Bummelsonntag

Der perfekte Stau – das waren die allerletzten Fasnachtsstunden dieses Jahres

Sonntag, kurz nach 19 Uhr: Am Barfüsserplatz sammeln sich die Cliquen und Guggen, die den Steinenberg hoch in die Freie Strasse abbiegen möchten. Sie werden vom freundlichen BVB-Personal auf die linke Seite gelotst und könnten so hinauf. Könnten, denn es staut wie am Cortège und das ohne «Wäägen», die im Weg stehen und einem «Comité», welches die Route organisiert. Im Schnitt wurden beinahe fünf Minuten benötigt, um beim Seitenflügel des Stadtcasinos eine Fensterreihe weiter zu kommen.

Die Bummel-Teilnehmenden lassen sich aber den Spass nicht verderben. Es sind schliesslich die allerletzten Fasnachtsstunden dieses Jahres. Für jenen Tambour der Basler Rolli, dessen Trommel einen Fellriss erlitt, mag das leider nicht zutreffen. Für ihn ist der Bummel schon früh vorbei. Ebenfalls früh gibt es in der Schneidergasse bis zur Münzgasse stockenden Cliquenverkehr. In der Schnabelgasse war für einen Moment keine Clique anzutreffen. Doch das Stimmengewirr der pausierenden Aktiven und Zuschauer legt einen stetigen Geräuschteppich über die Strassenschluchten.

Dort steht auch Roger Borgeaud, der Präsident der IG Waage. Ein «Wäägeler» am Bummel? «Wir hatten eine Sujet-Partnerschaft mit der Wettstai», erklärt Borgeaud und so sei klar gewesen, dass nach der gemeinsamen Fasnacht auch beim Bummel zusammengespannt werde. Er habe keine Wehmut, dass die Fasnacht vorbei sei: «Ich freue mich auf die nächste», lacht er und muss «ystoh». In der Freien Strasse spielten die «Nachtfalter». Die Prattler Gugge hat im vergangenen Jahr einen grossen Auftritt am Christmas Tattoo hingelegt und erfreut mit ihren Rhythmen nun auch das Bummel-Publikum.

Das letzte Mal flanieren

Durchatmen und ihre Aufgabe etwas lockerer angehen können die vielen Vorträbler, die mit stolz geschwellter Brust nun einfach ihre «Nachhut» präsentieren dürfen. «Ah, so gsehn die uss!», ruft ein kleines Mädchen seiner Mutter zu. Sie errötet und antwortet mit einem knappen «Jo». Irgendwann muss man seinem Nachwuchs auch erklären, wer da unter den vielen Larven steckt. Das Mädchen staunt jedenfalls über die verschiedensten Frauen und Männer, die zu Trommel, Piccolo oder Trompete greifen. Das letzte Mal «sehen und gesehen werden», flanieren durch Basels Strassen und Gassen sowie nochmals das Letzte aus Trommel oder Piccolo holen.

Ob Verwaltungsratspräsident eines grossen Konzerns, ehemaliger Comité-Obmaa, Blagetten- oder Ladäärne-Künstler: Alle verschwinden in den Reihen ihrer Clique und geniessen nochmals das, was die Fasnacht ausmacht. Das Spiel auf den Instrumenten. Das betreiben auch die «Rätsch-Beeri» im schmalen Durchgang von der Gerbergasse zum Barfüsserplatz. Während sich die einen über die kleine Clique nervten, die quer durchzwängen, echauffieren sich andere über die schlechte Platzwahl der Gugge. Etwas mehr Gelassenheit bleibt für die nächste Fasnacht zu wünschen. Die «Rätsch-Beeri» spielen zudem «Heimweh» von «Plüsch». Wenige Stunden später setzt für viele Monate ein anderes «Weh» ein, nämlich die Sehnsucht nach der nächsten Fasnacht.

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