«Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig werden.» Der erste Satz im neuen Ratgeber der Stiftung Pro Juventute versucht zu verdeutlichen, was der komplizierteste aller Lebensabschnitte mit sich bringt. Nicht nur die Kinder sind verwirrt, sondern auch ihre Eltern. Pro Juventute und das Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt haben deshalb für diese turbulenten Zeiten einen neuen Elternbrief als Ratgeber lanciert. Seit gestern ist der «Extrabrief Teenager» erhältlich.

«Im Teenageralter treffen unglaublich viele verschiedene Verhaltensweisen, Kulturen und Entwicklungsstadien aufeinander. Als Eltern und Lehrpersonen stehen wir diesem Verhalten oft mit Ratlosigkeit gegenüber.» So erläutert Urs Kiener, Leiter Produkte bei Pro Juventute gestern die verzwickte Situation. «Der Elternbrief ist eine Strategie gegen diese Ratlosigkeit.»

Ein Extrabrief für Teenager

Die 55-seitige Informationsbroschüre bestärkt ihre Leser: «Nehmen sie die Herausforderung an und begleiten Sie Ihre Tochter, Ihren Sohn ins Erwachsenenleben». Neben den klassischen Themen wie Lernfrust, erste Liebe und altersgerechtem Umgang mit Alkohol, setzt sich der Elternbrief auch mit dem Thema Geld und Konsum auseinander. Der richtige Umgang damit sei ein sehr relevantes Thema, auch, um der Jugendverschuldung entgegenzuwirken.

Besonderes Augenmerk richtet der Elternbrief auf die neuen Medien wie Facebook oder Youtube: «Im Umgang mit den neuen Medien konnten die Eltern bisher weniger Erfahrung machen, als ihre Kinder.» Dieses Thema ist laut Kiener deshalb besonders wichtig.

Allgemein war das Jugendalter bisher noch kein Thema der Elternbriefe. Bis das erste Kind sechs Jahre alt ist, werden den Einwohnern des Kantons Basel-Stadt bereits Elternbriefe zugeschickt. Das sind 35 Informationshefte zur Entwicklung des Kindes. In Zukunft erhalten die Eltern im dreizehnten Lebensjahr ihres Kindes den «Extrabrief Teenager» zur Übergangsphase Pubertät. Auch andere Interessierte können die Broschüre für zwölf Franken bei Pro Juventute bestellen.

In jüngster Vergangenheit zeigte sich bei der 24-Stunden-Hotline der Pro Juventute-Elternberatung eine zunehmende Unsicherheit rund um die Pubertät. «Auch in der Schule werden Situationen festgestellt, an denen man die Überforderung der Eltern erkennt, zum Beispiel wenn die Kinder im Winter ohne ausreichende Kleidung in die Schule kommen», sagt Marc Flückiger, Leiter der Abteilung Jugend- und Familienförderung des Erziehungsdepartements.

Jugendliche als Minderheit

Statistiken zeigen: Die Jugendlichen wachsen in einer Gesellschaft heran, deren Mitglieder immer älter werden. Der Anteil Unter-Zwanzigjähriger hat sich seit 1900 halbiert. Umso wichtiger ist es, die Heranwachsenden in ihrer Entwicklung zu begleiten. Dass bereits 400 «Extrabriefe» von anderen Gemeinden bestellt wurden, zeigt das grosse Interesse am neuen Elternbrief. «Ich spüre es, das gibt einen Renner», meint Urs Kiener. Die Übersetzung ins Französische und Italienische sei bereits geplant, und auch in anderen Fremdsprachen soll der Ratgeber in Zukunft den Eltern eine Unterstützung sein.

Der «Extrabrief» Teenager ist telefonisch unter 044 256 77 33 oder via Mail bestellbar (kontakt@projuventute.ch).