Gewaltverbrechen
Der Internet-Pranger verliert sein Publikum

Unverpixelte Fotos von Tätern werden heute weitaus seltener angeklickt als zu Anfangszeiten der umstrittenen Praxis. Dennoch ist die Öffentlichkeitsfahndung ein probates Instrument, findet die Basler Staatsanwaltschaft.

Benjamin Rosch
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Mit diesem Überwachungsfoto fahndete die Baselbieter Staatsanwaltschaft 2015 zum ersten mal per Internetpranger.

Mit diesem Überwachungsfoto fahndete die Baselbieter Staatsanwaltschaft 2015 zum ersten mal per Internetpranger.

Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft

Im Juni 2009 schlugen zwei Jugendliche eine Person in einem Bus der Basler Verkehrsbetriebe brutal nieder. Die Basler Staatsanwaltschaft (Stawa) entschied sich wenig später zu einem besonderen Mittel: Sie veröffentlichte die Bilder der Täter im Internet. Das Interesse der Öffentlichkeit, die so in die Fahndung einbezogen wurde, war riesig. Genaue Zahlen gibt es zwar keine, doch brach damals der Server unter der Last der Anfragen zusammen.

Inzwischen hat die Stawa den Internetpranger mehrere Male eingesetzt. Einige Male auch im Zusammenhang mit Ausschreitungen rund um Fussballspiele. Vielleicht liegt es daran, dass die dokumentierten Straftaten damals grosses Aufsehen erregten. Vielleicht ist die Öffentlichkeit seither einfach ein bisschen abgestumpft. Sicher ist: Wenn die Stawa heute Bilder unverpixelt ins Netz stellt, stürzen keine Server ein. Am 7. November luden die Behörden verpixelte Fotos von den Krawallen im Anschluss an das Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich hoch. 2500 Klicks verzeichnete die Stawa damals auf ihrem Internet-Auftritt. Anfang Dezember folgten dann die unverpixelten Gesichter. Das wollten dann immerhin rund 4000 Personen sehen. Zum Vergleich: An einem durchschnittlichen Tag registriert die Stawa 300 Klicks.

Auch in Luzern bekannt

Das Phänomen ist bereits in anderen Ecken der Schweiz bekannt. Luzern kam in Sachen Internetfahndung eine Pionierrolle zu. 170 000 Klicks verzeichneten die Fahnder auf den ersten Aufruf. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl bei etwa 10 000 eingependelt. Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Strafuntersuchung, sagte damals in einem Interview mit «Zentralplus»: «Für die Leute ist es offenbar nicht mehr gleich spannend, sich die Bilder anzuschauen.»

Für Peter Gill, Sprecher der Basler Stawa, sind die Zahlen immer noch in einem guten Bereich. Sowieso sei die Öffentlichkeitsfahndung ein sehr probates Mittel: «Von den acht Personen, die wir ursprünglich ausgeschrieben haben, haben sich fünf gestellt.» Sofort sei danach deren Bild von der Website verschwunden. Kritiker monieren hingegen: Wer einmal in einem solchen Zusammenhang mit Bild im Internet gesucht wird, trägt die Folgen noch lange mit sich. Obwohl ein rechtlicher Schuldspruch aussteht. In der Tat: Noch immer sind im Netz Bilder längst vergangener Öffentlichkeitsfahndungen auffindbar.