Der Asiatische Laubholzbockkäfer gehört zu den am wenigsten willkommenen Einwanderern. Denn sein Schadenpotenzial ist riesig. Die Stadt Winterthur bekam diesen Sommer eine Ahnung davon: Sie musste eine Allee mit 64 Bergahornen fällen, schreddern und verbrennen, weil die Bäume von mindestens 140 Käfern befallen waren. Deren Herkunft ist noch nicht restlos geklärt, doch gehen Fachleute davon aus, dass die Käfer in Verpackungsholz aus Asien eingeschleppt wurden.

Auch in den beiden Basel und den Kantonen Freiburg, Thurgau und Luzern sind Käfer respektive Larven aufgetaucht.  Sie werden über die Rheinhäfen in Basel und Birsfelden in die Schweiz importiert.

Über diesen Weg gelangen etwa 80 Prozent der chinesischen Steinlieferungen, deren Palette sich bis jetzt als einziges Einfuhrvehikel der Käfer und Larven entpuppt haben, in die Schweiz, sagt Ernst Fürst vom eidgenössischen Pflanzenschutzdienst des Bundesamts für Umwelt (Bafu).

Der Rest kommt per Lastwagen, auch hier ein Teil via Basel. Und weil im Birsfelder Hafen im Frühsommer im Verpackungsholz nicht nur Larven gefunden, sondern auch Ausflugslöcher entdeckt wurden, ordnete der Bund eine sogenannte Fokuszone an, die der Kanton auf einen Radius von 500 Metern festgelegt hat. Diese Zone umfasst Offenland und Wald.

Fast einen Tag Arbeit pro Baum

Für den Wald ist Ueli Meier, Kantonsförster beider Basel, zuständig. Und er hat wegen der Bundesanordnung ein Problem: Er musste in den letzten Wochen das notwendige Monitoring in der Fokuszone organisieren. Das war aber nicht ganz einfach, weil laut Meier bisher in Europa noch nie Wälder, sondern nur Alleen, Pärke und Einzelbäume vom Asiatischen Laubholzbockkäfer betroffen waren. Meier erklärt die Hauptschwierigkeit: «Monitoring heisst, dass wir jeden Baum einzeln von unten bis oben auf Larven- und Käferspuren untersuchen müssen. Für das brauchen wir pro Baum einen halben bis einen ganzen Tag. Und die Untersuchungen müssen wir in den nächsten vier Jahren drei- bis viermal jährlich durchführen.»

Um die Kosten zu senken und das Verfahren zu verbessern – liegende Bäume können besser untersucht werden –, prüft Meier derzeit zusammen mit der Waldeigentümerin, der Bürgergemeinde Basel, am Rand des betroffenen Waldstücks in der Hard Bäume zu fällen.

Es braucht besonderes «Personal»

Damit ist das Problem kleiner, aber nicht gelöst. Denn um Bäume von unten bis oben auf Frassspuren von Larven und Ausschlupflöcher von Käfern begutachten zu können, braucht es besonderes «Personal»: Hunde, die die Larven erschnüffeln, Spezialisten, die vom Boden aus beobachten und Baumkletterer, die die oberen Baumteile absuchen. Inzwischen sind vier Hunde und 20 Baumkletterer ausgebildet worden und der erste Durchgang des Wald-Monitorings kann in den nächsten Wochen stattfinden.

Dies alles ist nicht gratis: In Basel-Stadt, das auch von einem Befallsherd im Hafen Weil betroffen ist, hat die Regierung 300000 Franken gesprochen. Für Baselland werden die Kosten fürs Monitoring laut Meier in einer gleichen Grössenordnung liegen – vorausgesetzt, es werden keine Käfer gefunden. 

Ernst Fürst vom Bafu geht davon aus, dass in der Schweiz weitere Käfer auftauchen. Denn auch wenn die neu eingeführte Meldepflicht greift, können aus früher importierten und im Ursprungsland offensichtlich nur mangelhaft behandelten Paletten noch Käfer schlüpfen. Apropos Meldepflicht: Importeure müssen seit Juli alle Container mit Steinprodukten anmelden. Danach suchen sie Kontrolleure nach Käfern und Larven ab – und sie fanden schon etliche Larven.

Für die Steinimporteure hat ein Befall zur Folge, dass sie die entsprechenden Container begasen, die Ware umladen und die Palette verbrennen müssen, was laut Fürst etwa 1000 Franken pro Container kostet. Doch das reicht nicht, um den Irrsinn zu durchbrechen: Weil bei öffentlichen Ausschreibungen der Preis eine zentrale Rolle spielt, setzen Anbieter auf billigere ausländische statt auf heimische Granitsteine. So waren die Steine in Winterthur, aus deren Verpackungspaletten die Käfer vermutlich entwichen sind, für den Strassenbau bestimmt.