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Der Messe-Donut ist Basels wahres Wahrzeichen

Die Besucher der «Baselworld» verschicken auf sozialen Netzwerken hundertfach Fotos des Gebäudes über dem Messeplatz. Traditionelle Wahrzeichen der Stadt wie Rhein, Münster oder Rathaus sind weniger populär. Basel Tourismus ist dennoch erfreut.

Samuel Hufschmid
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16 von 23 Fotos, die Instagram-Nutzer am 22. März unter dem Hashtag #Basel veröffentlicht haben. Im gleichen Zeitraum wurden lediglich 10 Fotos, die das Münster oder den Rhein zeigen, verschickt.

16 von 23 Fotos, die Instagram-Nutzer am 22. März unter dem Hashtag #Basel veröffentlicht haben. Im gleichen Zeitraum wurden lediglich 10 Fotos, die das Münster oder den Rhein zeigen, verschickt.

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Die Münster-Silhouette hoch über dem Rhein – so stellen wir Basler uns unsere Stadt vor. Kommen aber Tausende «Baselworld»-Gäste zu Besuch, verschicken sie via Facebook, Instagram und Co. am liebsten Bilder der neuen Messehalle von Herzog & de Meuron, genauer gesagt Bilder der «City Lounge» mit ihrer 30 Meter grossen Öffnung.

Das zeigt eine Auswertung der Bilder, die Basel-Besucher in den letzten Tagen unter dem Hashtag «#Basel» auf dem sozialen Netzwerk Instagram veröffentlicht haben. Innert 24 Stunden wurde die «City Lounge» 23 Mal fotografiert und veröffentlicht, das Münster hingegen lediglich zehn Mal. Ähnlich sieht es auf Twitter und Facebook aus, auch wenn die Auswertung der Beiträge auf diesen beiden Netzwerke schwieriger ist respektive die Twitter-Mitteilungen weniger bildlastig sind. Und die Instagram-Nutzer sparen nicht mit Komplimenten: «Ein eindrückliches Gebäude, eine Himmelstreppe», schwärmt etwa Richard Laing aus Edinburgh.

Freude bei den Architekten

Dass sich das in der Bevölkerung auch als Messedonut oder Röstiraffel bezeichnete Gebäude in so kurzer Zeit zum Basler Wahrzeichen entwickeln könnte, haben die Architekten zwar gehofft, aber nicht vorhersehen können: «Wir freuen uns darüber und waren immer der Überzeugung, dass das Messezentrum zu einem Wahrzeichen der Stadt werden könnte», lässt Herzog & de Meuron auf Anfrage verlauten.

Nicht erstaunt über die hohe Popularität des Messegebäudes ist Christoph Bosshardt, Vizedirektor von Basel Tourismus. «Die ‹City Lounge› ist spektakulär und gibt ein tolles Fotomotiv her – zudem bleibt vielen Messebesuchern kaum Zeit, die anderen Sehenswürdigkeiten Basels zu besuchen.» Er gehe davon aus, dass diese Auswertung anders ausfallen würde, wenn gerade keine internationale Messe stattfindet. «Aber trotzdem ist der Messeneubau wegen seiner Doppelfunktion als architektonisches Bauwerk und der zusätzlichen Hallenfläche für Basel Tourismus das wichtigste Bauprojekt der letzten fünf Jahre.» Grundsätzlich freue es ihn sehr, wenn «City Lounge»-Bilder verbreitet werden, denn das helfe, «Basel als Architekturmetropole zu positionieren».

Hans-Rudolf Meier, ehemaliger Privatdozent am Kunsthistorischen Seminar der Universität Basel und Autor eines Standardwerks über das Basler Münster, sieht den aktuellen Hype rund um den Messeneubau kritischer. «Die ‹City Lounge› mit ihrer Grösse und ungewöhnlichen Form ist als Eye-Catcher konzipiert.

Das funktioniert sicherlich eine gewisse Zeit lang, aber das Münster steht seit 1000 Jahren und wird vermutlich auch noch beachtet werden, wenn die Messe-Verantwortlichen die ‹City Lounge› durch den nächsten oder übernächsten Neubau ersetzen.»

Über lange Zeit seien die Wahrzeichen auch immer die grössten und am besten sichtbaren Gebäude einer Stadt gewesen – im Falle von Basel mit dem hoch über dem Rhein gelegenen Münster sowieso. «Wenn nun viele Leute nur wegen der Messe nach Basel kommen, schauen sie sich dort um nach dem auffälligsten und grössten Gebäude – und werden mit der unübersehbaren ‹City Lounge› definitiv fündig.

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