Die Rückkehr des Lachses in die Region ist realistisch. Und das nicht nur als Einzeltier wie 2008 in Basel und 2012 in Rheinfelden, sondern im grösseren Rahmen. Das liess Barbara Berli am Dienstagabend an der Veranstaltungsreihe «Museumsbar. Wissen kompakt» im Museum.BL in Liestal durchblicken.

Die Biologin, die sich an der Universität Basel mit der Populationsgenetik von Fischen beschäftigt, informierte über die laufenden Bemühungen, dem Lachs die Rückkehr zu erleichtern. Gegenüber der bz prognostiziert sie: «Dass er in zehn Jahren wieder hier laicht, halte ich für durchaus möglich.»

Geeignete Laichgewässer seien vor allem Birs und Ergolz, nach der Renaturierung auch die Wiese. Den Lachs ziehts primär dorthin, wo sich auch die Bachforellen wohl fühlen, das heisst in kühlere, maximal 15 Grad warme Gewässer mit grösserem Gefälle und viel Sauerstoff. Ein Pilotprojekt des Kantons Baselland mit Einbezug von Uni Basel und Fischereikreisen, zu dem heute die Startsitzung stattfindet, will die Ergolz als Forellenregion und damit auch für die erwarteten Lachse aufwerten.

Problematisch seien bei der Ergolz die beiden Wasserfälle in der Hülften und in Liestal und zu gewissen Zeiten die Wassermenge, weil viel Wasser abgezweigt werde, sagt Berli. Und sie ergänzt: «Die oberen Teile der Ergolz wären ideal für Forelle und Lachs.»

Doch die grössten Hürden, die den Lachs vom Laichen in der Region abhalten, stehen anderswo: auf Elsässer Boden am Rhein in Form von Kraftwerken, allen voran jenes mit dem idyllischen Namen Vogelgrün. Solange diese für die Lachse nicht durchgängig seien, sei es reiner Zufall, ob es ein Tier weiter rheinaufwärts schaffe, sagt Berli. Mangels Fischtreppen können die Lachse die Schleusen nur im Sog eines Schiffes passieren. Man sei aber im Gespräch mit der Betreiberin der Kraftwerke, der Electricité de France.

Grönland retour

Trotz dieser Hürden findet in der Region Basel seit den 1980er-Jahren ein Besatz mit Lachs statt. Unter Besatz verstehen Fischer das Aussetzen von jungen Fischen. Beim Lachs sind es Brütlinge, das heisst ausgeschlüpfte und etwas angefütterte Kleinfische. Sie werden so jung ausgesetzt, damit sie sich das Gewässer einprägen können und hier eines Tages ablaichen kommen. Doch das ist erst in drei bis sechs Jahren nach dem Schlüpfen der Fall.

In der Zwischenzeit bereisen «unsere» Lachse halb Europa: Sie schwimmen als Jungfische den Rhein hinunter. Dabei stören die Hindernisse weniger, weil sie die Schleusen meist bei Hochwasser passieren – dann stehen sie offen – und in Fliessrichtung mit etwas Glück auch Turbinen überleben. Vor dem Eintritt ins Meer stellen sie ihren Stoffwechsel auf Salzwasser um und lassen sich dann von den Meeresströmungen treiben, teils bis vor Grönland.

Wenn sie zur Eiablage wieder in ihre Ursprungsgewässer zurückschwimmen, zehren sie von ihren Reserven. Denn im Süsswasser fressen sie nichts, weil ihr Organismus immer noch auf Salzwasser programmiert ist. Davon profitierten früher auch die Basler Fischer: Sie mussten die Netze an den Galgen nur in den Rhein hineinlassen und die Lachse, von der langen Reise zu erschöpft, um auszuweichen, schwammen in Massen hinein.

Stellt sich die Frage: Wieso setzen die Fischer in der Region Junglachse aus, solange diese wegen den Hindernissen gar nicht zum Laichen zurückkommen können? Dazu Berli: «Es immer wieder zu probieren, ist die einzige Chance. Ohne Besatz wird es sicher nie sich selbst erhaltende Lachspopulationen geben hier.» Und weil es zwischen dem Aussetzen der Brütlinge bis zu deren Ablaichen so lange gehe, könne es durchaus sein, dass sich inzwischen bei den Kraftwerken etwas zugunsten der Lachse ändere. Hoffen lasse auch, dass man mittlerweile hauptsächlich Brütlinge von Tieren freisetze, die tatsächlich bis ins Elsass hochgeschwommen sind.