Comic

Der jüngste Verleger kommt aus Basel und ist 11 Jahre alt

Der elfjährige Vinzenz Zehnder bringt das einzige Basler Comic-Magazin heraus – auf dem Drucker seines Vaters.

Der jüngste Chefredaktor der Schweiz telefoniert mit dem Handy seines Vaters. «Hallo», sagt Vinzenz Zehnder fröhlich und bringt den Videoanruf mit seiner Energie zum Wackeln: «Danke für den Anruf!»

Der Elfjährige hat eben die neueste Ausgabe seiner Comiczeitschrift «Fasomagazin» in den Laden gebracht, und zwar buchstäblich: Der Primarschüler liefert die Exemplare persönlich im Comix Shop Basel ab, wo sie für fünf Franken angeboten werden. Abonnenten erhalten das 22 Seiten starke und in Eigenregie hergestellte Heft sogar noch günstiger.

«Ich bin seit einem Jahr Herausgeber und Chefredaktor des ‹Fasomagazin›», erklärt Vinzenz selbstbewusst. «Wenn eines fertig ist, veröffentliche ich es.» Sechs Ausgaben sind es bislang, gedruckt wird daheim, auf dem Drucker des Vaters. Zu Hause entstehen auch die Beiträge zu Comic-Klassikern («Jeff Jordan») und Neuerscheinungen, eine Rätselseite (zum Glück mit Auflösung) und eine Bestenliste.

Dass Vinzenz aus einem Journalistenhaushalt stammt – Vater und Radiomann Raphael Zehnder schreibt die erfolgreichen «Kommissar Müller»-Krimis –, ist nicht zu übersehen: Alles ist hier am richtigen Platz, informativ geschrieben und tadellos mit Quellenangaben versehen.

Vor allem aber: Der Chefredaktor zeichnet selbst! «Am liebsten mit dem Bleistift», erklärt Vinzenz, «Wasserfarben sind nicht so meins.» So hat er gleich mehrere Figuren entworfen, die in den Fortsetzungsgeschichten seines Magazins auftreten: das Detektivduo Elia und Guntese, ein rüstiger alter Seebär oder ein Bankräuber namens Roberto, der bei aller Hinterlist über die eigene Schusseligkeit stolpert.

«Ich habe ihn ein wenig an Gaston Lagaffe orientiert», erzählt Vinzenz, der keinen Hehl aus seiner Vorliebe für franko-belgische Comics macht. «Ich nehme also zum Beispiel eine Reihe von Nasen und mache daraus einen Mischmasch, um einen eigenen Charakter zu kreieren.»

Ein Hund namens Faso

Seine Leidenschaft für Comics hat Vinzenz Zehnder früh entdeckt, «Asterix» und «Lucky Luke» gehörten zu seiner ersten Lektüre. «Ich habe auch so Velo-Figürchen gezeichnet», sagt er, «weil mein Grossvater gerne Radrennen geschaut hat.» Mit wachsender Routine versuchte sich Vinzenz an einem eigenen «Lucky Luke»-Abenteuer, nach 16 Seiten brach er ab.

«Das war noch nicht auf dem Niveau, das ich heute habe», erklärt er selbstkritisch. Mit dem «Spirou»-Magazin entdeckte er das Prinzip der Fortsetzungsgeschichte. «Da dachte ich mir, dass ich eine eigene Serie und ein eigenes Comicmagazin machen könnte.»

Wie das belgische Pendant mit seinem rotgewandeten Hotelpagen fand auch Vinzenz ein Magazin-Maskottchen – den Hund seines Detektivgespanns. «Wie ich auf Faso gekommen bin, weiss ich nicht mehr», sagt er. «Der Name hat mir einfach gefallen.» Vinzenz erzählt Alltagsabenteuer, mit Betonung auf Abenteuer.

«Ich zeichne Detektive, weil die immer viel erleben», sagt Vinzenz, «ein Versicherungsangestellter oder ein Börsenmakler kommt weniger infrage.» Auch Journalismus sei ein spannender Beruf, so Vinzenz, selbst wenn sein eigener Vater nie nach Afrika reise. Besonders gern zeichnet Vinzenz den chaotischen Bankräuber, «weil ich mit ihm die Welt ein bisschen auf den Kopf stellen kann».

Unordnung gibt es in Vinzenz Zehnders Redaktion sonst wenig. «Ich wache am morgen oft früh auf, dann sitze ich an den Tisch und zeichne.» Dafür finde er neben der Schule und dem Klavierspielen eigentlich immer Zeit. Das Zeichnen gefalle ihm besser als das Schreiben, obwohl es auch anstrengen kann.

«Wenn man bei einer Zeichnung nicht weiterkommt oder die Perspektive nicht stimmt – das nervt.» Dann muss sich die erweiterte Redaktion vorsehen. «Schreibt mein Vater Bücher, darf man ihn auch nicht stören. Aber ich glaube, ich bin da noch strenger. Versuche ich, eine Figur hinzukriegen, und man fragt mich irgendwas, kann ich schon unangenehm werden», lacht er.

So gern Vinzenz Geschichten erzählt: Ausschliesslich Comic zeichnen möchte er nicht unbedingt. «Ich weiss nicht, ob es mir nicht irgendwann verleiden würde», sagt der Elfjährige und fügt ganz pragmatisch hinzu: «Ausserdem gibt es in der Schweiz nur wenig Leute, die wirklich davon leben können.»

Doch vorerst geht das Alltagsabenteur «Fasomagazin» weiter, die nächste Ausgabe ist schon in Vorbereitung. «Ich notiere ständig Ideen für neue Geschichten. Im Kopf bin ich immer weiter als mit dem Zeichnen.»

«Fasomagazin» Nr. 6 ist im Comix Shop Basel erhältlich. Abonnieren: fasomagazin@bluewin.ch

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