspeter-Turm mit seinen Solarpanels an der Fassade. Aber auch das Männerwohnheim-Projekt gewinnt. Mit Konfitüre.

Fabian Schwarzenbach
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Sun 21 – Faktor 5
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Die Finalisten, die dem Publikumsvoting zur Verfügung standen. Platz zwei sicherte sich das Männerwohnheim.
Die Fassade des Grosspeter-Tower erzeugt Sonnenstrom.
Der Eingang mit dem Gastronomiebereich des neuen Novotel Basel City an der Grosspeterstrasse in Basel.

Sun 21 – Faktor 5

Der Grosspeter-Tower ist das erste Hochhaus in der Schweiz, dessen Fassade komplett aus Photovoltaik-Elementen besteht und so seinen eigenen Strom produziert. Vielen Betrachtern erscheint der «schwarze Klotz» eher unsympathisch. «Der Grosspeter-Tower ist ein wunderbares Beispiel wie mit Wissen Emotionen verbreitet werden», erklärte Esther Maag bei der Preisverleihung des Faktor-5-Jurypreises.

Die Präsidentin der sun21 war selber nicht begeistert von diesem «schwarzen Turm». Als sie jedoch erfuhr, was sich hinter der schwarzen Fassade verbirgt, wichen die unguten den begeisternden Emotionen. Markus Stokar, der mit seiner Firma den Preis sponserte, nannte das Hochhaus in seiner Laudatio einen «Leuchtturm»: «Die Photovoltaik-Fassade ist eine Meisterleistung, ein Schritt in die Zukunft», sagte er und lobte die Bauherrin PSP Swiss Property für ihren Mut dies zu riskieren. «Nur so wird die Technologie vorangetrieben!», ist Stokar überzeugt.

Keine Fördergelder vom Staat, dafür Preise

Thomas Kraft als PSP-Vertreter zeigte sich erfreut über den Preis. Er schmunzelte über die Tatsache, dass ausgerechnet dieses Leuchtturm-Projekt keine Fördergelder des Staates erhalten hat. Neben der Photovoltaik-Fassade steht das gesamte Gebäude auch auf einem Erdsonden-Feld, das Wärme und Kälte ins Haus bringt.

Den Faktor-5 Publikumspreis erhielt das Männerwohnhaus der Heilsarmee. Freiwillige kochen aus übrig gebliebenen Beeren und Früchten, die von der Schweizer Tafel bei Grossverteilern eingesammelt wurden, Konfitüre. Küchenchef Michael Erler erzählte, wie die Idee nach einem Telefonat mit der Schweizer Tafel entstand: «Wir haben Beeren!», meldete sich ein Mitarbeiter, worauf Erler antwortete: «Gut, wir nehmen 20 Kilogramm.» «Wir haben aber 800 Kilo!», insistierte der Anrufer. 780 Kilo Beeren wegschmeissen? Nein, das war Erler klar, und mit Freiwilligen vom Männerwohnhaus hatte er bald die Lösung parat, wie man die restlichen Beeren auch noch verwenden kann.

Ganz einfach: Einkochen

Man kocht sie zu Konfitüre ein, macht sie so länger haltbar und kann sie in Gläschen wieder an die Bedürftigen abgeben. «Konfitüre – eine Türe, die aufgeht», lobte Laudator Ronald Glaninger von der Etavis AG. Er charakterisierte die Idee in mehreren Adjektiven: «nachhaltig, ökologisch, effizient, menschlich, smart.»

Auch die anderen vier Finalisten waren mit spannenden Projekten am Start. Die Stiftung Habitat und die Roche versuchten mit nachhaltigen Bauten zu überzeugen. Tobias Wiesinger stellt aus Bambusrohren Fahrradrahmen her, die genauso stabil wie herkömmliche sind. In der Primarschule Wenslingen pflanzt jedes Kind seinen Apfelbaum, der von einem Bauer bewirtschaftet wird.

Schwung für die Zukunft

Drei Maturanden durften für ihre Maturarbeiten ebenfalls Preise entgegennehmen. Kristina Kraft vom Ökozentrum Langenbruck zeichnete Marc Kaufmann vom Wirtschaftsgymnasium Basel mit dem ersten Preis aus. Dank seiner Arbeit kann eine Schule mit angeschlossenem Ambulatorium in Kenia mit Strom versorgt werden. Zudem wurde eine elektrische Wasserfilteranlage montiert.

Beatrice Meerwein vom Gymnasium Oberwil erhielt den zweiten Preis. Sie plädiert für eine Welt ohne Abfall mittels eines unendlichen Kreislaufes und erkannte, dass «Labels» nicht reichen. «Um die Welt zu verändern, muss man etwas bekannt machen», erklärte sie.

Zoe Brogli vom Gymnasium Muttenz fragte sich als Drittplatzierte, was echte unternehmerische Nachhaltigkeit sei. Sie erstellte ein Theoriegerüst, das für Unternehmer ein Leitfaden für die «Business Sustainability» sein soll. «Nehmen Sie den Schwung mit und machen Sie etwas daraus!», forderte Maag in ihrem Schlusswort.

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