Michael Wüthrich ist ein Provokateur. Gezielt weiss der Grünen-Grossrat und Präsident der Umwelt- und Verkehrskommission (Uvek) die Medien einzusetzen und dort für Wind zu sorgen, wo er Missstände vermutet. Dafür betreibt er auch einen eigenen Blog. Auf diesem präsentiert sich der Gymnasiallehrer auf einer Skitour mitten in einer Schneelandschaft.

Wenige Zentimeter darunter wird er frostig. Ziel seines jüngsten Blog-Eintrags ist der Verwaltungsratspräsident der Basler Verkehrsbetriebe (BVB): Paul Blumenthal. Ihm wirft Wüthrich vor, sich nicht an eigene Compliance-Regeln zu halten, obwohl er als «Saubermann» angetreten sei. Konkret geht es um die Feststellung der Verwaltung, dass Blumenthal sein VR-Mandat über seine Beratungsfirma abrechnete und nicht als Privatperson. So mussten die BVB keine Sozialabgaben zahlen. Dafür schlug er die Mehrwertsteuer drauf, was er aber an den Bund abgab. Wüthrich vermutet eine Bereicherung von Blumenthal in einer Höhe von bis zu 30’000 Franken– und stellte rhetorisch gar die Frage in den Raum: «Ist er überhaupt noch zu halten?»

Die Reaktion blieb nicht aus. Via Mail meldete sich der Beschuldigte direkt zu Wort: «Da Du mir hier wider besseren Wissens öffentlich illegales Handeln vorwirfst, möchte ich Deine Leserschaft doch kurz über einige Fakten aufklären», beginnt er. Er verteidigt sein Vorgehen: «Das war mit den Behörden, Steuerverwaltung und der AHV-Kasse so abgemacht. Darauf darf ich mich hoffentlich im Rechtsstaat Schweiz verlassen. Bisher wurde ich jedenfalls nicht wegen irgendeines illegalen Verhaltens angeklagt oder verurteilt.» Dann aber geht er in die Gegenoffensive und wirft Wüthrich eine Verleumdung vor. Dieser machte den ganzen Mailverkehr publik.

Blumenthal schaltet Anwalt ein

Eine Anschuldigung an der Blumenthal festhält. «Ich habe einen Anwalt eingeschaltet. Das lasse ich nicht auf mir sitzen. Dessen Rat werde ich nun befolgen und behalte mir juristische Schritte vor», sagt er gegenüber der bz. Zwar sei korrekt, dass 2016 das Abrechnungsverfahren geändert worden sei. Dies deshalb, «weil dieses vertraglich nicht klar geregelt war». Einen persönlichen Vorteil hätte er aber nicht daraus gezogen. Vielmehr geschehe die Umstellung zulasten der BVB, mit denen er sich nun hälftig die Sozialkosten teilt. Wüthrich wiederum hält an seiner Darstellung fest: «Es sind die gleichen Spiele wie früher, bei den BVB.» Er sieht Anzeichen für eine Mentalität, nach der jeder für den eigenen Vorteil wirtschafte.

Die bz hat die Angelegenheit extern überprüfen lassen. Dabei stellt sich die Kernfrage heraus: Ist Blumenthal als Person in dieser Position angestellt, oder ist er es kraft seiner Betätigung als Experte, als Verwaltungsrats-Profi quasi? Eine abschliessende Beurteilung kann nur der Kanton als Eigner der BVB geben. Wahrscheinlich spielt dies aber auch keine so grosse Rolle. Denn 30 000 Franken dürften es kaum sein, die Blumenthal durch seine Weise der Beschäftigung erwirtschaftet hat. Denn Blumenthal profitierte bislang etwa nicht von der AHV oder der Pensionskasse. Dies müsste in die Berechnungen einfliessen. Unter dem Strich lässt sich nicht einmal sagen, ob Blumenthal wirklich in einer Form profitiert hat. Die BVB hingegen haben nun einen deutlich höheren Aufwand, als bis vor kurzem, als sie lediglich ein Bruttohonorar für Blumenthals Leistungen auszahlen mussten.

Unter dem Strich bleibt eine maximale Ersparnis von einigen hundert Franken – und die Erkenntnis, dass sich zwei wichtige Figuren im Basler öV nicht ausstehen können.