Wahrscheinlich hat Electricité de France (EDF) sich das anders gedacht. Bei der feierlichen Einweihung des neuen Wasserkraftwerks am Stauwehr von Märkt bei Kembs, das über einen hochmodernen Fischpass verfügt, gab es neben vielen lobenden Worten und Ansprachen auch Kritik am Energiekonzern. Grund ist das umstrittene «Fischtaxi», mit dem EDF den Bau von Fischtreppen an drei Wasserkraftwerken am Oberrhein einsparen will.

Zehn Wasserkraftwerke

EDF betreibt am Rhein insgesamt zehn Wasserkraftwerke, zwei davon sind deutsch-französische Anlagen. Damit die Lachse wie geplant bis 2020 den Weg zurück nach Basel finden, müssen sie die Wasserkraftwerke überwinden. In Iffezheim, Gambsheim und Strassburg gibt es dafür bereits Fischtreppen, diejenige von Gerstheim ist im Bau und soll Ende 2018 fertig werden.

Ab Rhinau (siehe Karte) aber soll ein Schiff, das einen grossen Käfig zieht, in das die Fische aufgrund eines Lockstroms geraten, die Lachse durch die Schleusen der drei Wasserkraftwerke Rhinau, Marckolsheim und Vogelgrun ziehen. Bei Breisach sollen sie dann über den Altrhein bis zum neuen Fischpass bei Märkt schwimmen.

Nicht einverstanden mit dieser Lösung zeigte sich Gustaaf Borchart, Präsident der «Commission Internationale pour la Protection du Rhin» (CIPR), in der neun Staaten Mitglieder sind und die sich seit 1994 für den Schutz des Rheins engagiert. «Wir setzen uns dafür ein, dass ab Rhinau fest installierte Fischpässe gebaut werden und sind gegen die Idee eines Fischtaxis», sagte er in seiner Ansprache. Die französische Umweltministerin Ségolène Royal habe sich ebenfalls für eine andere Lösung ausgesprochen.

Ähnlich kritisch äussert sich gegenüber der bz Thomas Ammann, Projektleiter Gewässerschutz beim WWF: «Das ist sicher keine befriedigende Lösung. Der WWF setzt sich für ganzjährig durchwanderbare Fischaufstiegshilfen ein, damit alle Wanderfische jederzeit flussaufwärts wandern können.»

Am am Donnerstag eingeweihten Wasserkraftwerk werden die Lachse auf jeden Fall nicht hängen bleiben, denn die zwei Fischpässe sind vorbildlich. Einer führt vom neu geschaffenen kleinen Fluss auf der renaturierten Rheininsel zurück in den Rhein, der andere kommt vom Altrhein.

Um den Höhenunterschied von elf Metern zu überwinden, gibt es 46 Becken, die jeweils gut 20 Zentimeter hoch sind und in denen die Fische sich vor dem nächsten Aufwärtssprung ausruhen können. Der Fischpass wurde letzte Woche in Betrieb genommen. «Schon nach zwei Stunden sind die ersten beiden Fische hochgeschwommen», erzählte ein EDF-Mitarbeiter bei der Führung. An zwei grossen Fensterscheiben, die den Blick auf die Fischtreppe freigeben, werden permanent Kameras das Geschehen filmen.

Strom für 10 000 Einwohner

Die Arbeiten an dem neuen Wasserkraftwerk haben fünf Jahre gedauert. Es kostet 50 Millionen Euro. Mit zwei Turbinen einer Leistung von je 4,2 Megawatt können 28 Millionen Kilowattstunden produziert werden – das entspricht dem Jahresstromverbrauch einer 10 000-Einwohnerstadt.

Gegenüber dem Wasserkraftwerk von Kembs ist das wenig. Die 1932 in Betrieb genommene Anlage mit einer Leistung von 160 Megawatt liefert Strom für 200 000 Einwohner. Mit dem neuen Wasserkraftwerk am Altrhein soll ein Teil der Verluste aufgefangen werden, die sich durch die neue Konzession zu Kembs ergeben. Weil die Schweiz durch den Rückstau bis Basel betroffen ist, handelte sie mit Frankreich in einem zehn Jahre dauernden Ringen einen neuen Vertrag aus.

Dieser sieht vor, dass EDF statt wie bisher 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Altrhein fliessen zu lassen, dies auf mindestens 52 Kubikmeter und im Sommer bis 150 Kubikmeter erhöht. Ausserdem finanziert der Stromkonzern als Ausgleichsmassnahmen die Renaturierung der Rheininsel sowie einen Teil der Renaturierung der Wiese.

In der Schweiz hat man mit dem revidierten Gewässerschutzgesetz von 2011 die Sanierung der Wasserkraftwerke beschlossen. Ein Ziel ist, sie durchgängig für Wanderfische wie den Lachs zu machen. «Die Evaluierung lief bis Ende 2014 und jetzt ist man an der Umsetzung», sagt Ammann. In der Schweiz sei wahrscheinlich der Fischpass von Rheinfelden am bekanntesten. Aber das Ganze brauche Zeit. «Für die Ankunft des Lachses in der Schweiz hat man sich 2020 als Horizont gesetzt.»

Derzeit werden in der Schweiz jährlich 35 000 Junglachse ausgesetzt, teilt David Bittner, Fachspezialist Fischerei im Kanton Aargau mit. Wie viele den Weg zurückfinden, sei nicht bekannt.