Der Umbau der Kaserne wird konkret. Vergangene Woche wurde mit einigen Wochen Verspätung die Baueingabe eingereicht. Läuft alles nach Plan, fahren nächsten Sommer nach dem Basel Tattoo die Bagger auf. In vier Jahren soll die Kaserne dann definitiv ihre Bestimmung erfüllen. Geplant sind unter anderem mehrere Gastronomiebetriebe, Arbeitsplätze für die Kreativwirtschaft und öffentlich nutzbare Räume. Das Ganze soll finanziell selbsttragend sein, also ohne staatliche Subventionen auskommen.

Doch die finanzielle Grundlage für die künftige Kaserne ist äusserst knapp bemessen. Dies zeigt eine bisher unveröffentlichte Beurteilung, welche die Immobilienfirma Gribi im Auftrag des Präsidialdepartements erstellt hat. Total rechnen die Gutachter mit Nettomietzinseinnahmen von 953'270 Franken pro Jahr. Demgegenüber stehen Kosten von rund 925'000 Franken, so die Schätzung der Regierung. Mit 425'000 Franken sind Betriebs- und Folgekosten beziffert, mit einer halben Million Franken schlägt der Unterhalt zu Buche.
Die Verantwortlichen planen also faktisch mit einer schwarzen Null. Gleichzeitig werfen die budgetierten Zahlen eine Reihe an Fragen auf.

Was auffällt: Die Mietpreise sind vergleichsweise tief angesetzt. So wird das 91 Quadratmeter grosse komplett eingerichtete Wohnstudio pro Monat mit gerade 2275 Franken veranschlagt. Auch die Büros sind mit 230 Franken pro Quadratmeter im Jahr sehr günstig. Sehr tief sind auch die Mietpreise für die Gastronomie. Der Grund dafür ist, dass die Räumlichkeiten im Rohbau vermietet werden. Die gesamte Infrastruktur muss von den künftigen Betreibern gestellt werden. Allerdings ist das Inventar bei Gastronomiebetrieben praktisch nie im Mietzins mitinbegriffen. Stattdessen wird dieses bei der Übernahme weiterverkauft, meist zu einem sechsstelligen Betrag.

Seltsame Spar-Vorschläge

Die Mieteinnahmen des geplanten Restaurants, Bar und Buvette sind für den Betrieb der Kaserne wichtig. Sie sollen die geringeren Einnahmen der Kulturschaffenden quersubventionieren. Kommt also ein Betrieb nicht wie geplant zustande, kann die Rechnung schnell in die roten Zahlen kippen. Tatsächlich könnte sich die Suche nach geeigneten Gastronomen als schwierig erweisen: «Wir erachten es als grosse Herausforderung, die Gastrobereiche im Rohbau zu vermieten», schreiben die Gutachter in ihrer Studie. Durch die hohen Investitionskosten müsse man die Gastrobereiche wohl längerfristig über zehn bis zwanzig Jahre vermieten. Dies wiederum widerspricht den Vorstellungen des Präsidialdepartements, welche die Kaserne durch Rotation bei den Mietern lebendig halten will. Auch in der politischen Diskussion wurde immer wieder die Frage aufgeworfen, ob der Bedarf an Gastronomiebetrieben wirklich so gross ist.

Der Bericht zeigt auch, wie sehr sich das Präsidialdepartement bemühte, die Kosten zu senken, um die Kaserne in die schwarzen Zahlen zu bringen. Als Sparmassnahme wurde sogar vorgeschlagen, bei der geplanten Skybar auf die Dachterrasse – also ausgerechnet das Alleinstellungsmerkmal – zu verzichten. Ein weiterer Sparvorschlag der Arbeitsgruppe: Die Aula soll nicht gekühlt, die Sitzungszimmer nicht belüftet werden. Dafür ernteten die Planer nur Kopfschütteln von den Gutachtern, in den Sommermonaten wären die Räumlichkeiten so kaum nutzbar. Mittlerweile wurden diese Vorschläge verworfen.

Zweites Finanzdebakel?

Die Zahlen sind brisant. Nicht zuletzt, weil erst gerade kürzlich ein kulturelles Prestigeprojekt der Ära Morin finanziellen Totalschaden erlitten hat. Weil auf der Einnahmeseite deutlich zu optimistisch kalkuliert wurde, reisst der Neubau des Kunstmuseums ein Millionenloch in dessen jährliches Budget. Wie dieses gestopft werden soll, ist völlig unklar. Es ist ein offenes Geheimnis, dass 2010 praktisch alle politisch Involvierten beide Augen zugekniffen haben, um das Projekt nicht zu gefährden. Sechs Jahre später bei der Kaserne war die Ausgangslage durchaus vergleichbar. Nach Jahrzehnten des Stillstands wollte der damalige Regierungspräsident Guy Morin kurz vor seinem Abgang sein Herzensprojekt zum Abschluss bringen und sah sich einer grossen Ablehnung von bürgerlicher Seite und einer Vielzahl Skeptiker aus den eigenen Reihen gegenüber. Auf Biegen und Brechen wurde das Projekt schliesslich durchgebracht.

Kanton widerspricht

«Die Vorgabe der Regierung und des Parlaments sieht die Erwirtschaftung einer schwarzen Null vor», sagt der interimistische Kantons- und Stadtentwickler Roland Frank. Mit diesen Zahlen werde diese Vorgabe erfüllt. Die teilweise tief kalkulierten Mietzinse seien Absicht: So solle ein Modell der Querfinanzierung zwischen kommerziellen und nicht kommerziellen Nutzungen ermöglicht werden. Ausserdem sei der Ausbaustandard allgemein tief gehalten, um einen niedrigeren und für die geplanten Nutzungen attraktiven Mietzins ermöglichen zu können.