Novartis und die Handelskammer beider Basel (HKBB) liegen im Clinch. Der Grund: Pascal Brenneisen, neuer Leiter von Novartis Schweiz, hat sich am 28. Juni in einem E-Mail an HKBB-Präsident Thomas Staehelin über die Wahlempfehlungen des Wirtschaftsverbands für die Basler Regierungsratswahlen im kommenden Oktober beschwert («Der Sonntag» berichtete). Der Vorstand der HKBB hatte am 20. Juni überraschend beschlossen, die Kandidaten von FDP, LDP, CVP und SP zur Wahl zu empfehlen, nicht aber jene der SVP. Die SVP hatte den Entscheid zudem aus den Medien erfahren.

Was bisher nicht bekannt war: Brenneisen, selbst Mitglied des HKBB-Vorstands, war an der Sitzung, an der die Empfehlungen beschlossen wurden, nicht anwesend und hatte sich vorher intern auch nicht dazu geäussert. Dies bestätigt HKBB-Sprecherin Martina Hilker gegenüber dem «Sonntag». Mehr will Hilker zu Brenneisens brisantem E-Mail nicht sagen. Die HKBB, aber auch die Novartis sind sichtlich darum bemüht, die Wogen wieder zu glätten. Auch Novartis beantwortet Anfragen nur noch knapp. «Wir geben zu diesem Thema keine weiteren Kommentare ab», sagt Sprecher Satoshi Sugimoto und verweist an die Medienstelle der HKBB.

Brenneisen mit Schlüsselrolle bei HKBB

Die Zurückhaltung ist nachvollziehbar. Der Pharmariese und der Wirtschaftsverband müssen nach dem Eklat einen Weg finden, wieder miteinander klarzukommen. Dies, zumal Brenneisen auch bei der HKBB künftig eine Schlüsselrolle innehaben wird. Gemäss Informationen des «Sonntag» ist er soeben zum neuen Präsidenten der wichtigen Kommission für Life Sciences der HKBB bestimmt worden. Ende August wird er seine erste Sitzung leiten. Brenneisen folgt auf den langjährigen Novartis- und Sandoz-Manager Michael Plüss. Dieser musste das Amt abgeben, da er von der Regierung zum neuen Präsidenten des Verwaltungsrats des Universitätsspitals Basel gewählt wurde.

Rückendeckung erhält die HKBB von anderen Grossunternehmen wie Roche oder Baloise. «Die Baloise ist seit vielen Jahren im Vorstand der HKBB vertreten und steht voll und ganz zu dessen Entscheiden», sagt Thomas Kähr, Head Corporate Communications. Die HKBB sei eine «erfolgreiche und respektierte Organisation», welche die Interessen der Wirtschaft und damit auch der Baloise effizient vertrete. Die Meinung von Novartis wolle man nicht kommentieren.

Wahlempfehlungen bleiben

Ähnlich tönt es bei Roche. «Die Entscheidung zur Wahlempfehlung wurde im Vorstand der HKBB gemeinsam beschlossen», sagt Sprecherin Silvia Dobry. Die HKBB leiste insbesondere in der Kommission für Life Sciences «gute Arbeit».

Bei der HKBBsieht man denn auch keinen Grund, die von der Novartis kritisierten Wahlempfehlungen für die Basler Regierungsratswahlen im kommenden Oktober wieder rückgängig zu machen. «Ich wüsste nicht weshalb», sagt Sprecherin Martina Hilker. Brenneisen hatte in seinem E-Mail, das auch dem «Sonntag» vorliegt, gefordert, dass sich der Wirtschaftsverband politisch sensibler verhalten sollte und sich auf das Kommentieren von Themenbereichen beschränken sollte. «Der Vorstand hat einen demokratischen Entscheid getroffen», sagt Hilker. Das Resultat sei zudem «klar» ausgefallen.