BAKOM
Der «Hollywood-Sender» erhält vom Bakom grünes Licht

Das Privatradio Radio Energy Basel verstösst nicht gegen seine Konzession. Zu diesem Schluss kommt das Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Es hat deshalb ein Aufsichtsverfahren eingestellt, das vom Basler Lokalsender Radio X ausgelöst worden war.

Moritz Kaufmann
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Eva Nidecker im Studio von Radio Energy Basel

Eva Nidecker im Studio von Radio Energy Basel

Kenneth Nars

Ist Energy Basel noch ein Basler Radio-Sender oder nicht? Diese Frage musste das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) beantworten. Der Befund: Ja, er ist es gerade noch. Der Sender verfüge über «knapp genügend personelle Ressourcen, um den Leistungsauftrag umzusetzen», schrieb das Bakom am Dienstag in einer Mitteilung. Energy Basel darf also auf Sendung bleiben.

Grund für die Aufregung ist die Geschichte des Senders. Energy Basel sendet nämlich mit der Konzession, die einst das Liestaler Radio «Basel 1» bekommen hatte. «Basel 1» setzte stark auf regionale Inhalte, ging aber 2009 in das für Erwachsene konzipierte «Radio Basel» über, welcher fortan aus Basel sendete. Seit Januar heisst der Sender auf dieser Frequenz nun Energy Basel. Dieser setzt wie die Partnersender Energy Zürich und Energy Bern auf ein Konzept für ein junges Publikum mit aktueller Popmusik und wenig Nachrichtengehalt.

Minimalstandard garantieren

Diese Transformation hat in der Region zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen. Das gestrige Urteil des Bakom war denn auch mit Spannung erwartet worden. «Der Sender hat sich verwandelt wie ein Schmetterling. Das ist nicht Sinn und Geist der Gesetze», findet Thomas Jenny, Chef des alternativen Basler Senders «Radio X». Sein Kommentar zum Bakom-Urteil: «Die Regeln werden sehr grosszügig ausgelegt.» Für Jenny ist der Entscheid wegweisend, und zwar schweizweit. Der Entscheid des Bakom zeige, dass Konzessionen nicht mehr an Inhalte gebunden seien.

Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik an der Fachhochschule Winterthur sieht es nicht so dramatisch. Er hat als Evaluator selber schon Rundfunksender für das Bakom beurteilt. «Energy mag im Gesamtprogramm total anders daher kommen als das Radio, das die Konzession erhalten hat. Doch das Bakom schaut primär auf den Leistungsauftrag im Informationsbereich», sagt er. Wenn ein gewisser Minimalstandard erreicht sei, sei die Konzession nicht verletzt. Energy erfülle diesen Anspruch offensichtlich. Wyss zeigt auch Verständnis dafür, dass das Bakom «vielleicht eher einen zurückhaltenden Entscheid gefällt» habe: «Medienpolitisch ist das ein heisses Eisen. Es gilt ja das Prinzip, dass sich der Staat nicht in das Programm ein mischen soll.»

Energy ist erfreut

Trotzdem ist Wyss überzeugt, dass es etwas bringt, wenn das Bakom genauer hinschaut und auch, dass es Konzessionsauflagen gibt (siehe Box). «Energy ist ein ‹Hollywood-Communiy-Radio›, für das regionale News eher störend sind.» Durch die Vorgaben des Bakom werde garantiert, dass trotzdem lokale Nachrichten gesendet werden.

Beim betroffenen Radiosender jedenfalls versteht man die Aufregung nicht. «Wir freuen uns, dass das Aufsichtsverfahren nun abgeschlossen ist und unsere gute journalistische Arbeit für Basel bestätigt», sagt Energy Basel-Chefin Eva Nidecker. Sie widerspricht dem Bakom-Befund, wonach nur «knapp genügend Personal» zur Verfügung stehe. «Wir sind personell gut aufgestellt und können den Leistungsauftrag problemlos erfüllen.» Der Sender hofft, dass die Diskussionen nun abflachen und man sich wieder «aufs Radio machen» konzentrieren könne.

Auch für Energy gilt: Am Schluss entscheiden die Hörer, ob sie das Programm goutieren oder nicht.