Wirtschaft

Der neue Messekonzern: So rollen Kanton und MCH Group den roten Teppich für einen neuen Investor aus

Der Verwaltungsrat und die Konzernleitung der MCH Group (mit dem Basler Regierungsrat Christoph Brutschin, CEO Bernd Stadlwieser und Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer) machen sich fit für einen neuen Investoren.

Der Verwaltungsrat und die Konzernleitung der MCH Group (mit dem Basler Regierungsrat Christoph Brutschin, CEO Bernd Stadlwieser und Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer) machen sich fit für einen neuen Investoren.

In einer Blitzaktion soll der Grosse Rat sein Einverständnis für einen Teilausstieg aus der MCH Group geben. Die historische Mehrheit der Kantone im Führungsgremium soll damit schneller fallen als erwartet – dank einem bislang noch unbekannten Investoren.

Nun kann es nicht schnell genug gehen. Noch vor der Sommerpause muss die Basler Regierung vom Parlament die Zustimmung einholen, damit beim Basler Messekonzern MCH Group alles anders wird: Ein neuer Investor soll mit einem Anteil von rund dreissig Prozent dem Unternehmen neue Mittel und neuen Schub verleihen.

Bei der Aufstockung des Aktienkapitals, die damit verbunden ist, soll Basel-Stadt nicht mitziehen. Damit würde die bestehende Sperrminorität von 33,5 Prozent aufgeben.

Der Messekonzern treibt den Umbau der Eigentümerschaft schneller voran als erwartet. An einer ausserordentlichen Generalversammlung soll der historische Schritt vollzogen, die Fünf-Prozent-Beschränkung für private Aktionäre aufgehoben und der Verwaltungsrat gleichzeitig verkleinert werden. Der neue Investor soll drei Sitze bekommen und damit gleich viele erhalten, wie für die öffentliche Hand reserviert bleiben.

Das sind einige der Bedingungen, damit der Deal mit dem geheimgehaltenen Investor überhaupt gelingen kann. Mit diesem seien die Verhandlungen weit vorangeschritten. Un- terschrieben ist noch nichts.

Die Änderungen sind einem knappen, achtseitigen Ratschlag der Basler Regierung zu entnehmen, der seit gestern ohne Ankündigung auf der Website des Kantons aufgeschaltet ist. Kommuniziert wurden die Neuerungen vor Börsenöffnung allein durch die Medienabteilung der MCH Group.

Wirtschaftsminister Christoph Brutschin (SP), der zusammen mit Finanzdirektorin Tanja Soland (SP) die Regierung im Verwaltungsrat der MCH Group vertritt und das Dossier politisch führt, informierte nur einige Grossräte persönlich, darunter die Mitglieder der zuständigen Kommission. Diese muss das Geschäft jetzt sehr schnell behandeln. Schon in der Sitzung vom 24. Juni soll der Ratschlag vom Parlament abgesegnet werden.

Tatsächlich hat selbst die Regierung in Windeseile entschieden. Den abschliessenden Beschluss zum Ratschlag traf der Regierungsrat an seiner Sitzung vom 2. Juni, wie Brutschin sagt. Dass die Kommunikation der Messe überlassen worden ist, begründet er so: «Die Information musste aufgrund von Auflagen der Börse durch die MCH Group erfolgen.»

Die grosse Unbekannte im Geschäft bleibt der Investor. Der Name desjenigen oder derjenigen, der bei der MCH Group einzusteigen gedenkt, werde nach erfolgreichen Verhandlungen kurz vor der kommenden Generalversammlung kommuniziert. Das Parlament soll einem Financier den Weg bereiten, von dem es gar nicht weiss, um wen es sich handelt.

Der neue Investor muss sich verpflichten

Brutschin geht nicht davon aus, dass dies zum Hindernis wird: «Die Mitglieder des Grossen Rates können wohl einschätzen, dass Verhandlungen zwischen der MCH Group und einem Investor geführt werden müssen, ohne dass dieser bekannt gegeben wird.» Die Verhandlungen würden zurzeit laufen und das betreffe auch die vorgesehene Höhe der Investition.

