Ab heute gilt im Kleinbasel ein neues Verkehrsregime, das den motorisierten Verkehr stark einschränkt. Anwohner und Restaurants sehen das als Chance, dass die Rheingasse neu belebt wird. Gestern Abend nutzten Event-Aktivist Tino Krattiger («Im Fluss») und einige Beizer «uff dr Gass» die Gunst der Stunde und organisierten eine kleine spontane Aktion mit einem uralten Citroën H, der die Strasse im Schritttempo durchmass. «Mit diesem Gefährt geben wir einer Ära unserer historischen Strasse das letzte Geleit», sagte Krattiger. Dies zu den würdigen Klängen von vier Musikern auf dem Auto und vom Basler Sicherheitsorchester, das Nino Rotas «La Strada» und «Muss i denn zum Städele hinaus» gab. Die Restaurants in der Rheingasse schenkten «Glühbier» aus und servierten Linsensuppe. Zirkus Maus und Gili Keren bezauberten mit ihren Kunststücken die zahlreichen Zuschauer derart, dass es zum Verkehrsstau kam – zum letzten Mal.

Die Rheingasse soll neu belebt werden

Die Rheingasse soll neu belebt werden

Spontan-Aktionen sollen die Rheingasse neu beleben

Spontan-Aktionen sollen die Rheingasse neu beleben

«Wir haben bereits eine IG Rhygass gegründet und eine kleine Homepage», sagte Krafft-Hotelier Franz-Xaver Leonhardt. «Man darf die Rheingasse jetzt nicht sich selbst überlassen, wir werden ihr neues Leben einhauchen.» Vorgesehen ist, dass die Beizen gemeinsam Gesuche für Boulevard-Cafés einreichen. Die Stiftung Habitat, welche ebenfalls an der Rheingasse domiziliert ist, öffnet tagsüber den Durchgang zur Utengasse. «Wir hatten diverse Sitzungen mit Anwohnern», sagt Michele Parisi vom «Schmalen Wurf». Es herrscht unter den Ladenbesitzern zum Teil die Befürchtung, dass mit der Sperrung keine Kundschaft mehr käme, sagt er. Er glaube das nicht. «Ich bin Italiener. Sogar in Italien haben sie das in vielen Städten geschafft: verkehrsfreie Innerstadt, viel Volk auf der Strasse, viele Läden. Wir haben ein paar Ideen im Köcher, und es werden sicher noch weitere kommen.»