Kunstmuseum
Der noble Eichenboden wird angemalt

Museumsdirektor Josef Helfenstein hadert mit den architektonischen Besonderheiten des Neubaus. Nun wird der Parkettboden übermalt.

Christian Mensch
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Ton in Ton: Puppe (Charles Ray) und Laufgitter (Robert Gober).

Ton in Ton: Puppe (Charles Ray) und Laufgitter (Robert Gober).

Kunstmuseum Basel

Der Erweiterungsbau des Basler Kunstmuseums spricht die Sprache des ehemaligen Direktors Bernhard Mendes Bürgi. Ein starres Raumkonzept gehört ebenso dazu wie ein stark zeichnender Eichenboden.

Dass die mit hellen Fugen abgetrennten Dielen die Kunst an den Wänden und vor allem die Skulpturen auf dem Boden konkurrenzieren, wurde bald zum Klatschthema unter den Museumsbesuchern. Nun soll das Parkett übermalt werden. Dies bestätigt Helfenstein auf Anfrage.

Die «Bodenfrage» war schon während des Bauprozesses stark umstritten. In der Making-of-Publikation zum Museumsbau ist nachzulesen, dass der Architekt Emanuel Christ einen durchgängig verlegten Steinboden vorschlug, Bürgi diesen jedoch verwarf («Kommt überhaupt nicht infrage») und einen Holzboden verlangte.

Bürgi nannte dann «genial», als die Architekten die Kombination von dunklem Holz und hellen Fugen vorschlugen. Christ erklärte: «Das Prinzip existiert seit den 1930er-Jahren. Wir haben es weiterentwickelt und eine Formulierung gefunden, die sich von den eleganten, aber letztlich austauschbaren Eichenböden unterscheiden.»

Die Behauptung der Architekten, mit der Bodenkreation eine «Einfachheit, die es in sich hat» geschaffen zu haben, hat sich ebenso wenig erfüllt wie die von Bürgi proklamierte Maxime, «dass die Architektur der Kunst den Vortritt lassen muss».

Die Bodenkorrektur war jetzt, vor der Prado-Ausstellung geplant, doch ergaben Versuche beim Parkettleger ein technisches Problem: Das Holz nimmt die Farbe anders an als die ausbetonierten Fugen. Nun soll die Überstreich-Aktion im Herbst erfolgen.

Erst längerfristig will Helfenstein erproben, mit welchem Aufwand nicht tragende Wände verschoben werden können, um ein variableres Raumkonzept zu realisieren. Dass die Kosten erheblich sein werden, ergibt sich schon daraus, dass es zu Bürgis Philosophie gehörte, einen Museumsbau mit unveränderlichen Räumen zu schaffen.

Mit der «Prado»-Ausstellung tritt aber eine andere Änderung in Kraft: Der Besucherfluss wird über den Hauptbau kanalisiert. Wer die Sonderausstellung besuchen will, muss durch den Innenhof und durch die Unterführung in den Neubau. Der direkte, oberirdische Zugang zum Erweiterungsbau wird versuchsweise verwehrt.

Das Regime bedeutet eine Rückkehr zum ursprünglichen Konzept. Dieses wurde zwischenzeitlich aufgeweicht, weil die Besucher vom Ticketschalter unter der Arkade den naheliegenden Weg über die Strasse suchten.

Mit einer neuen, sorgsam mit der Denkmalpflege abgestimmten Signalisation, wird die vorgegebene Route nun ausgeschildert. Der Grund ist einleuchtend: Ohne sanften Druck bleiben sowohl das Haupthaus wie der Museumsshop leer.

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