Verkehrssicherheit

Der Polizist, mein Freund und Held: Schüler und Polizei führen gemeinsam Kontrollen durch

Polizeiaktion: Schüler klären die Autofahrer auf.

Polizeiaktion: Schüler klären die Autofahrer auf.

«Kids&Cops» plädieren für korrektes Verhalten am Zebrastreifen. In diesem Zusammenhang kontrollieren die Primarschüler gemeinsam mit den Polizisten die Verkehrsteilnehmer.

Wild gestikulierend nähert sich ein Autofahrer dem Zebrastreifen. Zwei Kindergärtner schütteln den Kopf und rufen: «Halt a, du Pfiffe». Erst als die Räder des VWs stehen, überqueren die beiden die Strasse. In der Szene aus dem neuen Präventionsclip, der die Basler Kantonspolizei gestern veröffentlichte, findet Dani von Wattewyls vierjähriger Sohn deutliche Worte.

Etwas verhaltener, aber mit viel Nachdruck erinnerten zwölf Primarschüler bei der Aktion «Kids&Cops» in Zusammenarbeit mit dem Kinderbüro Basel an das korrekte Verhalten am Fussgängerstreifen. Gemeinsam mit einem 20-köpfigen Polizeikorps führten sie an 58 Fahrzeugen Kontrollen durch – sieben Lenker mussten wegen Fehlverhaltens ermahnt werden.

Der Polizist, mein Held

Einer der Fünftklässler hält sich nervös an seinen Notizen fest. «Anhalten am Zebrastreifen», «Freundlich sein, bitte» und «nicht zu schnell fahren», steht da in seiner Handschrift. In wenigen Augenblicken möchte er dies einem Autofahrer vortragen. «Brauchen wir den danach noch?», fragt er den Teamchef und Schulpolizisten Hauser. Dieser schmunzelt. «Die Kinder sind so aufgeregt wie ich», scherzt er.

Für die Schützlinge des routinierten Schulpolizisten sei die Aktion eine Möglichkeit, sich an einem Basler Verkehrs-Hotspot einzubringen. Und die Polizei könne mit den Kindern auf Augenhöhe arbeiten. Man merke immer wieder, dass die Polizei als Machtinstrument von den Eltern missbraucht werde. «Diese Kinder haben erstmals grosse Berührungsängste», betont Alain Schönmann.

Dabei geniessen die Schulpolizisten unter den Kindern beinahe Heldenstatus, sagt Schönmann. Er betont, dass vielen Verkehrsteilnehmern – besonders auch Velofahrern nicht bewusst sei, was es in den Kindern auslöse, wenn am Zebrastreifen nicht angehalten werde. «Der Zebrastreifen symbolisiert Sicherheit», erklärt Schönmann.

Auf Augenhöhe mit der Polizei arbeiten

«Danke, dass Sie für uns am Fussgängerstreifen anhalten», sagt eine Fünftklässlerin. Der Aargauer ist einer der ersten, der gestern morgen an der Hammerstrasse in eine Verkehrskontrolle der etwas anderen Art gerät. Für einmal stehen nicht Verkehrspolizisten vor ihm, sondern zwei Primarschüler. «Ihre ernsten Blicke gehen unter die Haut», sagt der Lenker nach der Kontrolle gegenüber der bz.

«Wir sind hier am Puls», sagt Verkehrspolizist Meister, der den Lenker beiläufig wegen des Natels im Gesichtsfeld ermahnt. «Wir wollen vor den Kindern nicht mit dem Zeigefinger auftreten», betont er. Sondern auf Augenhöhe den Dialog suchen, sagt Meister. Auch Baschi Dürr ist von der niederschwelligen Aktion überzeugt: «Hier wird wertvolle Präventionsarbeit geleistet.»

«Die Mehrheit macht es gut», sagt die 10-jährige Iduna, lächelt und verteilt ein Gipfeli an einen BLT- Busfahrer. «Geben Sie auf uns acht», bittet sie ihn.

«Heute Morgen sind Polizisten und Kinder ein Team», sagt Projektleiterin Marina Peter, die die Aktion halbjährlich mit einem neuen Brennpunkt plane und betont: «Der Schulweg soll nachhaltig sicherer werden.»

«Die Kinder haben ein Anliegen»

Ein Script gebe es für die Schüler keines, sagt sie, «alles hat Platz». Soeben fährt ein Fahrzeug mit BL-Kennzeichen ein. Eines der wenigen, dessen Fahrzeughalter sich an diesem Morgen am Fussgängerstreifen regelwidrig verhalten hat. Zwei Schüler stürmen los.

«Die Kinder haben ein Anliegen», sagt Verkehrspolizistin Mirjam Wendelspiess und übergibt ihrem jüngsten Teammitglied das Wort. Die Zweitklässlerin räuspert sich kurz, blickt etwas verlegen auf ihre Regenstiefel und bittet die Lenkerin dann mit deutlicher Stimme darum, vor dem Fussgängerstreifen ganz anzuhalten.

«Die Kinder können Entfernungen und Geschwindigkeiten nur schwer abschätzen», klärt Wendelspiess die verdutzte Autofahrerin auf. «Das wusste ich nicht», sagt diese und bedankt sich verlegen. «Das hat sich gelohnt», betont sie und fährt – deutlich behutsamer – weiter.

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