Gebiete mit knapp 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung werden über den Rhein in Basel entwässert, wie Matthias Nabholz, Leiter des baselstädtischen Amtes für Umweltschutz und Energie (AUE), am Montag an einer Medienkonferenz sagte. Die entsprechende Fläche macht 68 Prozent der Schweizer Landesfläche aus.

Folge von «Schweizerhalle»

Unterhalb Basels werden derweil rund 20 Millionen Menschen direkt oder indirekt mit aufbereitetem Trinkwasser aus dem Rhein versorgt. Gross ist laut den Behörden daher die Verantwortung der Schweiz als Oberlieger. Noch bis in die 1980er-Jahre war der Rhein jedoch stark verschmutzt; Verbesserungen kamen nur langsam voran.

Ein Umdenken brachte dann aber «Schweizerhalle»: In der Brandnacht des 1. November 1986 in einem Sandoz-Gebäude in Schweizerhalle BL gelangten mit dem Löschwasser Chemikalien in den Rhein. Folge war ein grosses Fischsterben, und auch an Mittel- und Niederrhein konnte Rheinwasser nicht mehr zur Trinkwasserversorgung verwendet werden.

In der Folge beschlossen die Rheinanliegerstaaten für den Fluss ein Aktionsprogramm. Unterhalb von Basel, im Hafengebiet der Nachbarstadt Weil am Rhein (D), wurde 1993 zudem die Internationale Rheinüberwachungsstation eröffnet. Finanziert wird diese von der Schweiz und Baden-Württemberg, betrieben wird sie vom AUE Basel-Stadt.

Mikroverunreinigungen im Blick

Ihr Zweck ist die rasche Erfassung von Schadstoffeinleitungen wie auch die langfristige Überwachung der Wasserqualität. Die Station ist die oberste von sieben entlang des Rheins bis in die Niederlande und heute laut Verantwortlichen die modernste. Sie alarmiert die anderen, wenn bestimmte Werte überschritten werden. Ihre Aufgabe ist aber auch die Ursachenermittlung.

Das Rheinwasser wird auf Höhe der Messstation über fünf Leitungen aus dem dort 72 Meter breiten Fluss entnommen gepumpt. Neu ausgerichtet wurde in den letzten Jahren die Analytik: Mit einem vom Wasserforschungsinstitut Eawag in Dübendorf ZH entwickelten Konzept werden die Wasserproben auf über verschiedene 300 Mikroverunreinigungen getestet.

Trotz kleiner Konzentrationen summierten sich die Mengen, rechnet das Institut vor: So passieren beispielsweise über 42 Tonnen des Lebensmittelsüssstoffs Acesulfam oder rund 13 Tonnen des Anti-Diabetes-Wirkstoffs Metformin pro Jahr die Station. Gefunden werden aber auch etwa Pestizide aus der Landwirtschaft oder - trotz wesentlicher Verbesserungen - Chemikalien aus der Industrie.