Botanischer Garten

Der kühle Sommer passte auch der Agave im botanischen Garten nicht

Zum Schluss zierte sie sich noch ein wenig - jetzt hat sie es geschafft: Die über 50-jährige Agave im botanischen Garten der Uni Basel blüht. «Eigentlich hätten wir erwartet, dass es schon viel früher so weit ist», sagt Bruno Erny, Leiter des botanischen Gartens.

Schon Anfang Juli hatte der Garten auf die anstehende kleine Sensation aufmerksam gemacht. Die Verspätung begründet Erny mit dem bisher eher diskreten Sommer. «Vermutlich hat ihr das kühle Wetter in den vergangenen zwei Wochen gar nicht gepasst.» Jetzt, wo das Thermometer über einige Tage konstant ein paar Grad höher gestiegen ist, spriessen die ersten Blüten der Agave.

Ein Leben als Topfpflanze

Die Pflanze hat darauf über 50 Jahre gewartet. Damit wurde sie beinahe ihrem englischen Namen gerecht. «Century Plant» - zu deutsch «Jahrhundert-Pflanze» - lautet dieser, weil lange Zeit angenommen wurde, dass die Agave erst nach 100 Jahren blüht. Mittlerweile ist klar, dass das nicht ganz stimmt. «Wildpflanzen brauchen durchschnittlich zehn bis zwölf Jahre, um zu blühen», sagt Erny.

Dass es in Basel viel länger gedauert hat, liegt daran, dass die Agave ihren ersten Lebensabschnitt als Topfpflanze verbracht hat. Erst 2003 wurde sie zu gross und daher an der heutigen Stelle vor dem Tropenhaus ausgepflanzt.

Jetzt überragt die Agave das Tropenhaus sogar um ein paar Zentimeter. Aus der Rosette aus Blättern am Boden ist ein riesiger Blütenstand gewachsen. Bei der letzten Messung vor zehn Tagen mass er 8,2 Meter, heute sind es wohl noch ein paar Zentimeter mehr. Der Blütenstand ist dabei fast rasend schnell aus der Rosette geschossen. Anfang Mai mass er noch nicht einmal drei Meter. «Dann wuchs er bis zu zehn Zentimeter am Tag. Man konnte förmlich zusehen, wie er in den letzten Wochen in die Höhe schoss», erzählt Erny.

Heute sieht der Blütenstand aus wie ein überdimensionaler Spargel. In der oberen Hälfte befinden sich die Seitenäste mit über 8000 grüngelben Blüten. Diese werden sich in den kommenden Wochen von unten nach oben öffnen. Dann werden sich verschiedene Tiere am Nektar gütlich tun: In der Heimat der Pflanzen - den Südstaaten der USA und im Mittelmeerraum - gehören Fledermäuse, Kolibris, Insekten und sogar Ratten zu den Blütenbesuchern.

Agave ist eine Rarität

Die blühende Agave ist nach dem «Amorphophallus titanum» (Titanwurz) die zweite Rarität, die in Basel zu sehen ist. «Dass eine Agave americana nördlich der Alpen blüht, kommt äusserst selten vor», sagt Erny. Ihm sind nur zwei Fälle bekannt: Einer in London im Jahre 2010 und einer in diesem Jahr in Ansbach.

Keine dieser Pflanzen wuchs allerdings im Freien wie das Basler Exemplar. Entsprechend hat der Botanische Garten wenig Erfahrungswerte, was die Entwicklung der Agave angeht. «Wir rechnen damit, dass sie bis Mitte August blüht», sagt Erny. Am 12. August veranstaltet der Botanische Garten einen «Tag der Agave», wo Besucher die Blüten auf einer Hebebühne bestaunen können. Ausserdem gibt es Agaven-Tequila zum Degustieren. Bis dahin kann die Agave auf einer Live-Kamera auf der Homepage des Botanischen Gartens angesehen werden.

Im September und Oktober folgt die Fruchtreife. Im Spätherbst stirbt nach dem Blütenstand auch die Rosette ab. Die Agave hat allerdings zwei Tochterrosetten gebildet. Diese lassen sich von der Mutter-Pflanze abtrennen und können dann hochgezogen werden. Vielleicht kann also in ein paar Jahrzehnten wieder eine Agave americana bestaunt werden.

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