Die Leiden der Fasnächtler beginnen am Donnerstagmorgen. Die Glücklichen erwachen im eigenen Bett, die anderen ... Nun ja. Auch sie werden wach. Wie sie gelandet sind, wo sie sind, werden sie vielleicht irgendwann rekonstruieren können.

Der Fasnächtler richtet sich auf, gähnt, reibt sich die Augen und merkt: Die kommenden Tage werden nicht einfach.

Kater, furchtbarer Kater!

Was ist nur los mit diesem Kopf? Das waren doch nur ein paar Becher Bier und etwas Wein. Oder haben wir noch Schnäpse getrunken? Der «Qualitätswein» muss als Sündenbock herhalten.

Jedes rauschende Fest ist irgendwann zu Ende.

Jedes rauschende Fest ist irgendwann zu Ende.

Bei Kater gilt, was auch an den anderen 362 Tagen im Jahr hilft: Alka-Seltzer, Wasser, Bouillon für den Salzhaushalt, ein ordentliches Frühstück, Vitamine und ein Spaziergang an der frischen Luft.

Der Weg vom Bett zum Badezimmerschränkchen mit den Medikamenten ist kurz, aber die Liste der neuen Beschwerden, wird unterwegs länger.

Verfluchte Zoggeli!

Die Holzlatschen gehören natürlich dazu. Ihr Klopfen auf dem Asphalt ist unverwechselbar. Aber diese Blasen! So gross und zahlreich wie dieses Jahr waren sie mit Sicherheit noch nie.

Darf ich vorstellen: Zoggeli, verantwortlich für unzählige Blasen an fasnächtlichen Füssen.

Darf ich vorstellen: Zoggeli, verantwortlich für unzählige Blasen an fasnächtlichen Füssen.

Aufstechen, desinfizieren, Pflaster drüber. Das kann der Fasnächtler im Badezimmer auch gleich erledigen. Für die nächsten Tage gilt: So selten wie möglich Schuhe tragen und ganz sicher keine holzigen.

Es rumort im Darm

Leberli, Mehlsuppe, Schnitzel. All das fettige Essen ist schwer verdaulich. Und die Käsewähe auf dem Heimweg war eine zu viel. Das findet auch der Magen. Aber der ist sowieso sauer wegen des vielen Alkohols.

Die Wurst war fein, aber der Magen ist trotzdem sauer.

Die Wurst war fein, aber der Magen ist trotzdem sauer.

Es gilt: Was einmal drinnen ist, muss wieder raus. Ein Magentee beruhigt. Und vielleicht landet in den kommenden Tagen zur Abwechslung gesunde Kost auf dem Teller.

Das Badezimmer übrigens ist ein gnadenloser Ort, nicht nur wegen des grellen Lichts. Meistens hängt da auch ein Spiegel, an dem kein Weg vorbeiführt.

Sind das Augenringe?

Ja, lieber Fasnächtler, diese langen Schatten unter Deinen Augen sind Augenringe. Aber das ist halb so wild. Sie werden verschwinden. Und sie zeigen: Du hattest einfach keine Zeit zum Schlafen. Es muss sich also gelohnt haben. Auch wenn Du Dich fragst:

Was war nach dem Cortège?

Erinnerungslücken. Auch sie gehören dazu. Oft gehen sie einher mit einem schlechten Gewissen. Der Grat ist schmal zwischen: «Was habe ich getan?» und «Was habe ich nur getan?».

Mit Erinnerungslücken wird der eine oder andere Fasnächtler zu kämpfen haben.

Mit Erinnerungslücken wird der eine oder andere Fasnächtler zu kämpfen haben.

Erinnerungslücken korrelieren meistens mit der Anzahl Gläser «Qualitätswein». Das Gute (okay, manchmal ist es auch weniger gut) an Filmrissen ist: Irgendjemand erinnert sich. An den Abend. An Dich. Schlimmstenfalls werden Deine Freunde die nächsten Jahre über Dich lachen. Da hilft mitlachen.

Der Darm ist inzwischen leer, die Blasen verarztet, das Alka-Seltzer im Magen. Alles wird besser. Auf dem Weg in die Küche stolpert der Fasnächtler beinahe über sein Kostüm. Jetzt erst wird ihm klar:

Dieser Mief!

So riecht nicht nur Regen. Aber das Kostüm war ja auch überall dabei: auf dem WC, in den Kellern, beim Essen. Radikale Fasnächtler schmeissen es sofort in die Waschmaschine, wehmütige lassen es noch einen halben Tag liegen, damit der Geruch der Fasnacht nicht ganz so schnell verduftet.

Räppli, überall Räppli!

Während sich der Fasnächtler über sein Kostüm beugt, rieseln Räppli von seinem Kopf. Bei genauerer Betrachtung wird ihm bewusst: Die ganze Wohnung ist voll. Den einen Trick, Räppli loszuwerden, gibt es nicht. Sie werden sich noch regelmässig zeigen bis zum nächsten Morgenstreich.

Räppli werden sich bis zum nächsten Morgenstreich bestimmt immer wieder zeigen.

Räppli werden sich bis zum nächsten Morgenstreich bestimmt immer wieder zeigen.

Schütteln und einsaugen ist eine Taktik. Nasse Räppli lässt man am besten eintrocknen und bürstet sie dann ab. Diejenigen am Körper werden eine Dusche oder ein ausgedehntes Bad nicht überleben.

So frisch geduscht und mit vollem Magen ist die Welt schon fast wieder in Ordnung. Aber wie das so ist: Lassen die körperlichen Beschwerden nach, meldet sich die Psyche.

Es ist so traurig!

Das war’s. Es ist vorbei. Diese Leere ist schrecklich. Obwohl die Pfeifen und Trommeln im Kopf noch nachhallen, kommt die Fasnacht nicht mehr zurück. Der Blick aus dem Fenster ist ein trostloser. Die Gassen sind leer und ruhig, auch die Putzequipe war schon fleissig. Alles grau. Alles scheisse.

Trotzdem sollte der Fasnächtler zu einem Streifzug durch die Stadt aufbrechen. Nach Überbleibseln der drey scheenschte Dääg (und den verlorenen Erinnerungen) Ausschau halten. Damit sich die Psyche beruhigt, hilft es, daran zu denken, dass der nächste Morgenstreich kommen wird – und mit ihm die Nachwehen.