Der Roche-Turm sorgte am frühen Freitagnachmittag für einen unerfreulichen Eisregen. Unerwartet fielen kleine Eisstücke von der Fassade des höchsten Gebäudes der Schweiz ab und landeten auf der darunter verlaufenden Grenzacherstrasse. Polizei, die Betriebsfeuerwehr der Roche sowie die Berufsfeuerwehr eilten zum Ort des Geschehens. Aus Sicherheitsgründen musste die Strasse stadtauswärts für Verkehr und Fussgänger gesperrt werden, wie die Basler Polizei mitteilte. Die Buslinien 31 und 38 der Basler Verkehrsbetriebe wurden umgeleitet.

Bei den herunterfallenden Eisteilen handelte es sich um Eispartikel, «die ungefähr die Grösse eines Fingernagels haben», so Karsten Kleine, Mediensprecher von Roche. Das Eis hatte sich durch kondensiertes Wasser an der Fassade des 178 Meter hohen Turms gebildet. «Grund für das Eis ist die aussergewöhnlich lange Kälteperiode», sagt Kleine weiter.

Noch keine Lösung in Sicht

In der Geschichte des noch jungen Gebäudes ist dies das erste Vorkommnis dieser Art. Das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron erfährt durch die bz vom eisigen Niederschlag. «Dass sich Eis an Gebäuden bilden kann, ist in der Planungsphase immer ein Thema. Man ist sich dessen besonders bei Gebäuden mit Glasfassaden bewusst», sagen Herzog & de Meuron. Brisant: Dem Pharmakonzern lagen 2008 zwei Vorschläge für die Erweiterung des Campus vor. Roche entschied sich damals gegen den futuristisch anmutenden «Doppelhelix»-Turm. Grund dafür war unter anderem die Angst vor Eiszapfen, die sich an der überragenden Fassade hätten bilden können und die die Fussgänger auf den darunterliegenden Trottoirs in Gefahr gebracht hätten. Der treppenstufenähnliche Turm war für Roche die sicherere Wahl.

Messeturm kennt Problem nicht

«Beim Roche-Turm haben wir alles gemacht, damit sich kein Eis bilden kann. Durch die extreme und lange Kälteperiode ist es nun aber trotzdem geschehen», sagen die Stararchitekten. Roche und Herzog & de Meuron würden nun unter Hochdruck zusammen daran arbeiten, herauszufinden, wie die Situation für kommende Kältezeiten verbessert werden kann.

Vergleichbare Fälle in der Region Basel sind bei der Gebäudeversicherung des Kantons Basel-Stadt (GVBS) nicht bekannt: «In Basel ist das sehr selten», sagt Peter Blumer, Direktor des GVBS. Auch beim Messeturm, dem zweithöchsten Gebäude von Basel, ist eine derartige Problematik nicht bekannt: «Wir können aktuell an der Fassade des Messeturms keine Eisbildung feststellen», sagt Remo Fumagalli, Leiter der Basler Wincasa-Filiale Basel, die den Messeturm verwaltet. Auch in der Vergangenheit sei dies nicht vorgekommen.

Wie lange die einseitige Sperrung der Grenzacherstrasse bestehen bleibe, konnte Kleine am Freitag nicht vorhersagen. Bereits im Laufe des Nachmittags wurden jedoch kurzfristig Massnahmen ergriffen: «Um die Strasse wieder freigeben zu können, haben wir mit Planen bespannte Bauzäune entlang der Strasse aufgestellt.» Diese würden verhindern, dass die Eispartikel auf die Strasse gelangen.