Zwei grosse Skandale hat Tobias Faust in seiner Zeit als Verlagsleiter der «Tageswoche» zu verantworten. Ganz am Anfang, als die Zeitung noch in den Kinderschuhen steckte, gab er während Wochen seine private Kontonummer für Werbeaufträge an. Und ein paar Jahre später trickste er die Auflage in die Höhe, indem er tausende Gratis-Exemplare der Wochenzeitung am Zürcher Flughafen als verkaufte Auflage auswies. Nun wird Faust Co-Geschäftsleiter der Kultkinos; er löst Suzanne Schweizer ab. Die bz hat mit verschiedenen Weggefährten von Faust gesprochen. Fassbar wird er selten, kaum einer seiner ehemaligen Kollegen will mit Namen in der Zeitung erscheinen.

«Des Pudels Kern»

Am deutlichsten wurde Michael Würtenberg. Der ehemalige «Tageswoche»-Journalist nahm vor etwas mehr als einem Jahr kein Blatt vor den Mund und schrieb an Faust adressiert auf Facebook: «Ich habe persönlich erlebt, wie du einen Migros-Sack voller unbezahlter Rechnung wie der Samichlaus auf deinem Schreibtisch ausleertest – dies als Zeichen kreativer Buchführung.» Andere sind zurückhaltender. Ivo Bachmann gehört zu den Geburtshelfern der «Tageswoche». «Tobias Faust ist zweifellos ein Mann mit grossen Fähigkeiten», sagt er. Beim Kultkino sei er «vermutlich am richtigen Ort».

Faust selbst stellt seine Zeit bei der «Tageswoche» anders dar. Auf einem sozialen Netzwerk beschreibt er sein Wirken als Erfolg, welches in folgender Aussage gipfelt: «Heute, nach bald fünf Jahren, gilt die Tageswoche als grösste Nachrichtenplattform für Basel und die Region.» Bei wem die «Tageswoche» als grösste Nachrichtenplattform gilt, bleibt Faust schuldig – von der Branche akzeptierte Massstäbe wie WEMF- oder Netmetrix-Beglaubigungen können es gemäss deren aktueller Publikationen nicht sein.

«Aus den Augen, aus dem Sinn»

Was qualifiziert den gelernten Elektro-Installateur und studierten Betriebswirtschafter zum Geschäftsleiter einer so beliebten Kinokette? Da ist zum einen seine Vergangenheit. Faust hat bereits von 2001 bis 2011 für das Kultkino gearbeitet, vom Praktikanten bis zum Assistenten der Geschäftsleitung. Bis ihn Georg Hasler, Intimus von Mäzenin Béatrice Oeri ins Projekt Zeitungsgründung bugsierte. Glaubt man Arbeitskollegen von jener Zeit, hat der in Dornach aufgewachsene Faust damals eine Zusammenarbeit zwischen der Anthroposophischen Gemeinschaft und dem Kultkino aufgebaut. Tatsächlich mietet beispielsweise die anthroposophische Kosmetikfirma Weleda zuweilen den Kinosaal für Vorstellungen. Eine Zusammenarbeit zwischen Kultkino und «Tageswoche» hatte Faust ebenfalls aufgegleist. Dennoch gibt es auch aus dieser Zeit Mitarbeiter, die Faust eine chaotische Arbeitsweise anlasten. Verwaltungsratspräsident Hansmartin Siegrist hingegen lobt Faust in den höchsten Tönen: «Tobias Faust ist wie gemacht für diesen Job.» Von Unstimmigkeiten will er erst noch nie gehört haben. Auf die Verfehlungen konkret angesprochen sagt Siegrist: «Es ist für einen Menschen in seiner Position üblich, dass manchmal auch schlecht über ihn geredet wird.» Seit seinem Abgang bei der «Tageswoche» arbeitet Faust als Buchhalter beim Vorstadt-Theater. Hier gibt es keine Beanstandungen: Faust arbeite gewissenhaft und korrekt, sagt ein Kenner.

«Schall und Rauch»

Faust weiss, dass ihn Misstöne begleiten. Er sagt: «Sowohl bei der Tageswoche als auch beim Kultkino gab es Momente, in denen ich mich unbeliebt gemacht habe.» Faust führt diese auf unpopuläre Entscheide zurück, die er in seinen Funktionen habe treffen müssen. «Als ich beim Kultkino anfing, waren wir 70 Personen. Bei meinem Abgang waren es noch 40.» Diese strukturellen Veränderungen hätten sich aber über einen langen Zeitraum hingezogen, die Abgänge basierten auf der natürlichen Fluktuation. Natürlich habe er auch Fehler begangen, «und für diese auch die Verantwortung übernommen.» Dass seine Verbindungen zur anthroposophischen Gemeinschaft Ausschlag für seinen Job gegeben haben, weist er zurück. Er sagt: «Ich bin selbst nicht Anthroposoph.» Seine drei Töchter besuchen allerdings die Steinerschule.

Das Kultkino ist eine staatlich nicht subventionierte Aktiengesellschaft und besteht aus sieben Sälen in den Kinos Atelier und Camera.