Kommentar

Der neue Polit-Stil: Lobbyisten statt Direktoren

Patrick Marcolli

Nicht gewählt: Christoph Buser schaffte die Wahl trotz Finanzspritze und Direktoren-Job nicht.

Der Wahlsonntag bewies: Geld allein macht noch keine Wahl, ebenso wenig die Verbandsmandate. Mittlerweile erstarken die Lobbyisten und Bewegungsvertreter, die Nähe und Social Media beherrschen. Sie füllen damit eine Lücke, kommentiert bz-Chefredaktor Patrick Marcolli.

Jean-François Rime, Hans-Ulrich Bigler. Und Christoph Buser. Drei Beispiele für klassische (Gewerbe-)Verbandsvertreter, die am Wochenende abgewählt oder nicht gewählt wurden. Dieser Trend ist, auch auf linker Seite, schweizweit zu beobachten: Die klassische Verbandskarriere, die wie von selbst zu einer parallel verlaufenden politischen Karriere führt, gibt es nicht mehr. Zumindest funktioniert der entsprechende Mechanismus nicht mehr so reibungslos wie früher.

Das hat diverse Ursachen. Man mag die sozialen Medien für überschätzt oder gar inhaltslos halten. Eines ist gewiss: Sie führen zu einer Beschleunigung in der Ökonomie der Aufmerksamkeit und nivellieren dadurch die unterschiedlichen Voraussetzungen von politischen Kandidaturen. Sprich: Eine gewerbliche Hausmacht und ein entsprechend grosses Wahlkampfbudget führen nicht mehr einfach so zum Wahlgewinn. Man muss schon etwas einfallsreich(er) sein.

Die beiden Basel schicken längst keine klassischen Gewerbedirektoren wie Hans Rudolf Gysin oder Peter Malama mehr nach Bern. Handelskammer-Präsidentin Elisabeth Schneider-Schneiter war zuerst Politikerin, dann erst Verbandsvertreterin. Es wäre aber ein Trugschluss zu glauben, dass Verbände oder einzelne Wirtschaftszweige im nationalen Parlament über keine Hausmacht mehr verfügten. Die Lücke, die Verbandsdirektoren hinterlassen, schliesst sich mit Lobbyisten wie von selbst.

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Patrick Marcolli

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