Schneidergasse

Der «Grüne Heinrich» bleibt geschlossen – Ladenbesitzer sind verärgert

Da tut sich nichts: Vor zwei Jahren schloss das Restaurant «Ecke 21».

Seit zwei Jahren tut sich an der Ecke Schneidergasse/Sattelgasse nichts. Daniel Rieder, Inhaber des ehemaligen «Grünen Heinrich», hat keine Pläne, das Restaurant wieder zu eröffnen oder zu vermieten. Die Besitzer der angrenzenden Läden sind verärgert.

Zwei lange Jahre schon. Kein Leben im Restaurant an der Schneidergasse Ecke Sattelgasse, just an einem der betriebsamsten und von Touristen viel besuchten Orte der Basler Innenstadt. Eine sehr prominente und sehr tote Ecke, kein Licht jenseits des Schaufensters; wer reinblinzelt, erkennt die Umrisse abgestellter Fahrräder im Innern des Restaurants, auch eine dicke Staubschicht auf dem Tresen.

Zwei Jahre schon steht dieses Restaurant leer. Und es ist nicht irgendeines, sondern handelt sich um das Lokal, wo dereinst der «Grüne Heinrich» einquartiert war. Und mit der «Hasenburg» und dem «Gifthüttli» jahrzehntelang das «Bermuda-Dreieck» bildete. Wo so mancher im Suff unterging, der Sog der Nacht ihn verschwinden liess. Manchmal für ein paar Stunden, manchmal ein paar Tage.

Dass bald Leben in das Lokal kommt, ist unwahrscheinlich. Hausbesitzer Daniel Rieder schreibt der bz auf Anfrage: «Es bestehen keine Pläne für das Lokal, und eine Vermietung ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgesehen. Ob wir das Restaurant wieder eröffnen, wissen wir nicht. Aber wenn, dann werden wir das selber machen.»

Das Lokal könnte noch einige Jahre geschlossen bleiben

Daniel Rieder ist der Sohn des legendären «Hasenburg»-Besitzers Ernst Rieder und seiner Frau Elsie. Er übernahm den «Grünen Heinrich» 1994, zwei Jahre später wandelte er ihn in das mexikanische «La Fonda» um, ehe er es 2014 nochmals mit dem «Grünen Heinrich» versuchte.

2017 taufte er das Lokal abermals um, in «Ecke21» – um diesen Versuch nach nur zwei Monaten einzustellen, «ein gescheiterter Neustart», wie Rieder schreibt. Und seither eben diese Leere, nicht mal die Schilder «Ecke21» wurden entfernt. Wenigstens schräg gegenüber läuft es ziemlich rund, die Hasenburg wird seit 2015 – nach umfassender Renovation – von Daniel Rieder geführt.

Er weilt gerade in den Ferien, und er klingt verbittert. Auf die Frage, warum er sich weigert, Pläne für das Lokal zu schmieden, antwortet er: «Basel ist aus unserer Sicht auf dem absteigenden Ast. Könnte gut sein, dass wir noch ein paar Jahre warten, um zu sehen, wohin uns die Politik fährt.» Gastronomische Angebote gebe es schon genug, und ausserdem sei die Kostenstruktur in der Gastronomie für Betriebe, die nicht zu einem Verbund oder einer Gruppe gehören, «nicht von Vorteil».

Unverständnis und Ärger

Vordergründig wird der prominente Leerstand an der Schneidergasse hingenommen. Hinter der Fassade aber brodelt es zünftig. Ein Ladenbesitzer, der namentlich nicht genannt werden möchte – «ich will es mir mit niemandem verscherzen» –, sagt zur bz: «Es ist extrem schade. Eine solch tote Ecke ist vielleicht ein paar Wochen, aber sicher nicht ein paar Jahre vertretbar. Sehr störend das Ganze. Das schadet dem Gewerbe ringsum.».

Ein anderer Geschäftsinhaber wird noch deutlicher: «Es ist ja schön für Daniel Rieder, dass er unter keinem finanziellen Druck steht, weil ihm das Haus gehört und jenes der ‹Hasenburg› auch. Aber zum Donnerwetter, wieso vermietet er das Lokal nicht einfach weiter, wenn er keine Lust oder keine Zeit hat, ein neues Konzept zu entwickeln?»

Auch beim Quartierverein Lääbe in der Innerstadt stösst der Entscheid von Rieder, das Lokal bis auf Weiteres einfach leer stehen zu lassen, auf Unverständnis. Präsident Urs Preisig sagt: «Wir würden es sehr begrüssen, wenn an dieser Ecke bald wieder ein Restaurant eröffnen würde. Das würde die Schneidergasse noch mehr beleben, und wie wir alle wissen, ist eine belebte Innenstadt ein Magnet für Besucher.» Ein Leerstand über mehrere Jahre hinweg sei hingegen problematisch, sende schlechte Signale aus, so Preisig.

Es müsste nicht unbedingt ein Restaurant sein

Im Hintergrund wird derzeit nicht nur geschimpft, sondern auch ein bisschen spekuliert. So mancher meint, es könne auch daran liegen, dass Rieder keinen Mieter finde, und nicht, dass er keinen wolle. «Die Küche befindet sich im zweiten Stock, sehr unpraktisch», sagt ein ausgewiesener Kenner der Basler Gastronomieszene. Ein potenzieller Pächter müsste viel Geld in die Hand nehmen, um den Betrieb umzubauen.

Und dann gibt es noch jene Stimmen, die sagen, es müsse nicht unbedingt ein Restaurant sein an der Ecke Sattelgasse/Schneidergasse. Das würde allerdings auch das definitive Ende des «Bermuda-Dreiecks» bedeuten. Aber diese Zeiten sind wohl ohnehin längst vorbei.

Autorin

Rahel Koerfgen

Rahel  Koerfgen

Meistgesehen

Artboard 1