Basler Geschichte(n)

Der Mann, der die halbe Stadt gebaut hat

Fritz Rickenbacher (1908–1978) hat die Basler Stadtplanung von den 1940er-bis Mitte 1970er-Jahre geprägt wie kaum ein anderer.

Basler Geschichte(n), Teil 10 – Fritz Rickenbachers architektonisches Erbe gibt Anlass zu Diskussionen – so auch der Landhof.

Sie ist ein Relikt aus einer anderen Zeit. Wenn man den Weg zwischen Wohnblocks hindurch zur Landhof-Tribüne findet, erschliesst sich einem nicht nur ein wertvoller Grünraum, sondern mit dem Landhof auch ein sporthistorisches Schmuckstück. Was soll aus der alten Heimat des FC Basel werden?

Die Diskussion um Erhaltung oder Abriss der Landhof-Tribüne erinnert an jene um das Felix Platter-Spital. Auch dieses hätte einem Neubau weichen sollen, blieb aber nach Interventionen breiter Kreise als architektonisch wertvolles Zeugnis erhalten und wird nun zu Wohnraum umgebaut.

Das Felix Platter-Spital und der Landhof wurden vom selben Architekten erschaffen wie zahlreiche weitere prägende Bauten in der Stadt: das abgerissene Hotel Hilton, das grosse Geschäftshaus am Claraplatz, das Storchengebäude (Finanzdepartement) am Fischmarkt, mehrere Gebäude in der Freien Strasse, am Blumenrain oder die Hochhäuser an der Schützenmatt-, Schoren- und Prattelerstrasse.

«Ein Herr, der die Fünfe auch mal grade sein lässt»

Fritz Rickenbacher (1908–1978) hat die Stadtplanung ab den 1940er-bis Mitte der 1970er-Jahre geprägt wie kaum ein anderer. Trotzdem ist sein Name höchstens Fachpersonen ein Begriff. Wer war dieser Mann, und wie war es möglich, dass er die Stadtentwicklung so umfassend beeinflussen konnte? Geht es nach den politischen Gegenspielern Rickenbachers, der von 1948 bis 1960 für die FDP im Grossen Rat sass, war er «ein sehr draufgängerischer Herr, der, wenn es ihm zum Vorteil gereicht, Fünfe auch mal grade sein lässt».

So charakterisierte ihn der Basler Vorwärts, die Zeitung der Partei der Arbeit, im Jahr 1964. Der «Vorwärts» hielt weiter fest, dass Rickenbacher als staatlicher «Hausarchitekt» «nicht als Knauserer bekannt» sei, wenn es darum gehe, sich für gute Beziehungen zu Regierungsräten erkenntlich zu zeigen.

Aus heutiger Sicht lässt sich nachzeichnen, dass Rickenbacher ein sehr guter Netzwerker gewesen sein muss, der es verstand, politisches Engagement und Beruf zu verbinden. So setzte er sich während Jahren für eine Fussgänger-Unterführung vom Gundeli zum Bahnhofplatz ein. Als Grossrat reichte er schon 1948 einen entsprechenden Vorstoss ein, als langjähriger Präsident des neutralen Quartiervereins Gundeldingen organisierte er 1958 aus Protest einen inoffiziellen Spatenstich, als verantwortlicher Architekt setzte er die Unterführung schliesslich auch um.

Bei der Erneuerung des Gundeldinger-Casinos nach dem Brand von 1944 zeigen sich ähnliche Muster: Rickenbacher setzte sich mit dem neutralen Quartierverein für eine Erhaltung des Veranstaltungsortes ein. Mit Unterstützung aus dem Arbeitsrappen-Fonds des Kantons konnte dieses Vorhaben dann auch realisiert werden – wiederum mit Rickenbacher als verantwortlichem Architekten.

Der FCB war der Grund für seine politische Karriere

Eine Passion Rickenbachers war der FC Basel, für den er sich während Jahren als Platzmeister engagierte und zu dessen Ehrenmitglied er 1953 ernannt wurde. Der FCB lancierte denn auch Rickenbachers politische Karriere. Als im Zug der Stadterweiterung in den 1940er-Jahren der Landhof überbaut werden sollte, setzte sich der Verein für die Erhaltung seiner Spielstätte ein. Der Verein empfahl in diesem Zusammenhang mehrere Mitglieder zur Wahl in den Grossrat. Neben Rickenbacher wurde im zweiten Anlauf auch der spätere FCB- und Grossratspräsident Jules Düblin gewählt.

Treibende Kraft für die Erhaltung des Landhofs war – natürlich – Rickenbacher, der mit dem Verein ein Komitee mit prominenten Vertretern aus allen politischen Parteien gründete und eine umfassende Lobbyingkampagne umsetzte, dessen Resultat ein langjähriger Baurechtsvertrag für den Verein und die Neugestaltung der Anlage mit dem Tribünenbau war. Auch hier schaffte es Rickenbacher, gleichzeitig engagiertes Mitglied in Verein und Politgremien wie auch ausführender Architekt zu sein.

«Alles Edle und Gute ist einfacher Art» meinte Rickenbacher anlässlich der Eröffnung der Tribüne im August 1951 und zitierte damit Gottfried Keller. Was soll rund 70 Jahre später aus seinem Bau werden, der wie ein Findling zwischen den Wohnhäusern steht? «Der Ländi bleibt» ist die Losung jener, denen die Atmosphäre des Orts und die geschichtsträchtigen Ecken und Kanten unserer Stadt etwas bedeuten.

Der Autor hat in Basel und Rom Geschichte studiert. Er ist Gründer der Miozzari + Co GmbH. Seit 2017 vertritt er die SP im Grossen Rat Basel-Stadt.

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