Das kommt selten vor. Die halbjährige Weimaraner-Hündin Bel und ihr Besitzer Vincent Pezet sind an diesem Morgen praktisch allein im «Hunde-Pärkli» am St. Galler-Ring im Gotthelfquartier. Pezet könnte jetzt unbeobachtet tun, was manche Hündeler immer machen, als wäre es das Normalste auf der Welt und anständig dazu: Den Hundekot einfach liegen lassen und im besten Fall hoffen, dass keine Passanten ausrutschen und sich kein anderer Hund eine Krankheit holt. Doch einer wie Pezet tut das nie. Er hebt das Geschäft seiner Bel auf, egal, wo sie es verrichtet.

Mit Flugblättern gegen Kotsünder

Doch er weiss: «Es gibt ein paar wenige Hundebesitzer, die das nicht tun.» Das nervt ihn, sagt er. Weil eine Minderheit dem Ruf aller Hündeler schade, weil es dreckig sei und unanständig. «Ich zog vor fünf Jahren von Berlin nach Basel und ich merke nun, dass die viel beschworene Schweizer Sauberkeit manchmal nur oberflächlich ist.» Gern würde er die Rasenstellen, auf denen Hundekot liegt, mit einem Schweizer Fähnlein markieren, sagt er – eher im Witz. Ernst meint er hingegen seinen Plan: «Ich werde die Hundebesitzer irgendwann mit Flugblättern bitten, den Kot aufzuheben.»

Yvonne Aellen von der Stadtgärtnerei hält das für eine gute Idee: «Es ist am besten, wenn sich Hundebesitzer gegenseitig auf solche Missstände aufmerksam machen.» Das tat Vincent Pezet schon oft, die Antwort einer Frau lautete: «Aber wenn kein Mülleimer in der Nähe steht.» Diese Ausrede lässt Pezet an einem Ort wie dem «Hunde-Pärkli» nicht gelten. «Hier gibt es etliche Eimer und Säckchen, um den Kot aufzuheben.» Und geht es nach Guido Vogel, Cheftierarzt Hundefachstelle des Veterinäramtes, nutzen die Hündeler das Angebot auch: «Es wird in letzter Zeit weniger reklamiert wegen Hundekot, doch ein einziger renitenter Hundebesitzer kann das Bild trüben.»

Spielplätze in ganzer Stadt geplant

Abgesehen vom Kot-Problem gibt es am «Hunde-Pärkli» nichts auszusetzen. Auch Bel hat nichts zu bellen, kaum zeigt sich die Sonne, kommen sie dann auch, die anderen Hunde und ihre Frauchen und Herrchen. Es wird geschnuppert, geschwänzelt, gehechelt – und geschwatzt. Für den raschen Spaziergang zwischendurch sei der Ort ideal, sind sich die Hündeler einig. Wenn es ausgiebiger sein soll, ist der Allschwiler Wald nah.

Was im Westen der Stadt fehlt, ist ein offizieller Hundespielplatz, wie es ihn erst beim Horburgpark im Kleinbasel gibt. In der Nähe befinden sich seit vergangenem Sommer auch Hundebadestellen am Rhein. Beides kommt sehr gut an. Doch auf der anderen Seite des Rheins – nichts.

Das soll sich ändern, sagt Guido Vogel. «Wir sind dabei, geeignete Orte auszuloten. Ziel ist es, mehrere Hundespielplätze über das Stadtgebiet verteilt eröffnen zu können.» Bis es aber so weit ist, müssen sich Hündeler an die Signalisationen halten.

Eine solche teilt einem per Bild und Text im hinteren Teil des St. Galler-Rings unmissverständlich mit: Ab hier müssen Hunde an die Leine! Die Hündin Bel weiss bereits, an welcher Stelle fertig ist mit dem wilden Spiel und das Herrchen die Leine anlegt. «Ich verstehe, dass Hunde bei einem Schulhaus an die Leine genommen werden müssen», sagt Vincent Pezet.

Streicheln wolle man seine Bel trotzdem. Und nicht nur sie. Eine Dame mit einem winzigen Hund kommt kaum voran, weil alle dessen Fell kraulen wollen. Die Hingabe zu kleinen Hunden schlägt sich auch in der Statistik nieder: «Der Trend geht in Richtung Kleinhunde, die Zahl der grossen Hunde ist rückläufig», sagt Guido Vogel. Aber wie heisst es doch so schön: Kleinvieh macht auch Mist.