Nostalgie

Der Muba-Figaro macht den Schnitt – und nimmt Abschied

Beat Müller in seinem Salon an der Elsässerstrasse.

Beat Müller in seinem Salon an der Elsässerstrasse.

Bis 1980 sorgte Beat Müller an der Muba für adrette Frisuren und glattrasierte Gesichter bei Ausstellern. Mit viel Wehmut nimmt der 70-Jährige nun Abschied von der Messe.

«Es war eine grossartige Zeit», erinnert sich Beat Müller. «Vor allem die Sonntage, als Menschenmassen aus der ganzen Schweiz bei uns vorbeikamen.» Mit «uns» meint Müller den Salon der Basler Sektion des Schweizer Coiffeurmeisterverbands an der Schweizer Mustermesse – ein Stand in der Rundhofhalle. Es sei weit mehr gewesen als ein Präsentationsauftritt für das Coiffeurgewerbe. «Wir haben viel gearbeitet, Haare geschnitten, frisiert, rasiert und manikürt», sagt Müller. «Und trotzdem waren die zehn Tage Muba wie Ferien für mich.»

Müller ist Coiffeur mit Leib und Seele. 1948, im Jahr als er auf die Welt kam, eröffnete sein Vater das Coiffeurgeschäft an der Elsässerstrasse, das er später seinem Sohn übergab. Mit seinen 70 Jahren arbeitet Beat Müller noch immer – im Alleingang, an vier Vormittagen in der Woche. «Ich habe noch etwa 120 Kunden, die ich betreue, vom Pfarrer über Ärzte bis zu Stadtoriginalen», wie er sagt. «Ich werde weiterarbeiten, solange ich noch Kunden habe und die Schere gut in meiner Hand liegt.»

Mit der Arbeit an der Muba ist schon längere Zeit Schluss. «1980 lief der Muba-Salon nicht mehr so gut, bei den Damen gehörte der wöchentliche Coiffeurbesuch nicht mehr zum Alltag.» Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Müller zwölf Einsätze im Muba-Salon hinter sich, die letzten vier Jahre als Leiter der international zusammengewürfelten Truppe: «Die Deutschen waren die Beflissensten, dabei war auch ein Holländer, der während der Muba immer seinen Salon schloss, um in Basel mit von der Partie sein zu können. Und ich erinnere mich an einen Russen, der unglaublich viele Sprachen beherrschte.»

«Rasieren ohne Blut!»

Bis zu zwanzig Kunden nahmen an guten Tagen auf Müllers Stuhl Platz. Er hatte also viel zu tun. In bester Erinnerung geblieben ist ihm die spezielle Atmosphäre. «Am Morgen früh kamen die Ausstellerinnen und Aussteller bei uns vorbei, um sich frisieren und rasieren zu lassen», sagt er. «Zum Beispiel ein deutscher Stammgast vom Stand der Obi-Säfte, der stets kurz und knapp ‹Rasieren ohne Blut› sagte, oder die aufgeweckten und charmanten Walliserinnen von einem Weinstand.»

Die Aussteller mussten für die Dienstleistung nichts bezahlen. «Sie bedankten sich mit Naturalien, brachten von der nahen Degustationshalle, wo viele arbeiteten, kistenweise Pernod und Wein vorbei oder Salami – alles halt, was dort im Angebot war», erinnert er sich. «Und klar, haben wir während der Arbeit das eine oder andere Glas getrunken. Aber nie so viel, dass wir nicht mehr sorgfältig arbeiten konnten.»

Zu den Höhepunkten in Müllers Erinnerung gehören aber die Messe-Sonntage, als die Bauern vorbeischauten. «Mit den Taschen voller Geld und fein herausgeputzt, denn die Muba war damals noch ein grosses gesellschaftliches Ereignis», erinnert er sich. Die Bauern nutzten die Gelegenheit, sich an der Messe noch feiner herausputzen zu lassen. Und das nicht nur auf dem Kopf. «Sie liessen sich ihre Hände manikürieren – zum Teil mit dem Stumpen im Maul, was damals aber niemanden störte.»

Muba, das war für Müller aber nicht nur Arbeit. «Schon als Kind war der Messebesuch eine Selbstverständlichkeit», sagt er. Und auch nach dem Ende des Coiffeur-Stands liess er keine Ausgabe aus. «Ich war jeweils nicht nur als Zaungast vor Ort, sondern habe sehr oft auch eingekauft.» Auch an der aktuellen Muba wieder. «Ich habe mir ein neues Sofa geleistet. Das, auf dem Sie gerade sitzen, bietet nicht mehr den nötigen Komfort.»

Am Samstag wird Müller ein letztes Mal durch die Messehallen schlendern, in denen bei weitem nicht mehr so viel Leben herrscht wie einst. «Ich treffe vor allem ältere Menschen an, die jungen gehen nicht mehr hin», sagt er mit Bedauern.

Wird er seine Muba sehr vermissen im kommenden Jahr, frage ich noch. «Natürlich werde ich das», sagt er. Auf Messeerlebnisse will er aber auch künftig nicht verzichten. «Ich werde dann zusammen mit Freunden in den Zug steigen und nach St. Gallen an die Olma und nach Bern an die Bea reisen.»

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