Es war der grösste Aufreger im letzten Jahr: Die Aktionäre vermissten damals ein Essen nach der Generalversammlung. Oder wenigstens einen Apéro. Wunsch erfüllt: Gestern schenkte die Novartis allen Anwesenden ein Lunchpaket mit Sandwiches, Wasser und Rivella. «Ich habe so etwas seit Jahren vermisst. Heute haben wir einen Proviantsack, wir sind nicht mehr hungrig und durstig», sagte Aktionär Edgar Struchen. Auch über den «wunderschönen» Novartis-Kalender freue er sich jedes Jahr: «Der ist dem früheren Swissair-Kalender ebenbürtig.»

Die kleinen Goodies freuen die Aktionäre: Eine 15 Rappen höhere Dividende, ein Gratis-Kaffee vor der Versammlung. Und das Extra-Tram, das die Aktionäre mit nur einem Zwischenhalt direkt vom Joggeli zurück zum Bahnhof brachte. Ein Tram voller Fahrgäste mit weissen Lunchsäcken.

Bei den grösseren Goodies, den Vergütungen für die Chefetage, werden die Voten ernster. Erstmals legten die Aktionäre gestern verbindlich fest, wie viel Geld Verwaltungsrat (7,745 Millionen Franken) und Geschäftsleitung (84 Millionen) höchstens erhalten. Dafür war zuerst eine Statutenänderung nötig, wegen der bundesrätlichen Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei kotierten Aktiengesellschaften, die seit 1. Januar 2014 vorläufig die Abzocker-Initiative umsetzt. An diesen Statuten stören sich einige. Ein Aktionär forderte, dass die variablen Vergütungen, besser bekannt als leistungsbezogene Boni, maximal 300 Prozent des festen Lohns betragen dürfen.

Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt entgegnete: «Nur auf fixe Vergütungen und den multiplikativen Faktor für die variable Vergütung zu schauen, reicht nicht.» Das würde nur dazu führen, dass die fixen Löhne steigen. «Wir wollen, dass die Löhne bei uns leistungsbezogen sind. Wir glauben dass das ein besserer Ansporn für eine gute Leistung ist, als ein höheres Basissalär.» Nun verdient die Geschäftsleitung 2016 mindestens 15 Millionen Franken und maximal 84 Millionen. 2014 verdiente die Geschäftsleitung 65 Prozent des Maximalbetrags, 100 Prozent erreichte sie noch nie.

Dominique Biedermann, Direktor der Ethos-Stiftung, bemängelte, dass die Aktionäre den Maximalbetrag der Vergütungen im Voraus bestimmen müssen. Biedermann: «Das ist gegen den Willen des Bundesrats.» Dieser will solche sogenannt prospektiven Abstimmungen über Vergütungen verbieten, wie er im Vorentwurf zur Änderung des Obligationenrechts schrieb. Biedermann holte sich zwar Applaus, aber kaum Stimmen: Die Statutenänderung kam mit 94,5 Prozent der Stimmen durch, die Vergütung des Verwaltungsrats mit 97,8, jene der Geschäftsleitung mit 93,7 Prozent. Und der Vergütungsbericht 2014 erreichte 90,9 Prozent Ja-Stimmen. Grundsätzlich waren die Abstimmungsergebnisse an der Novartis-GV viel klarer als in den Vorjahren: Die Zustimmungsraten bewegten sich zwischen 90,9 und 99,9 Prozent, 2014 lagen die Zustimmungsraten teilweise noch unter 80 Prozent. Auch die Zahl anwesender Aktionäre hat abgenommen: von 2123 im Vorjahr auf 1703.

Von 99,8 Prozent als VR gewählt

Besonders freuen durfte sich die Amerikanerin Nancy Andrews: Das Aktionariat wählte sie mit 99,8 Prozent Ja-Stimmen als neue Verwaltungsrätin und Nachfolgerin von Ulrich Lehner. Damit überflügelte sie alle bisherigen Verwaltungsräte.

99,9 Prozent Ja-Stimmen gab es für die Ausschüttung der Dividenden in der Höhe von rund 6,673 Milliarden Franken. Die Aktionären stimmten auch der Kapitalherabsetzung zu: Novartis vernichtet 29,2 Millionen Aktien, die das Unternehmen bis 2014 zurückkaufte. Das Aktienkapital reduziert sich so um 14,6 Millionen auf rund 1,34 Milliarden Franken.