Lädelisterben
Der Ort der letzten Hoffnung für Basler Traditionsgeschäft

Ein Wegzug aus der Basler Innenstadt soll der bekannten Basler Foto-Galerie Pep+No Name doch noch zu mehr Erfolg verhelfen. Denn im Gundeldinger-Quartier hatte der Laden keine Chance.

Delphine Conzelmann
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Der Fotografie-Laden Pep+No Name zieht aus der Innenstadt wieder zurück ins Gundeli-Quartier an der Güterstrasse. (Archivbild)

Der Fotografie-Laden Pep+No Name zieht aus der Innenstadt wieder zurück ins Gundeli-Quartier an der Güterstrasse. (Archivbild)

Kenneth Nars

Die Basler Buchhandlungen sterben aus: Im Februar berichtete die bz, wie Online-Bestellungen und Grosskonzerne den lokalen Buchhändler zu schaffen machen. Damals war auch gerade der Fotografie-Spezialist Tobias Toggweiler auf der Suche nach einem neuen Standort für seine Foto-Buchhandlung. Er musste seine Galerie am Unteren Heuberg wegen schwindender Kundschaft verlassen. Vor drei Wochen fand das Pep+No Name schliesslich ein neues Zuhause an der Güterstrasse im Basler Gundeli-Quartier.

Im Gundeli war es auch, als Toggweiler vor 34 Jahren das Pep+No Name eröffnete. Mit seiner Devise «Zehn Kunden am Tag sind Grund genug für eine Buchhandlung» steckte er sich damals ein bescheidenes Ziel. Ein Ziel, das er an dieser Lage jedoch nicht erreichen würde, wie er bald einsehen musste. Also zog er mit seinem Laden in die «pulsierende Innenstadt». Nun kehrt der Buchhändler in das Quartier zurück, das er vor 16 Jahren verlassen hatte. Kurz vor Beginn der Sommerferien konnte er die neuen Räumlichkeiten beziehen.

Nebenkosten versechsfacht

Baustellen scheinen das Pep+No Name durch ganz Basel zu verfolgen. Am Tellplatz, direkt neben dem neuen Standort der Buchhandlung, werden zurzeit die Tramschienen saniert. Eine Baustelle war es auch, die Toggweiler aus der Innenstadt vertrieben hat: «Wegen der zweieinhalbjährigen Sanierung vom Spalen- und Heuberg blieben immer mehr Kunden weg.» Zum Kundenschwund dazu kam, dass sich die zu zahlenden Nebenkosten versechsfacht hatten. «Das ist, als ob man plötzlich zwei Mieten zahlen müsste», hat er damals gegenüber der bz gesagt. Die Finanzierung war so nicht mehr möglich.

Zwar fällt der Mietpreis am neuen Standort noch höher aus, doch wer das Geschäft an der Güterstrasse betritt, merkt sofort: Es hat abgespeckt. Dass das Pep+No Name nicht nur eine Buchhandlung, sondern auch eine Galerie sein soll, davon merkt man auf den ersten Blick kaum etwas – der Platz fehlt. Als Galerist will Toggweiler aber auch auf begrenztem Raum weitermachen und seine Buchhandlung für Kunst- und Fotografie-Ausstellungen vermieten. Gleichzeitig hofft er, dass sich sein Umsatz, der sich in den letzten Jahren mehr als halbiert hat, hier wieder erholen wird.

Hoffnung in das Gundeli als Bücher-Quartier hatten auch die Besitzer des Kulturtreffpunkts «Nasobem» gesteckt, als sie vor vier Jahren die damals «einzige Buchhandlung im Gundeli» gegründet hatten. Im Juni diesen Jahres musste das Nasobem seine Türen schliessen: Das Quartier sei für die Branche ungeeignet. Davon lässt sich Toggweiler aber nicht abschrecken: «Die Voraussetzungen für das Pep+No Name sind ganz andere.»

Neuer Standort, neues Glück?

Ein «No-Name» ist Toggweiler sicher nicht: Mit seiner Buchhandlung gehört er zu den Urgesteinen der Basler «Lädeli-Szene». Spezialisiert auf Fotografie, ist sein Geschäft besonders bei Kennern beliebt und lebt hauptsächlich von langjährigen Stammkunden. Dementsprechend persönlich ist die Stimmung hinter und vor der Ladentheke: Man kennt und schätzt sich. Doch trotz individueller Beratung und grossem Fachwissen sterben die lokalen Geschäfte, wie das Pep+No Name, allmählich aus: «Die meisten Schulen und Bibliotheken werden von Thalia oder Bider&Tanner beliefert. Das kommt billiger», erklärt sich Toggweiler die Situation der Branche.

Dazu kommt auch, dass immer mehr Private ihre Bücher, und sogar Kunst, bequem von Zuhause aus bestellen wollen, statt sie in lokalen Geschäften zu kaufen. Ein Trend, dem Toggweiler zwar mit einem kleinen Online-Shop gerecht werden will, doch auch hier ist er überzeugt: «Gegen die Grossen kommt man nicht an.» Ob sich seine Situation, dank der neuen Lage mit besserer Konkurrenzsituation doch noch ändern wird, darauf ist er gespannt: «Der Güterstrasse-Boulevard und das Gundeli haben sich in den letzten 16 Jahren spannend entwickelt. Deshalb sehe ich hier nochmals eine Chance», sagt er. Nach drei Wochen, vor allem während der Sommerferien, sei es für ein Fazit aber noch zu früh.