Rheinufer
Der neue Elektrogrill vertreibt Wildbrätler

Der erste elektrische Gratis-Grill, den die Betreiber der Oetinger-Buvette am Rheinufer aufgestellt haben ist ein Erfolg und das Feedback der Anwohner sehr gut – nun wird das Angebot womöglich ausgebaut.

Moritz Kaufmann
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Grillieren mit herrlicher Aussicht und erst noch, ohne die Nachbarn zu verärgern – das Konzept der Oetlinger-Buvette geht auf

Grillieren mit herrlicher Aussicht und erst noch, ohne die Nachbarn zu verärgern – das Konzept der Oetlinger-Buvette geht auf

toDel Heinz Duerrenberger

Wildes Grillieren am Rhein – das war einmal. Zumindest für den Bereich, wo die Oetlinger-Buvette aktiv ist, trifft das zu. Seit rund eineinhalb Monaten betreibt das Geschwisterpaar Eva und Simon Baudenbacher den Gastro-Container zwischen der Johanniter- und der Dreirosenbrücke. Teil ihres Konzepts ist ein Experiment: ein öffentlicher Elektrogrill, den nicht nur Gäste der Oetlinger-Buvette, sondern alle Rheinbummler kostenlos benutzen dürfen.

Es scheint aufzugehen. «In dem Parameter, in dem wir uns befinden, bringen die Leute keine eigenen Grills mehr mit», sagt Eva Baudenbacher. Wenn man berücksichtige, dass der Sommer bisher eher lau war, sei es sogar erstaunlich, wie stark der Grill benutzt werde. «Am Anfang wurde der Grill vor allem von unseren Gästen gebraucht. Mittlerweile geht der Trend aber stark in die Richtung, dass die Leute ihr Essen selber mitbringen», beobachtet die Buvetten-Chefin.

Einen Nerv getroffen

In der Diskussion um die Mediterranisierung des öffentlichen Raums rangiert wildes Grillieren unter den am häufigsten genannten Ärgernissen. Einige Rheinanwohner stören sich am Rauch, der sie von den Balkonen vertreibt, und am Müll, der liegen bleibt. Häufig lassen die Grillfreunde ihre Einweggrills aus Alu mitsamt der Kohle einfach liegen.

Die Idee der Baudenbachers scheint einen Nerv zu treffen. Der Grillboom hat Basel längst erfasst. Doch etwa im Vergleich zu Zürich fehlte bisher ein öffentlicher Gratis-Grill. Und auch die Anwohner scheinen zufrieden zu sein. «Von den Nachbarn erhalten wir ein sehr gutes Feedback. Einige sagen, dass die Zustände wieder paradiesisch seien, weil man die Fenster wieder öffnen könne.» Gegen die Oetlinger-Buvette, die es dieses Jahr zum ersten Mal gibt, gingen Einsprachen ein. Mittlerweile ist der Widerstand verpufft.

Kein Drogenumschlagplatz mehr

Auch beim Kanton zieht man ein positives Zwischenfazit. Zwar gibt man sich noch etwas vorsichtiger als die Buvetten-Betreiber. Doch Niklaus Hofmann, Leiter der Allmendverwaltung, bestätigt, dass das wilde Grillieren zurückgegangen sei. «Ende Saison ziehen wir Bilanz», so Hoffmann. Es sei gut denkbar, dass nächstes Jahr mehr öffentliche Grills installiert würden. Zumindest werde man dies mit den anderen Buvetten-Betreibern besprechen. Einige Beschwerden gibt es dennoch: «Der Rauch ist jetzt nicht mehr verteilt, sondern an einem Ort konzentriert», sagt Hofmann. Man überlege sich deshalb Lösungen, etwa eine Art Abzug. Und trotzdem: Die Buvette ist ein Erfolg. Nicht nur, weil das wilde Grillieren eingedämmt wird, sondern auch, weil sie soziale Kontrolle ermöglicht. «Solange die Buvette geöffnet hat, wird dort nicht mehr mit Drogen gedealt», sagt Hoffmann. Einige Anwohner hätten deshalb schon verlangt, dass die Buvette länger geöffnet haben soll, als 22 Uhr, wie das momentan der Fall ist.

Eva Baudenbacher freuts. Sie und ihr Bruder haben die Konzession für fünf Jahre erhalten und werden den Grill auch nächstes Jahr aufstellen.