Schwere Krankheit

Der Mann hinter dem grossen Bluff: Der Basler Financier Dieter Behring ist tot

Der wegen Betrugs verurteilte Finanzjongleur Dieter Behring ist tot. Behring verstarb nach schwerer Krankheit im Alter von 63 Jahren. Der Basler Financier sollte eine mehrjährige Freiheitsstrafe verbüssen.

Ende Januar hätte Dieter Behring seine Haftstrafe antreten sollen. Die Rechtsmittel hatte er ausgeschöpft. Noch am 9. Januar lehnte das Bundesgericht seinen letzten Antrag auf Revision ab. Das Urteil blieb damit rechtskräftig: Behring wurde zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren wegen gewerbsmässigem Betrug verurteilt.

Rund 2000 Personen hatten ihm bis 2004 Geld anvertraut und verloren. Mit einem Schaden von 500 bis 800 Millionen Franken steht er für den grössten Betrugsfall der Schweizer Rechtsgeschichte.

Anfang dieser Woche ist nun Behring, 63-jährig, verstorben. Dies hat der «Tages-Anzeiger» overmeldet. Behrings Wohngemeinde im aargauischen Fricktal wollte den Todesfall gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-sda aus Gründen des Datenschutzes nicht offiziell bestätigen. Zum Zeitpunkt des Urteils des Bundesgerichts befand er sich bereits wegen Gelbsucht in Intensivbehandlung im Berner Inselspital. Dies berichtete diese Zeitung vor drei Wochen.

Eine Gallenerkrankung habe zu einer Leberzirrhose geführt, erklärte seine Frau. Nun hat Behring nicht nur seinen Kampf gegen die Justiz, sondern auch gegen die Erkrankung verloren.

Die letzten 15 Jahre verbrachte Behring damit, sich mit allen legitimen Mitteln gegen eine Verurteilung zu stemmen oder eine solche zumindest hinauszuzögern. Er sei unschuldig, sagte er im direkten Gespräch. Er klang dabei nicht verbittert, zuweilen jedoch abschätzig, wenn er über andere sprach.

Seine Verteidigungsstrategie war dabei allerdings nie darauf angelegt, seine Unschuld zu belegen; denn seine Schuld zu beweisen, sei schliesslich Aufgabe der Justiz. Behring wurde jedoch nicht müde, auf reale oder bloss vermeintliche Ungereimtheiten bei den anderen hinzuweisen, um Zweifel an seiner Schuld zu säen.

Ein manipulatives Talent

Bereits Mitte September 2004 startete Behring seine Strategie der Selbstbehauptung. Obwohl noch ein halbes Jahr zuvor bejubelt, wurde es nun immer offensichtlicher, dass es sich bei seinem Anlagesystem um ein betrügerisches, kurz vor dem Kollaps stehenden Schneeballsystem handelt. Da vereinbarte Behring einen Termin bei der Zürcher Staatsanwaltschaft und stellte Strafanzeige gegen seine Partner, da angeblich 800 Millionen Franken verschwunden seien.

Gut drei Wochen später erst flog das System auf und Behring wurde in Untersuchungshaft genommen. Er war darauf vorbereitet; zwei Strafverteidigern hatte er vorweg 1,8 Millionen Franken als Vorschuss überwiesen.

Im Strafverfahren focht er jeden Schritt der Bundesanwaltschaft richterlich an. Seinen zur Seite gestellten, amtlichen Verteidigern machte er das Leben so schwer, dass sie wiederholt ihr Mandat niederlegten. Das Verfahren zog sich in die Länge.

Noch vor dem eigentlichen Prozess musste sich das Bundesgericht ein gutes dutzend Mal mit dem Fall befassen. Die Strafermittler machten es ihm jedoch auch einfach, da sie sich heillos verzettelten und die Ermittlungen zeitweise zu einer persönlichen Sache zwischen dem Staatsanwalt des Bundes und dem Angeklagten ausartete.

Die blinden Komplizen

Die Mühlen der Justiz mahlten in seinem Fall zwar besonders langsam, aber doch unerbittlich: Die Indizien und Beweise sprachen widerspruchsfrei gegen ihn; es gab letztlich kein computergestütztes Anlagesystem, mit dem die angeblich horrenden Renditen hätten erzielt werden können.

Von der Justiz weitgehend unbehelligt blieb das Umfeld. Dabei ist offensichtlich, dass das Scheingebilde nur über Jahre hinweg bestehen konnte, weil ein Kreis von Getreuen sich blind, taub und unwissend stellten, da sie selbst finanziell massiv profitierten.

Auch bei langjähriger Begleitung lässt sich als Aussenstehender kaum beurteilen: Hat sich Behring nur der Welt gegenüber als Opfer betrügerischer Partner und einer unfähigen Justiz dargestellt oder konnte er dieses Bild auch sich selbst gegenüber aufrechterhalten?

Eine verdeckte Sicht auf seine Person hatte er jedoch schon kultiviert, als er noch erfolgreich um Anleger warb. Als massiger Mann mit hoher Stimme schuf er sich das Charisma des «Börsengurus», der zu allem Distanz hielt. Er legte es darauf an, unverstanden zu bleiben. Nachfragen nach seinem «Börsensystem» beantwortete er in der Regel nicht; wenn jemand es nicht begreife, sei dies nicht sein Problem.

Über den Tod Behrings hinaus können die Akten nun jedoch nicht geschlossen werden. Die Geschädigten warten noch immer auf ihren Anteil aus der Konkursmasse.

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Autor

Christian Mensch

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