Premiere
Der King of Rock’n’Roll lebt! Das Mimösli machts möglich

2015 ist ein musikalischer Mimösli-Jahrgang. Nachdem die Pfeiferinnen und Pfeifer der «Hofnaare» und die Tambouren von «Stickstoff» den «Sousa» feinfühlig und präzise zum Besten gaben, stand auf einmal der King of Rock’n’Roll auf der Bühne.

Tobias Gfeller
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Elvis lebt! Das Mimösli machts möglich

Elvis lebt! Das Mimösli machts möglich

CHRISTOPH JUNCK
Dafür fliegen Fasnachtscomité und das Standortmarketing nach Las Vegas – und haben Probleme am Zoll.

Dafür fliegen Fasnachtscomité und das Standortmarketing nach Las Vegas – und haben Probleme am Zoll.

CHRISTOPH JUNCK

Für einmal muss die Geschichte vom Ende her erzählt werden. Nachdem die Pfeiferinnen und Pfeifer der «Hofnaare» und die Tambouren von «Stickstoff» den «Sousa» feinfühlig und präzise zum Besten gaben, stand auf einmal der King of Rock’n’Roll auf der Bühne. Noch ohne einen Ton von sich gegeben zu haben, bricht das Premierenpublikum am Donnerstagabend in tosendem Beifall aus. «Elvis lebt wirklich!»

Zusammen mit einer Basler Band, in der vor allem Keyboarder Heinz Wirz zur Hochform aufläuft, legt er eine Show auf die Bühne, die so die Fasnacht wohl noch nie gesehen hat. Das Mimösli hat es wieder einmal geschafft. Es mischt ein fasnachtsfremdes Genre mit Fasnachtsmusik, in dem drei Pfeiferinnen die Rolle als Background-Sängerinnen übernehmen.

Auf dem Claraplatz im Ghetto

Am vergangenen 8. Januar wäre Elvis Presley achtzig Jahre alt geworden. Mit dem weltweit bekanntesten Elvis-Imitator Matt Lewis ehrt das Mimösli die Musik-Ikone auf eine ganz spezielle Art und Weise. Seine Songs wie «Love me Tender», «Suspicious Minds» oder «Viva Las Vegas» werden fasnächtlich untermalt, ohne deren Charakter zu verändern. Elvis rappt, flirtet mit dem Publikum und singt sogar «Z Basel am mim Rhy». Es ist aber keinesfalls nur eine reine Elvis-Ego-Show. Das beweist das Mimösli, als Häbse Hersberger während Elvis’ «In the Ghetto» trocken und melodiös passend einfügt: «Laufsch du übere Claraplatz, denn hesch du’s Gfühl, de sigsch bereits im Ghetto».

Neben Elvis überzeugen aber auch die anderen musikalischen Präsentationen. Die Pfeifergruppe «Hofnaare» inszeniert begleitet von Heinz Wirz am Klavier musikalisch und optisch das Ballet «Der Nussknacker» und die Operette «Die Fledermaus» glanzvoll. Die über Landesgrenzen hinaus bekannten Tambourenvirtuosen von «Stickstoff» beweisen, dass sie es traditionell mit der Holztrommel und innovativ mit dem Abfalleimer können.

Im Nachhall zu diesen musikalischen Glanzstücken geht die Gugge «Chaote», die zwar solide Helene Fischers Dane-Pop-Schlager «Atemlos» und Drupis «Picola e Fragile» schränzen, aber das Häbse-Theater nicht wirklich zum Kochen bringen, etwas unter. Ab dem 2. Februar werden sie von den «Uelischränzer» abgelöst.

Streit um Weltkulturerbe

Bei den Rahmestiggli hatte das Mimösli bestimmt schon bessere Jahrgänge. Heraus sticht aber gleich das erste, als sich Vertreter von lokalen Schweizer Bräuchen darum streiten, wer nun vom Bundesrat für das Unesco-Weltkulturerbe vorgeschlagen wird. Besonders Häbse Hersberger als Zürcher Schneemann «Böög» hat mit seiner arroganten Züri-Schnörre die Lacher auf seiner Seite. Der Liestaler Chienbäse-Träger, der Winzer aus der Romandie, der Berner Jodler, die Kleinbasler Bärin und die alte Frau Fasnacht sticheln sich in Hochform gegenseitig an. Als unter anderem die Basler Fasnacht nominiert wird, ist dies der Beginn einer langen Reise, die die Vertreter des Fasnachtscomité, des Standortmarketings und der Fasnachtsformationen nach Las Vegas bringt.

Das Ensemble um Häbse Hersberger und Dani von Wattenwyl erlebt die für sie sonderbare Welt von Las Vegas. Es ist ein Aufeinandertreffen von traditionellen Fasnachtswerten mit amerikanischem Gigantismus. Neben den Politikern, die wie gewohnt durch den Kakao gezogen werden, ist die Fasnacht selber das beherrschende Sujet der Schauspieleinlagen.

Nackt-Selfies und Bebbi-Sagg

Hervorragend zieht sich der rote Faden durch das Mimösli. «S Bangg-Ghaimnis» und «s spitzig Ryssblei» fügen sich nahtlos in die Reise ein und blicken mit ihren Schnitzelbänken humoristisch auf das vergangene Jahr zurück. Der Fleischskandal, die Nackt-Selfies von Geri Müller und der Sekretärin aus dem Bundeshaus, die künftig im Untergrund versteckten Bebbi-Säcke und natürlich Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels – nichts und niemand blieb von ihren spitzen Zungen verschont.