Zwei Maste, ein Regenbogen am Bug und eine Ausstellung im Schiffsbauch: Die «Beluga II» hat an der Basler Schifflänge angelegt. Acht Wochen lang tourt Greenpeace mit ihrem Segelschiff auf dem Rhein und der Mosel. Dabei informieren Crew und Aktivisten mit einer Ausstellung zu «überalternden Atomanlagen» in Europa und protestieren gegen die europäische Energiepolitik.

«Unsere Fracht ist die Kampagne», sagt die erste Offizierin Birte Lohmann. Unter dem Slogan «Stop Risking Europe» steuert sie mit ihrer Crew 14 Städte in vier Ländern an. «Es gab noch nie so viele alte AKW wie heute. Das betrifft nicht nur einzelne Länder. Wir müssen in dieser Thematik europäisch denken», sagt Susanne Neubronner von Greenpeace Deutschland.

Auftakt der Tour war der Protest am vergangenen Samstag vor Frankreichs Atomkraftwerk Fessenheim. Am Sonntag überquerte die «Beluga II» zum ersten Mal die Schweizer Grenze.

Die Segel sind bei der Flussfahrt nicht an Bord. Der Lautsprecher auf dem hinteren Mast der «Beluga II» bleibt still in Basel. Doch das gelb-schwarze Banner zwischen den Masten überbringt die Botschaft unmissverständlich – auch für die Bargäste des Hotels Les Trois Rois. Vor dessen Terrasse fliesst der beschauliche Rhein, in dieser Woche flattert zudem der Aufruf zur Energiewende. «Grundsätzlich haben wir nichts gegen die <Beluga II>. Einzig das Transparent stört uns wegen seiner Höhe», sagt Caroline Jenny. Die Pressesprecherin des Hotels Les Trois Rois reagierte am Montag mit Humor: «Zum Glück regnet es.»

Hohe See, Wattenmeer und Fluss

Neben dem Funkgerät und Radar hängt in der Brücke des Schiffs das Porträt von Ilse Vormann. Die «Beluga II» verdankt ihre Existenz dieser Düsseldorferin. Weil Ilse Vormann Greenpeace einen Teil ihres Vermögens vermachte, konnte die Organisation erstmals ein Schiff selbst entwerfen und bauen lassen. Die drei weiteren Schiffe der Greenpeace-Flotte sind umgebaute Hochseeschlepper oder Fischerboote.

«Dieses Schiff kommt fast überall hin», sagt Birte Lohmann. Dank des geringen Tiefgangs ist die «Beluga II» auch im Wattenmeer einsetzbar. Mit gelegten Masten passiert es auch Flussbrücken. Zwei Stunden benötigte die Schiffscrew, um in Basel die Masten des 33 Meter langen Motorseglers wieder aufzurichten.

Steine und Labor im Schiffsbauch

Das Schiff dient Greenpeace nicht nur als schwimmende Protest- oder Promotionsplattform. In ihrem Bauch lässt sich ein grosser Container verstauen. In diesem Stauraum transportierte Greenpeace bereits Hunderte von Natursteinen, die Aktivisten gegen die Schleppfischerei in der Nord- und Ostsee versenkten.

Die spektakulärste Fahrt der «Beluga II» ist für die erste Offizierin Birte Lohmann die Reise durch Russland. In Kiel stach die Schiffscrew in See und segelte nach St. Petersburg. Mit einem Labor im Schiffsbauch und Wissenschaftern an Bord schipperte die «Beluga II» als Expeditionsschiff durch russische Flüsse. Die Crew entnahm Wasserproben und protestierten am Ende der Fahrt direkt vor dem Kreml. «Damals fuhren wir ohne Angst. Heute würde ich mir das nochmals überlegen», sagt Lohmann.

Die «Beluga II» und die Ausstellung zu alten AKW kann bis zum Sonntag, dem 4. Mai, an der Schifflände besichtigt werden.