Drinnen rauchen, Bier trinken, E-Gitarren Getöse und auf den Tischen tanzen. So kann man sich etwa die wilden Partys der 80er-Jahre im «-tis» vorstellen. In Basel gibt es diese Szenen nicht mehr. Das Lokal besteht aber noch, dem Nachtvolk von heute mit dem Namen Atlantis bekannt. Und das Atlantis will jetzt wieder an diese alten Zeiten anknüpfen. Am 22. September gehts los: Offiziell nimmt das 1947 gegründete Haus wieder seine Konzertschiene auf. Nach langer Phase des Umbaus und einem Eigentümerwechsel öffnet das Lokal wieder seine Bar. Und zwar in neuem Stil.

Das Restaurant würde zwar gleich bleiben, aber die Bar im Erdgeschoss sei komplett neu. «Das Atlantis wird ganz klar wieder rustikaler, man könnte auch sagen, es soll ‹dreckiger› werden», sagt David Andreetti, Miteigentümer des Atlantis. Das klingt schon mal nach dem alten -tis. Andreetti relativiert: «Wir beziehen uns auf die Wurzeln, aber genauso wie früher wird es nicht.» Die Live-Musik sei gewissermassen ein Rückgriff auf die alte Zeit. Aber: «Man wird nicht mehr auf den alten Tabourettli sitzen oder für einen Franken seine erste Cola trinken können», sagt Andreetti. Zudem würden die Konzerte seltener stattfinden als früher. «Die Kernkompetenz bleibt aber auch künftig die Gastronomie.» Dafür wird der alte Alligator wieder einen Platz kriegen. Er heisst Hektor und lebte bis 1972 im Atlantis, dem ehemaligen Afrikahaus. Nun soll er wieder, wie nach seinem Tod, aufgespannt an die Wand kommen (siehe Bild).

Bei einem Konzert bleiben die Tische des Restaurants stehen. Im Erdgeschoss ist die Bar, wo man auch stehen kann. Ob etwa Rock und ein Abendessen zusammen gut gehen? «Am gleichen Abend funktioniert das natürlich nicht zeitgleich», sagt Andreetti. Das Konzept sehe anders aus. «Zuerst isst man, dann kommt die Musik.» Also kein Headbangen mit der Gabel im Mund oder sitzend am Tisch. Der Hauptgang könne vor dem Konzert beginnen oder die Band dürfe auch etwas später beginnen, da sei man flexibel. «Wir glauben, unsere Gäste können beide Seiten, die Gastronomie und die Kultur, miteinander verbinden», sagt er.

Das Atlantis ist für alle da

Die «pinkige» Lounge ist Geschichte. Den Club gibt es in Zukunft auch nicht mehr. Die Partys bis in die frühen Morgenstunden gehören der Vergangenheit an. Das neue Atlantis macht auf Restaurant, Bar und Live-Musik, kein «Schiggi-Miggi» mehr. Die Klientel dieses letzten Atlantis hat sich laut Andreetti sehr unterschiedlich zusammengesetzt. «Die Restaurantgäste hatten das Gefühl, rausgeworfen zu werden und das Nachtpublikum empfand das Lokal nicht als richtigen Club.» Das neue Atlantis richte sich an alle Generationen.

Andreetti scheint wenige Bedenken zu haben, dass das Projekt scheitern könnte. «Gute Restaurants und Bars gibt es in Basel viele. Kulturangebote und Institutionen wie das Atlantis gibt es aber wenige. Deshalb glaube ich nicht, dass wir mit irgendjemandem in direkte Konkurrenz treten werden», sagt er. Das Kulturangebot sei in Basel zu schwach vertreten. Im Gegensatz zum Club-Betrieb, der in Basel übersättigt sei. Zwar wird nicht mehr drinnen geraucht und ob auf den Tischen doch getanzt statt gegessen wird, bleibt noch offen. Die Eigentümer geben sich auf jeden Fall zuversichtlich.