«Kommen Sie jetzt gleich vorbei, ich bin zu Hause», sagt Permi Jhooti am Telefon. Fünf Minuten später stehe ich vor ihrer Haustüre. Eine kleine, schlanke Britin, der man ihren indischen Migrationshintergrund ansieht, öffnet mit einem freundlichen Lachen die Tür und begrüsst mich mit einem herzlichen «Hello». Bei einem Kaffee in der Wohnung der 42-Jährigen erzählt die erste asiatische Profifussballerin und studierte Informatikerin ihre Lebensgeschichte.

Diese diente dem Kino-Film «Bend it like Beckham» als Grundlage. Die 2002 erschienene Produktion der britischen Regisseurin Gurinder Chadha war ein riesen Erfolg und wurde im fussballverrückten Nordkorea als erster westlicher Spielfilm überhaupt im Staatsfernsehen gezeigt.

Frau Jhooti, der Ausblick aus Ihrer Wohnung ist wunderschön.

Permi Jhooti: Ich liebe meine Wohnung. Als ich hier eingezogen bin, habe ich ein richtiges zu Hause gefunden. Ohne den Fussball hätte ich diese Wohnung aber nie bekommen. Der Vermieter nahm mich nicht ernst. Weil ich mich aber in die Wohnung verliebt hatte, versuchte ich ihn am Telefon zu überzeugen. Als er mich googelte, schaute ihm seine Tochter über die Schulter und sagte «die kenne ich, mit der habe ich mal Fussball gespielt.» Und so bekam ich die Wohnung.

Sie leben seit Ende 2005 in Basel. Wie kam es dazu?

Mein Mann bekam von der Novartis ein Jobangebot in Basel. Zuvor hatte ich noch nie von Basel gehört. Als wir das erste Mal hierher kamen, war traumhaftes Wetter. Also entschieden wir uns, nach Basel zu ziehen. Hätte es damals geregnet, würde ich jetzt irgendwo anders auf der Welt wohnen. Ich hatte Angst, nach Basel zu kommen.

Wieso hatten Sie Angst?

Bis zu meinem 18. Lebensjahr litt ich stark unter Rassismus. Ich bin in der nordenglischen Stadt Preston aufgewachsen, war immer die Aussenseiterin. Die Leute sagten mir, ich solle zurück in mein Land gehen. Von Preston zog ich ins multikulturelle London, um zu studieren. Dort konnte ich endlich ich selbst sein. Ich befürchtete, in Basel wieder Opfer von Rassismus zu werden. Das ist glücklicherweise nicht passiert. Basel ist genau so offen wie London. Ich liebe das Leben hier. Und speziell den Rhein liebe ich sehr.

Eine andere grosse Liebe von Ihnen ist der Fussball.

Fussball ist für mich Leidenschaft, Hingabe und Kampf. Als ich nach Basel kam, wollte ich aber nicht mehr spielen. Ich habe andere Sportarten gemacht. Insbesondere das Rudern hat es mir angetan.

Wie kamen Sie zum Rudern?

Ich habe Leute auf dem Rhein rudern gesehen. Dann habe ich an meinem ersten Wochenende hier per Zufall den Fährimaa kennen gelernt, der heute einer meiner besten Freunde ist. Wir kamen ins Gespräch und er versprach, mir das Rudern beizubringen. Im vergangenen Sommer habe ich gar an den Schweizer Ruder-Meisterschaften teilgenommen! Ich fühle mich nirgendwo baslerischer als in meinem Boot auf dem Rhein.

Welche Rolle spielt der Fussball heute noch in Ihrem Leben?

Ich besuche heute zum ersten Mal seit langem wieder ein Training und steige mit Congeli wieder in die Meisterschaft ein.

Auf was freuen Sie sich?

Am meisten freue ich mich darauf, mal wieder richtig schön zu grätschen (lacht).

Nach einem schweren Unfall (Jhooti erlitt bei einem Zusammenprall innere Verletzung, Anmerk. d. Red.) mussten Sie ihre Karriere beinahe frühzeitig beenden.

Das war eine harte Zeit. Die Unterstützung meines Vereins Fulham fehlte. Sie haben mich nur angerufen um mich zu fragen, wann ich meine Ausrüstung zurück bringe. Ich habe ihnen gesagt, dass ich entscheide, wann Schluss ist. Ich konnte nicht aufhören, ohne noch ein letztes Mal auf dem Platz zu stehen.

Es wurde das Spiel Ihres Lebens.

Richtig. Ich habe mir selber keinen Druck gemacht und noch nie so aufgespielt wie in dieser einen Partie. Ich habe sie überzeugt, sie haben mir einen Vertrag angeboten und ich habe weiter gespielt.

Dabei wollten Sie nie Profi-Fussballerin werden.

Ich war schon als Kind unglaublich stur. Damals spielte ich einfach Fussball, um nicht Schach spielen zu müssen (lacht). Bis ich zur Uni ging, habe ich aber nicht Fussball, sondern Badminton gespielt. Erst in London begann ich wieder mit dem Fussball, wurde entdeckt und zu Millwall transferiert. Von dort zog es mich später zu Chelsea und Fulham.

Durch Ihre Engagements verbrachten Sie viel Zeit ohne Ihre Familie.

Das wurde mir erst in Basel richtig bewusst. Ich habe gemerkt, dass ich fast nie mit meinen Geschwistern Fussball gespielt habe. Ein Versäumnis.

Welches war Ihr Lieblingsspiel?

Alle Leute erwarten, dass ich diese Frage mit dem FA-Cup-Finale beantworte. In Wirklichkeit war es aber ein Spiel, welches ich nach meinem Rücktritt bestritt. Es war ein Charity-Spiel zwischen dem aktuellen Chelsea-Team und demjenigen, in welchem ich damals noch gespielt hatte. Meine ehemaligen Mitspielerinnen und ich schlugen die noch aktiven Profis. Ein unglaubliches Spiel.

Sie konnten vom Fussball leben. Das ist als Frau nicht selbstverständlich. Noch heute ist der Unterschied zwischen Frauen- und Männerfussball riesig.

Man muss aufhören, den Frauenfussball mit dem Männerfussball zu vergleichen. Das führt zu nichts. Es entwickelt sich alles in die richtige Richtung. Und es wird noch besser, wenn wir endlich aufhören, uns mit den Männern zu vergleichen.