Fondation Beyeler
Der Kunstmarkt lässt grüssen: Ausstellung soll Sophie Täuber-Arp zu mehr Ansehen verhelfen

Wie die Werke des Künstlerpaars Hans Arp und Sophie Täuber-Arp mit Hilfe von Basler Kunstinstitutionen wertvoll gemacht werden.

Christian Mensch
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Der «Ptolemäus III» von Hans Arp ist derzeit in Riehen zu sehen.

Der «Ptolemäus III» von Hans Arp ist derzeit in Riehen zu sehen.

Fondation Beyeler

Mit britischem Humor frotzelte die britische Wirtschaftszeitschrift «Economist» im Mai unter dem Titel «Still lives»: «Sophie Täuber-Arp ist wohl die einflussreichste Künstlerin, von der Sie noch nie etwas gehört haben.» Die Schweizer Dada-Künstlerin, 1889 in Davos geboren, starb an einem kalten Januar-Tag nur 54-jährig an einer tragischen Kohlenmonoxid-Vergiftung im Haus des Künstlerfreundes Max Bill. Selbst hierzulande ist sie eher unbekannt, obwohl ihr Konterfei die letzte Serie der 50-Franken-Banknote zierte.

Doch nun werden Sophie Täuber-Arp und ihr Ehemann Hans Arp mit Wucht ins Bewusstsein gehämmert. Den Anfang macht die Fondation Beyeler mit einer Doppelausstellung mit Skulpturen von Arp und dem französischen Meister Auguste Rodin.

Im kommenden März doppelt das Basler Kunstmuseum mit einer grossen Show zum Werk der Sophie Täuber-Arp nach. Diese zieht dann weiter nach London in die Tate Modern und schliesslich nach New York ins Museum of Modern Art (MoMa). Bessere Adressen zur Kunstveredelung gibt es nicht.

Eine Geschichte erst bringt den Künstler ins Gespräch

Rodin ist eine gute Generation älter als Arp (1886-1966). Beide schufen Skulpturen und hatten in Paris ein Atelier – hätten sich damit zumindest theoretisch begegnen können. Der bekanntere Rodin ist aber vor allem eine gute Zugnummer für Arp; nicht nur im Hinblick auf den Publikumsaufmarsch, sondern für den Kunstmarkt.

Der einflussreiche Galerist Iwan Wirth hat im «Economist» den Prozess beschrieben, wie verstorbene Künstler mittels «legacy management» wieder ins Gespräch gebracht und deren Nachlässe zur besseren Wertanlage gemacht werden können.

Es brauche dazu eine Erzählung, sagte Wirth: «Die Kunstgeschichte liebt es, den Menschen mit einem Label zu versehen.» Ohne solche Geschichten werde die Vermarktung schwierig. Der richtige Kontext hilft, etwa die arrangierte Verbindung mit einem höher dotierten Künstler.

Wissenschaftliche Tagung in der Fondation Beyeler

Mit einer blossen Ausstellung ist es aber nicht getan, schreibt der «Economist». Es müsse auch das wissenschaftliche Interesse gefördert werden – und Werke müssten bereitstehen, um den entwickelten Markt zu bedienen. Was die Wirtschaftszeitschrift in der Theorie beschrieb, findet in Basel seine konkrete Anschauung.

Als Vorspiel der Rodin-Arp-Show veranstaltete die Stiftung Arp e.V. in der Fondation Beyeler eine wissenschaftliche Tagung. Die Stiftung Arp – die allerdings ein Verein ist – besitzt aus dem Nachlass zahlreiche Werke des Künstlerpaars. Einige davon werden in der Fondation, andere später im Kunstmuseum ausgestellt, und wieder andere werden in den Handel kommen.

Als private Organisation ohne öffentliche Förderung, verkaufe sie «in seltenen Fällen ausgewählte Werke», sagt Jana Teuscher, Kustodin des Vereins. Exklusiv mit der Vermarktung betreut ist die Galerie Hauser & Wirth.

Kunststadt Basel als idealer Ort für die Neupositionierung

Die Fondation Beyeler betont, die Initiative zur Ausstellung sei von ihr ausgegangen. Und blosser Zufall sowie ohne jeglichen Einfluss sei, dass der Basler James Koch einerseits bei Wirth & Hauser eine Führungsposition besetzt, andererseits dem Stiftungsrat der Fondation Beyeler angehört.

Basel ist jedoch ein ideales Pflaster, um dem Künstlerpaar merkantilen Schwung zu verleihen. Hier ist Hans Arp gestorben und seine zweite Frau Marguerite Arp-Hagenbach ist aus bester Basler Familie mit einem Stammbaum, der im 15. Jahrhundert wurzelt. Das Kunstmuseum ist ihr verpflichtet, da sie es reich beschenkte; darunter mit Werken ihres Mannes und dessen ersten Frau. Mit ihnen zusammen wurde sie in der gleichen Gruft beerdigt.

Dass die Täuber-Arp-Ausstellung in Basel startet, ist allerdings einem unglücklichen Zufall geschuldet: Das MoMa, das als Treiberin des Projekts bereits seit 2012 Konzepte für eine solche Ausstellung wälzt, fiel coronabedingt aus. Ein Glücksfall, den Hauser & Wirth zu nutzen wisse, wie eine Arp-Kennerin anmerkt.

Ein grosser Nachlass in unterschiedlichen Händen

Marguerite Arp, die den Künstler und dessen erste Frau zuerst als Sammlerin begleitet hatte, bevor sie den Witwer heiratete, war im betagten Alter organisatorisch überfordert mit den zahlreichen Werken im Nachlass. Zu Lebzeiten des Künstlers liessen sich dafür keine Käufer finden.

Der französische Staat stellte eine Steuerforderung in Millionenhöhe, in Deutschland wurde sie Opfer des Kunsthändlers Johannes Wasmuth. Dieser schnorrte ihr einen Grossteil des Nachlasses ab mit dem Versprechen, die französische Justiz damit leerlaufen zu lassen. Der von ihm gegründete Verein, die Stiftung Arp e.V, schaffte es auch, dem deutschen Staat in Rolandseck bei Bonn ein Arp-Museum abzuschwatzen. Die Hintergründe sind in einem Untersuchungsbericht des rheinland-pfälzischen Landtags einzusehen, der sich wie ein Kunst- und Politkrimi liest; höchste Repräsentanten des Staates waren involviert, Millionen wurden verschoben, Kunstwerke beschlagnahmt.

Als Folge dieser Zerwürfnisse gibt es nun nicht nur die Stiftung Arp e.V., sondern auch die davon abgetrennte Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck. Damit nicht genug. In Clamart bei Paris, wo das Paar Arp-Täuber sein Atelier hatte, kämpft eine Fondation Arp um ihr Überleben. Und in Solduno bei Locarno, wo die drei Arps ihre letzte Ruhe fanden, betreibt die Fondazione Marguerite Arp schliesslich ein kleines Museum. Schlechte Voraussetzungen, um auf dem Markt den Kunstwert zu steigern.

Ausstellung wird auch in Remagen gezeigt

Die Differenzen sind geblieben, doch der öffentliche Streit wurde in einem Burgfrieden beigelegt. Auf Distanz wird noch geachtet, doch auf dienstlicher Ebene funktioniert die Zusammenarbeit. So wird die Rodin-Arp-Ausstellung der Fondation Beyeler modifiziert auch im Arp-Museum Rolandseck in Remagen gezeigt werden. Schliesslich hilft es allen, wenn die Kunstmarken Hans Arp und Sophie Täuber-Arp an Wert und Ansehen gewinnen.