Riehen
Der Landgasthof schwankt zwischen Edelbeiz und Stammtisch

Die Gemeinde Riehen steckte sechs Millionen Franken für die Erneuerung des Restaurants und des Hotels in den Landgasthof. Nun will sie drei Millionen wieder zurück.

Bea Asper
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Pierre Buess will den Landgasthof zum Erfolg führen – unter anderem mit einem beeindruckenden Weinkeller. Martin Töngi

Pierre Buess will den Landgasthof zum Erfolg führen – unter anderem mit einem beeindruckenden Weinkeller. Martin Töngi

«Die Preise sind – allerdings nicht nur im Landgasthof – an der Schmerzgrenze», sagt der Riehener Einwohnerratspräsident Heinrich Ueberwasser. Weil das Restaurant im Besitz der Gemeinde ist und die neue Ausstattung vom Steuerzahler berappt wurde, erachtet er es als «problematisch, dass es im Landgasthof einen abgetrennten Teil für offenbar schwerreiche Feinschmecker gibt».

Ueberwasser hatte vor vier Jahren eine Petition zur Rettung des Landgasthofs mit 2130 Unterschriften eingereicht. Die damalige Forderung lautete, der Landgasthof müsse als Dorfbeiz mit Stammtisch für alle Bevölkerungsschichten offen bleiben – und es solle kein Luxus-Umbau erfolgen. Ueberwasser wünscht sich auch, «dass sich alleinstehende, ältere Menschen aus Riehen wie im alten Landgasthof zu fröhlichen Mittagstischen oder sonstigen Treffs finden».

Drei Millionen sollen refinanziert werden

Sechs Millionen Franken hat die Gemeinde in die Erneuerung von Restaurant und Hotel gesteckt. Drei Millionen Franken wurden in der laufenden Rechnung abgeschrieben, drei Millionen Franken sollen refinanziert werden, wenn die Pachtzinsen erwartungsgemäss fliessen. «Als der Landgasthof fast ein Jahr für den Umbau geschlossen war, hat sich schmerzlich gezeigt, was Riehen fehlen würde. Für mich bildet der Landgasthof mit dem schönen Dorfsaal und dem angehängten Park mit Spielplatz ein bauliches Ensemble und eine unverzichtbare Einrichtung für ganz Riehen, besonders für die Riehener Vereine», sagt Ueberwasser.

Andreas Tereh von den Grünen gibt dem Konzept, Stammtisch und gehobene Küche unter einem Dach eine Chance; er ist nach seinem Restaurant-Besuch voll des Lobes. Kulinarisch derselben Meinung ist SVP-Politiker Karl Schweizer. «Das Essen war wunderbar, und das Angebot der Weinkarte ist gigantisch», sagt er, nachdem er die gehobene Küche gekostet hat. Schweizer freut sich, dass Pächter Pierre Buess nach seiner erfolgreichen Zeit im «Stucki» auf dem Bruderholz und dem «Stadthof» jetzt einen Beitrag leiste, Riehens Kulturangebot aufzuwerten. Gleichzeitig hätten die Riehener mit dem Saalangebot weiterhin ihr Begegnungszentrum. Gemäss Schweizer könnte für die Zukunft des Landgasthofs eine Ausweitung der Hotelanlage diskutiert werden.

Erste Bilanz ist positiv

Es gäbe noch das eine oder andere zu optimieren, doch grundsätzlich sei der Landgasthof mit neuem Konzept und dem Pächter Pierre Buess eine «Erfolgsgeschichte», ist die Aussage seitens der Gemeinde. «Die erste Bilanz nach zwei Monaten fällt positiv aus», sagt Reto Hammer, Abteilungsleiter Finanzen. «Das Restaurant ist so gut besucht, dass man ohne Reservierung kaum mehr einen Platz findet.»

Das Konzept gehe auf. «Die Gäste aus nah finden im Landgasthof einen Treffpunkt sowie Mittagsmenüs mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, im Moment für 23 Franken. Und den Gästen von fern – es sind jährlich über 300000 – steht ein kulinarisches Angebot zur Verfügung, das auch den gehobeneren Ansprüchen gerecht wird», meint Hammer.

«Wir wurden überrannt»

Der Pächter Pierre Buess zeigt sich auf Anfrage «hoch zufrieden» mit der Anzahl Gäste. «Wir wurden geradezu überrannt.» Wobei er unterstreicht, dass dies sowohl für die Gaststube als auch die gehobenere Küche zutreffe. «Wir haben Gäste aus allen Bevölkerungsschichten, aus Riehen, Basel und Umgebung sowie Besucher aus dem Ausland von der Fondation Beyeler und den internationalen Messen.» Auch das Bankettgeschäft laufe bestens.

«Der Bestellungseingang für die nächsten Monate ist extrem positiv», sagt Buess und ergänzt: «Dabei profitieren wir natürlich von den zwei attraktiven Terrassen.» Für den grossen Festsaal mit Platz ab 100 bis 400 Personen spricht Buess von «befriedigendem Bestellungseingang, mit Potenzial nach oben».