Unsere kleine Stadt
Der Preis ist heiss

Die Preise für Kulturveranstaltungen in der Schweiz und im nahen Ausland unterscheiden sich stark. Um Schweizer Events für die grenznahe ausländische Bevölkerung attraktiver zu machen, schlägt Kolumnist Daniel Wiener einen Basler Kulturpass vor.

Daniel Wiener
Daniel Wiener
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Etwas vom schönsten an Stimmen sind die lauen Sommerabende auf dem Lörracher Marktplatz.

Etwas vom schönsten an Stimmen sind die lauen Sommerabende auf dem Lörracher Marktplatz.

Juri Junkov

Vor zehn Tagen in Lörrach, Marktplatz, Stimmen-Festival. Sonnabendliches Tripelkonzert mit Max Mutzke, Y’akoto und Mockemalör, dem angesagten Trio aus Berlin mit seiner formidablen Frontfrau Magdalena Ganter. Sonnenschein, lockere Atmosphäre, günstiges Essen und Trinken von umliegenden Ständen und Beizen. Regulärer Eintritt: 29 Euro.

Am gleichen Abend im KKL Luzern: Hier tritt im Rahmen des Blue Balls Festivals die isländische Sängerin Sóley auf, alleine. Die Stehplätze kosteten 76.90, Sitzplätze bis 111 Franken. Zugegeben, es gab kein Risiko, verregnet zu werden. Und Sóley-Fans werden meinen Vergleich nicht mögen, falls sie nicht zufällig auch Max-Mutzke-Fans sind. Aber die Preise sind halt so in der Schweiz.

Im Unterschied zu anderen Regionen haben wir aber als Baslerinnen und Basler im nahen Ausland Zugang zu einem hoch stehenden und zugleich konkurrenzlos günstigen Kulturangebot. Erstaunlich ist, dass dies viel weniger wahrgenommen wird als die tiefen Fleisch- und Butterpreise ennet der Grenze.

Dabei sind die Auswirkungen dieses Preis-Wunders weit dramatischer als bei den Lebensmitteln. In der Kultur schenken die Differenzen nämlich auf ganz andere Art ein: Faktisch bauen sie eine fast unüberwindliche Mauer auf zwischen Basler Kulturveranstaltern und jenem Teil ihres potenziellen Publikums, das mit dem Lohnniveau von Deutschland oder Frankreich auskommen muss.

Der Eintritt in die Fondation Beyeler kostet 25 Franken. Ein mittleres Opernticket kommt in der Schweiz auf 100 bis 200 Franken zu stehen. Für ein Billett beim bevorstehenden Theater Festival Basel blättert man – ohne Ermässigung – 35 bis 45 Franken hin. Diese Preise sind sicher alle berechtigt und sogar subventioniert, aber für Menschen, die im nahen Ausland verdienen, beinahe unerschwinglich.

Im Gegensatz zu Esswaren oder Kleidern sind grosse Teile der Kultur wie Museen, Theater, Ballett oder Live-Konzerte nicht austauschbar. Das Basler Kulturangebot leidet aber darunter, dass Veranstalter trotz einem Einzugsgebiet von über zwei Millionen Menschen manchmal um die Auslastung ringen. Ein Grund dafür sind die Kosten, die für einen Drittel des möglichen Publikums schlicht prohibitiv hoch liegen.

Deshalb schlage ich folgenden Deal vor: Aus der Schweiz heraus erleben wir schon heute zu unschlagbaren Preisen tolle Konzerte in Lörrach oder die Museen des Elsass. Im Gegenzug sollten wir – auch um der finanziellen Aussperrung eines Teils des Publikums entgegenzuwirken – einen Basler Kulturpass schaffen für den vergünstigten Eintritt der grenznahen ausländischen Bevölkerung. Dies würde nicht nur die Theatersäle und Konzerte füllen, sondern auch den Austausch fördern – und vielleicht die Bereitschaft, in anderen Bereichen ebenso schlaue Lösungen zu suchen. Zum Beispiel für ein grenzüberschreitendes, gemeinsames Regio-Abo des öffentlichen Verkehrs. Damit würde eine weitere Hürde fallen, um hüben wie drüben völkerverbindend zu feiern und zu geniessen.