Er ist ein Buchhändler der alten Schule: Seit 35 Jahren führt Urs Joerin das Geschäft «Zum Bücherwurm» im Gerbergässlein. Die Buchhandlung blickt zurück auf eine 80-jährige Geschichte. Doch die Zeiten waren schon rosiger: «Der Umsatz ist rückläufig», sagt Urs Joerin. Die Basler Buchhändler kämpfen gegen die Auswirkungen des starken Frankens und spüren immer noch den Fall der Buchpreisbindung.

Es haben bereits einige den Kampf ums Überleben verloren. Die jüngsten Beispiele: Die Buchhandlungen «Bachletten» und aller Voraussicht nach «Das Labyrinth». In der Region schlossen bereits Buchhandlungen wie Nasobem (2013), Lüdin (Liestal, 2013) und Wepf (2011) ihr Türen.

Schmale Preismarge

Der tiefe Eurokurs wird oft als Grund für die Krise genannt. Vor fünf Jahren lag der Kurs über 1.40 Franken, heute unter 1.10 Franken. Folge: «Die Marge ist schmal geworden», sagt Anne-Marie Pfister von der gleichnamigen Buchhandlung. Trotzdem laufe ihr Laden derzeit gut. Wie Urs Joerin ist sie schon lange im Geschäft tätig. Ihr langes Bestehen ist ihr Erfolgsrezept: «Ich habe seit über 40 Jahren diesen Buchladen und zähle auf eine treue Stammkundschaft. Die lassen sich nicht von tieferen Preisen weglocken.» Sie ergänzt: «Unsere Kunden kommen wegen des persönlichen Kontakts und der guten Beratung.»

Auch die Buchhandlung Narrenschiff an der Steinentorstrasse spürt den schwachen Euro. Die Umsätze seien derzeit aber weder rückläufig noch steigend, sagt Geschäftsführerin Petra Kiefer. Ihre Buchhandlung plant keine konkreten Massnahmen. «Wir brechen nicht in Panik aus und halten den Ball flach.» Auch keinen Umsatzeinbruch verzeichnet der Genossenschaftsbuchladen Rapunzel in Liestal. Genossenschafterin Maya Itin begründet: «Die preissensiblen Kunden haben wir bereits beim ersten Euro-Sturz an das Internet verloren.» Zudem verweist sie auf die besondere Situation in Liestal. «2013 schloss die Buchhandlung Lüdin. Wir konnten einige ihrer Kunden erben.» Auf neue Geschäftsmodelle greift die Buchhandlung nicht zurück. «Wir konzentrieren uns auf unsere grössten Stärken: guter Service und persönlicher Kontakt.» Dieselbe Aussage wie bei Anne-Marie Pfister: Die Buchhändler setzen auf Kundennähe.

Mehrere Standbeine

Sie seien gut aufgestellt, sagt Franziska Stocker, Geschäftsführerin von Bider & Tanner. «Wir müssen nicht um unsere Existenz kämpfen.» Seit 2009 ist das Unternehmen keine klassische Buchhandlung mehr. Sie seien ein Kulturhaus, sagt Franziska Stocker. Neben dem Buchverkauf bieten sie unter anderem Ticket-Vorverkäufe und weitere Kulturdienstleistungen an und stehen somit auf mehreren Standbeinen. Ein Vorteil, so Franziska Stocker. «Vor allem klassische Buchhandlungen haben derzeit zu kämpfen.» Für die Geschäftsführerin keine Überraschung. «Es wurde schon immer klar und deutlich kommuniziert, dass es ein Buchhandelsterben gibt, wenn die Buchpreisbindung aufgehoben wird.» Umso wichtiger sei es, sich mit der Welt mitzubewegen.

«Ich liebe meinen Beruf»

Sich mitbewegen, etwas was der Geschäftsführer vom «Zum Bücherwurm» gar nicht will. «Da bin ich ein wenig stur», sagt Urs Joerin. Er erklärt seine Abneigung gegen Veränderungen in seinem Geschäft: «Ich habe mir immer eine Buchhandlung gewünscht, wie ich sie jetzt habe.» Er könne die Welt nicht verändern. Als Pensionierter kann er sich diese Einstellung erlauben. Er muss nicht mehr von seinem Geschäft leben. «Der Druck, den ich jahrelang hatte, ist weg.» Die Verdrossenheit, die er bei Kollegen spürt, teilt er nicht. Denn trotz der Krise auf dem Buchmarkt: «Ich liebe meinen Beruf, auch noch heute.»