In Basel gibt es bald eine Kirche weniger. Die evangelisch-reformierte Kirche (ERK) wird die Kirche St. Markus an der Ecke Kleinriehenstrasse und Hermann-Albrecht-Strasse im Hirzbrunnen definitiv abreissen. Wo bis 2010 Gottesdienste stattfanden, sollen nun zwei Wohnhäuser mit einer unterirdischen Auto-Einstellhalle entstehen. Die ERK zieht damit die Konsequenzen aus ihrer Sanierungsstrategie, die unter anderem die Umnutzung von Kirchgemeindehäusern und Kirchen vorsieht und schlimmstenfalls eben auch deren Abbruch.

Die ERK hat ein generelles Baubegehren eingereicht, wie der zuständige Kirchenrat Stephan Maurer sagt: «Es gilt nun, verschiedene grundsätzliche Fragen zu klären, wie etwa die Frage der Umzonung aus der Zone öffentlichen Interesses in die Wohnzone. Nun wird die Kantonsverwaltung Ja sagen oder Auflagen und Anregungen machen für ein endgültiges Baubegehren.» Ausserdem wolle die ERK wissen, ob sie die Zufahrt zur Tiefgarage des Personalhauses des Claraspitals nebenan nutzen dürfe. «Insgesamt stellen wir acht Grundsatzfragen und haben die entsprechenden Planskizzen beigelegt.»

Warten auf die Katholiken

Weitere Fragen betreffen die Nutzung, etwa ob es möglich ist, in den geplanten Wohnhäusern mit rund 20 Mietwohnungen auch ein Gemeindezentrum unterzubringen. Das würde dann nötig, wenn das gemeinsam mit der katholischen Kirchgemeinde St. Michael geplante Zentrum nicht zustande kommen sollte. «Die Katholiken hinken unserer Planung etwa drei Jahre hinterher, weil sie später angefangen haben», so Maurer. Die römisch-katholische Kirche Basel-Stadt kann hier auch nicht ganz frei verfügen, der Bischof in Solothurn hat ein Mitspracherecht.

Ausserdem ist die Michaelskirche – 300 Meter von der Markuskirche entfernt – im Inventar der schützenswerten Bauten (ISOS) aufgeführt. «Der Heimatschutz hat hier ein gewichtiges Wörtchen mitzureden», führt Maurer aus, auch wenn die Kirche nicht wirklich unter Denkmalschutz steht. Ein Umbau der Michaelskirche wäre aber nötig, sollte hier ein Gemeindezentrum entstehen. Ansonsten würden am jetzigen Standort der Markuskirche Gemeinderäume mit 300 bis 600 Quadratmetern Fläche entstehen. Diese dann allerdings wohl nur für die reformierten Gläubigen, die Katholiken würden weiterhin die Michaelskirche nutzen.

Zur Markuskirche hat sich die Denkmalpflege bisher nicht geäussert. Das dürfte vor allem daran liegen, dass nicht mehr viel an der Kirche in ursprünglichem Zustand ist. Sollten sich Denkmal- und Heimatschützer nicht noch umbesinnen und doch etwas gegen den Abriss tun, dürfte bis im Spätsommer das generelle Baubegehren behandelt sein. Danach, erklärt Maurer, «werden wir zusammen mit den Architekten Burckhardt und Partner das eigentliche Projekt erarbeiten und einreichen.» Geht alles glatt, könnte 2016 mit dem Abriss und dem Neubau begonnen werden.

Neue Einkommensquelle

Die Einkünfte aus den Mieten und die Einsparungen aus dem Wegfall der Markuskirche sollen ab dann das Budget der ERK um jährlich rund 300'000 Franken verbessern. Geld, das die von Austritten und damit sinkenden Steuereinnahmen geschwächte Kirche dringend nötig hat.

Widerstand aus der Gemeinde gab es laut Maurer beinahe keinen. «Wir hatten ein Treffen mit 250 Mitgliedern der Markus- und der Michaelskirche. Dabei war vor allem die Zukunft der katholischen Michaelsgemeinde ein umstrittenes Thema, nicht aber der Abriss der Markuskirche.»