Brutschin betont: «Der jetzt beim Grossen Rat beantragte Verzicht auf das Bezugsrecht
des Kantons Basel-Stadt bei einer Kapitalerhöhung macht den Einstieg eines Investors erst möglich.» Dieser habe auch Versprechungen abzugeben: Die rentablen Messen und Kongresse müssen weiterhin in Basel und Zürich stattfinden und ihren volkswirtschaftlichen Nutzen entfalten können.

Der Regierungsrat sieht die Interessen der öffentlichen Hand auch dadurch gewahrt, dass Basel-Stadt zusammen mit dem Kanton und der Stadt Zürich eine Sperrminorität von 33,3 Prozent der Aktien behalten will. Gänzlich ausscheiden wird dafür der Kanton Basel- Landschaft, der heute 7,8 Prozent der Aktien hält.

In einem ersten Schritt würde der Aktienanteil der öffentlichen Hand somit unter 30 Prozent fallen, wenn Basel wie die beiden Zürich auf ihre Bezugsrechte verzichten. Doch in einem zweiten Schritt sollte Basel-Stadt ein 30-Millionen-Darlehen, das für den Bau des Messezentrums gewährt worden war, in Eigenkapital umwandeln. Damit steige der Gesamtanteil der öffentlichen Hand wieder auf einen Drittel.

Über diesen zweiten Schritt soll erneut das Basler Parlament entscheiden – voraussichtlich im Herbst. «Im zweiten in Aussicht gestellten Ratschlag wird auch der Investor, so es zu einem
Einverständnis kommt, bekannt gegeben werden können», so Brutschin. Messesprecher Christian Jecker sagt, dass die MCH Group mit den Restrukturierungsschritten vor allem die in den vergangenen Monaten bereits mehrfach umrissenen Strategieanpassungen umzusetzen gedenkt.

Überrascht und etwas ungläubig, dass konkret mit einem Investor verhandelt werde, ist dagegen Erhard Lee. Der Zürcher Vermögensverwalter beherrscht rund zehn Prozent der Aktien und hat den Konzern in den vergangenen Monaten zur Beantwortung unbequemer Fragen und zur Durchführung einer ausserordentlichen Generalversammlung gezwungen. Mit der Forderung nach einer Sonderprüfung der jüngeren Misserfolge ist er allerdings gescheitert.

Der Druck von Baselland auf die MCH Group

Lee befürchtet, dass der Investor die Schwächephase der MCH Group nutzt, um sich zu einem günstigen Preis einzukaufen. Dabei bestehe derzeit gar nicht die zwingende Notwendigkeit, einen Investor an Bord zu holen. Zwar hat das Unternehmen eine tiefe Eigenkapitalquote, doch es verfügt weiterhin über genügend flüssige Mittel, um auch in den nächsten Monaten liquide zu sein. Diese Botschaft hat zuletzt auch mehrfach Bernd Stadlwieser, CEO der MCH Group, in Interviews verbreitet.

Selbst die 100-Millionen-Obligation, die von der MCH Group 2023 zurückbezahlt werden muss, sei gemäss Lee kein Problem. Den kurzfristi-gen Handlungsdruck auf den Messekonzern verantworte vielmehr der Kanton Basel-Landschaft. Unproblematisch ist zwar der anvisierte Verkauf des Aktienpakets, problematisch sind aber die Darlehen, die der Landkanton im Zusammenhang mit dem Messeausbau gewährt hatte. Diese sind noch ausstehend. Dabei handelt es sich zum einen um ein 30-Millionen-Darlehen, dessen Rückzahlung in zehn Raten erfolgen soll, die derzeit gestundet sind. Fällig wird zum andern aber ein zweites 35-Millionen-Darlehen – und zwar bereits im kommenden März. Davon ist im knapp gehaltenen Ratschlag an den Grossen Rat allerdings nichts zu lesen.

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