In der abgefahrenen Welt des Armin Biehler existieren keine Hindernisse. Oder fast keine. Mit Höllentempo flitzt er durch die Strassen Basels, tanzt im Zickzack zwischen den Blechlawinen, erklimmt die steilsten Wege, überholt Tram um Tram, peitscht über rot.

Seit acht Jahren bringt der Velokurier A#115 alle nur erdenklichen Waren auf zwei Rädern von A nach B. Lebensmittel sind noch das Frommste. Im Gegensatz zur Braut im Anhänger, die einst zum Polterabend geschickt wurde. Oder den tiefgefrorenen Schweineaugen, die Biehler vom Schlachthof nahe der französischen Grenze zur Universität bringt, wo Studenten an ihnen rumschnippeln; ziemlich versaut.

Armin Biehler auf Tour

Wir haben die Stadt aus Sicht eines Velokuriers kennengelernt. Armin Biehler hat uns eine Abkürzung verraten und erklärt, weshalb er diesen Weg so schätzt.

Die 70 Fahrer der Kurierzentrale bringen alles. Und für die Kurierzentrale hat Biehler bislang 900 Schichten absolviert und 71 000 Kilometer zurückgelegt. «Da erlebt man einiges. Auf der Strasse spielt das Leben», sagt Biehler.

Es hat sich soviel Erzählstoff angesammelt, dass der Mann sich entschieden hat, ein Buch zu schreiben. Auch, weil er von den Menschen immer wieder die selben Fragen hört, etwa: «Hattest Du schon viele Unfälle?», oder: «Wie ist das mit der Polizei?»

Die Vernissage zum Buch «A#115» im Frühling nahm Biehler zum Anlass, die Gäste zu den Schauplätzen der Erlebnisse zu führen und vor Ort aus dem Buch zu lesen. Etwa zum Polizeiposten Kannenfeld, dem Grenzzollamt oder der Dreirosenbrücke. Da kam die Idee einer Stadtrundfahrt für die Öffentlichkeit auf, um «einen Einblick in die Welt der Velokuriere zu geben und das Verständnis für unsere Arbeit zu fördern».

Ab sofort führt Biehler jeden letzten Donnerstag im Monat eine solche Rundfahrt durch, die Interessierte auf zwei Rädern an nicht ganz alltägliche Orte Basels bringt. Sie findet bei jeder Witterung statt, schliesslich müssen die Kuriere damit leben: Wenn die Sonne brennt und sechs Liter Wasser am Tag getrunken werden, oder wenn es schneit und die Sicht schlecht ist.

So wie an jenem Januartag im 2010, als ein Auto Biehler von hinten anfuhr; er landete hart auf der Strasse. Seine einzige Sorge nach dem Unfall galt seinem Velo: Ist es noch ganz? Nein, aber Biehler war es. Zum Glück. Vom Unfall erzählt er im Buch. Es ist bis dato sein einziger geblieben. Und das einzige Hindernis.