Historisches Museum Basel

Der Museumsdirektor Marc Fehlmann ist weg – laut Regierungsrätin Ackermann «muss wieder Ruhe ins Museum kommen»

Marc Fehlmann muss gehen.

Marc Fehlmann muss gehen.

Gestern gefeiert, heute gefeuert: Marc Fehlmann, Direktor des Historischen Museums Basel, ist per sofort freigestellt.

Eigentlich hätte sich seine Chefin, Regierungsrätin Elisabeth Ackermann, gerne schon im Januar von Marc Fehlmann, dem Direktor des Historischen Museums Basel (HMB), getrennt. Dies hat die bz gestern geschrieben, um dann von einer wundersamen Rückkehr des Museumsdirektors an die Öffentlichkeit zu berichten.

Einen Tag zuvor liess er sich von der «Basler Zeitung» als Direktor feiern, der sein Museum allen Unkenrufen zum Trotz in neue Sphären geführt habe. Nun hat Regierungsrätin Elisabeth Ackermann den Schritt doch vollzogen: Marc Fehlmann, Direktor des Historischen Museums Basel, wurde gestern freigestellt.

Ein Überbrücken der Differenzen war nicht möglich

Ein Schelm, der einen Zusammenhang zwischen der kurzzeitigen medialen Rückkehr und dem abrupten Abschied herstellt. Denn Ackermann sagt, die Scheidung sei bereits Ende Juni beschlossen worden. Das externe Mediationsteam, das seit Januar zu kitten versuchte, was hoffnungslos zerscheppert war, sei zum Schluss gekommen, dass die «angestrebten Ziele nicht erreicht werden können».

Sie selbst habe «viel Zeit und Energie» investiert, doch konstruktive Lösungen für die «anhaltenden Differenzen» konnten nicht gefunden werden, sagt Ackermann. Der Entscheid sei ihr schwergefallen, schliesslich habe Fehlmann zuletzt auch «tolle Ausstellungen» realisiert. Doch eine Trennung schien unvermeidlich: «Es muss wieder Ruhe ins Museum kommen.»

Dass ihm in der letzten Ferienwoche die Freistellung überbracht wird, habe Fehlmann erst im Gespräch erfahren, das am Donnerstag geführt wurde, sagt Ackermann. Gemäss der Regierungspräsidentin konnte über die Modalitäten bereits ein Einvernehmen getroffen werden. Wie diese sind, wollte Ackermann nicht erläutern; Fehlmann sei einfach bis auf weiteres von seinem Amt freigestellt. Fehlmanns Anwalt, Philippe Nordmann, dementierte ein Einvernehmen gestern Abend gegenüber «Telebasel».

Vor den Wahlen herrscht nun Ruhe

Dass es nicht bereits vor einem halben Jahr zur Trennung gekommen ist, hatte nicht zuletzt arbeitsrechtliche Gründe. Dies zeigten Recherchen der bz. Da er krankgeschrieben war, wäre der Kündigungsschutz für Fehlmann noch bis zum Spätsommer gelaufen – just bis vor den Wahlen. Angeblich hatte Ackermann noch ein grosszügiges Abschiedsgeld angeboten, was Fehlmann jedoch abgelehnt habe. Eine Weiterbeschäftigung inklusive Mediation war für Ackermann daraufhin die politisch wie finanziell günstigste Lösung.

An der politischen Front – so Ackermanns Hoffnung – sollte bis nach den Wahlen im Oktober Ruhe herrschen. Denn als freigestellter Direktor erhält er weiterhin seinen ordentlichen Lohn, er ist jedoch von seinen Aufgaben entbunden und wichtiger noch: an die dienstliche Schweigepflicht gebunden.

Fehlmann wird keine Interviews geben, sagt Ackermann. Auf Anfrage war er nicht zu erreichen. Eine zweite Rückkehr ist jedoch ausgeschlossen. Ackermann sagt, in einem nächsten Schritt werde die Geschäftsleitung neu aufgestellt. Dazu werde von extern ein interimistischer Leiter angestellt. Wann und in welcher Form die Stelle ausgeschrieben wird, konnte sie noch nicht sagen.

Ambitionierte Ziele, zweifelhafte Mittel

Die Ära Fehlmann wird nur gerade drei Jahre gedauert haben. Der gebürtige Basler galt als Hoffnungsträger, der nach den finanziell turbulenten Zeiten mit der Direktorin Marie-Paule Jungblut das Museum wieder aufrichten sollte. Extra von Berlin in seine Heimatstadt ist er gezogen, um seine Ideen eines führenden Museums zu realisieren.

Seine Ambitionen äusserten sich jedoch nicht nur dadurch, dass er auf einmalige Weise Drittgelder akquirierte, sondern auch dadurch, dass er jeden Wissen liess, dass sein Umfeld und vor allem das Präsidialdepartement seinen Ambitionen nicht gerecht wird. Dieses konterte mit einem Maulkorb, was Fehlmann nicht hinderte, seine Position medial zu verbreiten.

Respekt war auch nicht, was seine Mitarbeiter von ihm erwarten konnten. Die «haarsträubende Mängel», die er etwa in den Depots des Museums fand, lastete er ihnen ebenso an, wie eine «Trickserei» bei den Besucherzahlen. Sie revanchierten sich in einem offenen Brief, in dem sie sich über ihren Chef
beschwerten.

Sollte sich Fehlmann dereinst an einem anderen Museum bewerben, so kann er stolz auf den letzten Jahresbericht verweisen. Darin schreibt Kommissionspräsident Urs Gloor: «Fehlmann hat mit unermüdlichem Einsatz und trotz Widerständen und medialem Druck mit seinem Team vollbracht, was wir uns von seiner Berufung nach Basel versprochen haben.»

Autor

Christian Mensch

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