Stadtgärtnerei

Der Regen lässt Basler Bäume leiden

Sind wohl bald nicht mehr da: drei Bäume am Rand der Dreirosenanlage. T. Müller

Sind wohl bald nicht mehr da: drei Bäume am Rand der Dreirosenanlage. T. Müller

Die Stadtgärtnerei Basel setzt sich für einen vitalen Baumbestand in der Stadt ein. Vor allem das Wetter ist dabei eine grosse Herausforderung.

Vor rund einem Jahr kam es zu einer Art Volksaufstand in Basel – wegen einem Baum. Die Rosskastanie «Rosie» beim Wiesenplatz sollte gefällt werden, um einem Boule-Spielfeld Platz zu machen. Vielen Naturschützern war dies ein Dorn im Auge. Die Petition «Lasst Rosie doch einfach leben» wurde von 1200 Baslern unterschrieben. Mit Erfolg: Der Baum durfte stehen bleiben.

Es ist eine der wenigen Geschichten, bei denen die Stadtgärtnerei auf Widerstand gestossen ist. Sie ist es, die in der Stadt Basel für einen gesunden Baumbestand sorgt. Jeder Baum wird zweimal im Jahr untersucht – 26'000 hat es in Basel davon. Dabei sind alle Arten von Schädlingen sowie Pilzkrankheiten und Streusalzeinwirkung Gefahr für die Pflanzen. Aber auch das Wetter spielt eine wichtige Rolle. Gerade in den vergangenen Wochen litten die Bäume, als es aussergewöhnlich viele Regentage für einen Sommerstart gab: «Es ist natürlich nicht der Regen an sich, der den Bäumen schadet. Es ist die feuchte Luft, die den Pilzbefall in den Bäumen fördert und diesen somit schadet», erklärt Simon Leuenberger von der Stadtgärtnerei.

Aufgrund der extremen Wetterverhältnisse werden frisch gesetzte Basler Bäume auch mit einer Art Sonnecrème in Form eines natürlichen Farbstoffes oder einer Schilfmatte geschützt. Bei bereits massiven Bäumen setzt die Stadtgärtnerei oft auch Seile ein, um die Baumkrone zu unterstützen, damit diese stabil bleibt. «Wir wollen mit der Pflege der Bäume dafür sorgen, dass es keine Gefahr für Passanten gibt, zum Beispiel durch herunterfallende Äste», sagt Leuenberger .

Für eine Baumgruppe bei der Dreirosenanlage kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Die rund 60 Jahre alte Baumgruppe, gleich bei der Strasse anliegend, soll Neupflanzungen Platz machen. Stünden die drei Objekte auf einer freien Wiese, könnte man sie ohne Angst stehen lassen, trotz des fortgeschrittenen Pilzbefalls des Holzes. Da das Gebiet rund um die Bäume aber hoch frequentiert sei, sieht sich die Stadtgärtnerei zu diesem Schritt gezwungen.

Fällliste ist öffentlich einsehbar

Die definitive Fällung ist aber noch lange nicht definitiv. Der Kanton führt eine Fällliste, die alle Objekte führt, welche in dem aktuellen Jahr gefällt werden sollen. Rund 200 Objekte finden sich pro Jahr auf dieser Liste wieder. Diese Fällliste ist öffentlich und jeder kann dagegen vorgehen. Dies komme aber selten vor, nur gerade ein bis zwei Einsprachen gebe es jedes Jahr. «Wir konnten in der Vergangenheit Vertrauen schaffen, dass das, was wir tun, auch seine Gründe hat», sagt Leuenberger und fährt fort: «Auch die Leute, die Einsprache erheben, haben meistens Verständnis, wenn wir ihnen zeigen, warum ein Baum gefällt wird. Unser Verhältnis zur Basler Bevölkerung ist positiv.» Den «Fall Rosie» hat man bei der Stadtgärtnerei offenbar verdrängt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1