Vierzehn Prozent der Trams und Busse der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) haben mehr als drei Minuten Verspätung, knapp fünf Prozent über fünf Minuten. Damit ist der öV in Basel im Vergleich zu den anderen grossen Städten der Deutschschweiz bedeutend unpünktlicher, wie die «Schweiz am Wochenende» mit Berufung auf eine Statistik von «Puenktlichkeit.ch» schrieb. In Zürich sind beispielsweise nur 2,6 Prozent der Trams und Busse mehr als fünf Minuten verspätet, in Bern sind es gar unter zwei Prozent.

Bei den BVB herrschte nach der Publikation der Ergebnisse zunächst Ratlosigkeit. BVB-Sprecherin Claudia Demel sagte zum «Regionaljournal» in einer ersten Stellungnahme nur, dass man nicht erfreut sei, und die Statistik von den betriebsinternen Experten auswerten lassen wolle. Diese weilten vergangene Woche in den Weihnachtsferien. In der Zwischenzeit sind sie zurück. Deren erste Erklärung für die vielen Verspätungen ist, dass das Netz in Basel dichter befahren werde als in anderen Städten. Dabei mache sich besonders bemerkbar, da die BVB nicht über genügend Eigentrassee verfügen und daher von der Verkehrssituation abhängig sind.

Gerade auf Strecken mit der höchsten Unpünktlichkeit machen die BVB den Privatverkehr für die Verspätungen verantwortlich. Auf der Tramlinie 8 (zwischen Kleinhüningen und Aeschenplatz), auf der jedes zweite Tram über drei Minuten zu spät ist, macht sich auch der Einkaufstourismus Richtung Weil am Rhein bemerkbar. Am schlimmsten ist es hier am Samstagnachmittag, wenn die Schweizer über die Grenze einkaufen gehen. Ebenso bleiben auf den anderen betroffenen Strecken Allschwil Paradies–Neuweilerstrasse (Buslinie 38, neu 61) sowie Schifflände–Breite (Buslinie 36) BVB-Fahrzeuge überdurchschnittlich oft im Stau stecken, weil sie nicht über eigene Fahrbahnen verfügen.

Kaum Verbesserungspotenzial

Die Verkehrssituation können die BVB nicht beeinflussen. Trotzdem haben sie Massnahmen eingeleitet, die Pünktlichkeit zu verbessern. So wollen sie beispielsweise darauf hinarbeiten, dass sich die Trams nicht an alle Tempolimiten halten müssen, die für die Autofahrer gelten. Gerade in den Tempo-30-Zonen könnten die Trams Zeit gutmachen. Handlungsspielraum hat der Gesetzgeber dort, wo die BVB-Trams auf einem eigenen Trassee fahren. Andere Möglichkeiten sind jüngst umgesetzt worden und werden sich bei «Puenktlichkeit.ch» erst bemerkbar machen – oder zeigen bereits Wirkung.

So haben die BVB den neusten Fahrplan gemeinsam mit der Baselland Transport AG (BLT) angepasst und dafür gesorgt, dass sich die Trams weniger selbst im Weg stehen und es zwischen Bankverein und Claraplatz zu weniger Verspätungen kommt. «Wie das wirkt, wird in den nächsten Wochen und Monaten beobachtet und allenfalls zum nächsten Fahrplanwechsel nochmals nachgeschärft», sagt Demel. Auf fundamentale Verbesserungen werden sich die BVB-Passagiere dennoch nicht einstellen können. Das Unternehmen hat gemäss Demel die «Optimierungsmöglichkeiten» ausgeschöpft, was die Steuerung der Lichtsignalanlagen und den Ausbau der Eigentrassees angehe.

An einem ganz anderen Punkt ist das andere grosse regionale Verkehrsunternehmen, die BLT. Die Pünktlichkeit der gelben Trams und Busse wird bisher nicht systematisch erfasst. Direktor Andreas Büttiker sagte gestern auf Anfrage, er kenne die Gründe nicht. Gleichzeitig scheut er den Vergleich mit den anderen öV-Unternehmen nicht. Die Trams, die vom Land kommend Richtung Stadt fahren, seien meist pünktlich, glaubt Büttiker.