Es ist eine beispiellose Karriere, die Christoph Stutz vorweisen kann. Eine aber auch mit einem Knick, der alles änderte und Christoph Stutz zu dem machte, was er heute ist: zum Schattenmann, zum «Baudirektor» der Privatwirtschaft.

Christoph Stutz ist 1949 in Basel geboren. Hier schliesst er sein Studium in Jus ab und lernt, wie man recht hat. Während seiner Studienzeit jobbt er als Drämmler. Danach steigt er zum Vizedirektor der Basler Verkehrsbetriebe auf. Im selben Jahr veröffentlicht er seine Dissertation. Da ist er 24 Jahre alt.

Er steht dem U-Abo Pate und konstruiert den Tarifverbund Nordwestschweiz mit. Nebenher verantwortete er als Präsident der Basler Freizeitaktion den Colourkey-Pass. Einige Jahre später – Stutz ist jetzt immerhin 40 – übernimmt er das Claraspital als Verwaltungsdirektor.

Gleichzeitig greift er in die Politik ein und wird auf Anhieb Grossrat für die CVP-Fraktion. Nur ein Jahr hält es ihn hier. Um nur eine Stimme schlägt er in der internen Ausmarchung Felix Rudolf von Rohr und wird als Regierungsrat nominiert. Er gewinnt die Wahl und ist ab 1992 Baudirektor.

Abwahl nach nur vier Jahren

In der Verwaltung kann niemand Schritt halten mit dem Tempo und dem fordernden Führungsstil von Oberstleutnant Stutz. Mitarbeiter bezeichnen ihn als «rüde». Wegbegleiter erzählen heute, wie er manchmal Sitzungen auch auf sechs Uhr früh anberaumte.

Nicht nur überfordert Stutz den Beamten-Groove im Baudepartement. Gerne beschleunigt er auch Prozesse, indem er selbst die Fäden in die Hand nimmt. Kurzum strafft er das Baubewilligungsverfahren auf maximal drei Monate. Er entlässt die unangenehme Stadtbildkommission und kürt sich selbst zum Vorsteher des nachfolgenden Gremiums. Das sorgt im «10 vor 10» national für Schlagzeilen: «Seither beurteilt Stutz nicht nur sämtliche Basler Baugesuche selbst, er beurteilt als Präsident der Baurekurskommission auch sämtliche Einsprachen gegen seine Entscheide», heisst es in einem Beitrag vom Frühling 1996.

Ein Skandal, sinnbildlich für sein Vorpreschen, bedeutet das politische Ende von Christoph Stutz. Weil er eigenmächtig einen Deal mit einem akut konkursbedrohten Unternehmen schliesst, verliert der Kanton Millionen. Stutz wird abgewählt. Nach nur vier Jahren in der Regierung.

Danach wendet der, für den es keine Grenzen zu geben schien, sich von der Öffentlichkeit ab. Mit den Medien redet er seither nur ungern, eine Anfrage zu einem Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende» weist er freundlich zurück, Antworten gibts nur zu inhaltlichen Fragen.

Doch: In den vergangenen Wochen tritt Stutz wieder mehr und mehr in Erscheinung. Diese Woche prangt sein Name auf drei Dokumenten. Immer geht es um viel Geld. Er hat eine Immobilienfirma mit einem Millionenvolumen von einer seiner anderen abgespaltet, seine Pläne für das Landhof-Parking liegen neu auf, genauso wie jene für die Erweiterung des Beyeler-Museums.

Nach seiner Abwahl hat sich Stutz zu einem der umtriebigsten Bauunternehmer der Stadt gewandelt. Kaum einer kennt die Prozesse und Gesetze so gut wie er. Klar, vieles hat er selber mitgestaltet. Die Entwicklung der Überbauung bei der Nauenstrasse begleitete er sowohl als Chef der zuständigen Immobiliengesellschaft wie auch als Schulrat der Fachhochschule, die bald dort einzog.

Politisch weibelte Stutz für einen oberirdischen Parkplatz-Abbau im Gebiet Claramatte, wo er mit der «zum Greifen AG» ein Parkhaus verwaltet. Ausserdem verfügt er beim Kunstmuseums-Parking über ein Beratungsmandat. So kam es auch zur etwas ungewöhnlichen Situation, dass Stutz bei der Pressekonferenz eigentlich aus dem Publikum heraus die Fragen der Journalisten beantwortete, wenn die Verantwortlichen nicht mehr weiter wussten.

«Hart in der Sache»

Eigentlich ist ihm die zweite Reihe wohler. Obwohl «nur» Mitglied des Beyeler-Stiftungsrats, ist er es, der die Baueingabe macht. Die Novartis berät Stutz in allen Belangen des Projekts Klybeckplus, wie aus der offiziellen Planungsvereinbarung hervorgeht.

In jüngster Zeit mehren sich die Auftritte von Stutz. Er wirbt für das Landhof-Parking auf einem Podium, die «zum Greifen AG» wird als Investorin erkoren. Seinen Gegnern wirkt er stets einen Schritt voraus, sodass sie in seinen guten Drähten zur Verwaltung Schummelei vermuten.

Stutz’ Parteikollegin und Parking-Lobbyistin Silvia Rietschi kündigte schon Monate vor der Ausschreibung an, ein Investor sei gefunden. 170 Franken werde dieser monatlich für einen Parkplatz verlangen. Wenig später folgt die öffentliche Ausschreibung, die als Mietzins rund 170 festlegt. Stutz gewinnt.

Stand der Investor schon vor der offiziellen Ausschreibung fest? «Es ist wohl wenig wahrscheinlich, dass der Kanton eine Ausschreibung macht, wenn bereits vorher ein Investor da gewesen wäre», antwortet Stutz und verweist ans Bau- und Verkehrsdepartement. Er hätte auch Nein sagen können: Und auf das geltende Gesetz verweisen, welches eine Ausschreibung vorsieht.

Auf der Gegenseite fechten Altbekannte um den Landhof. Ehemaliger CVP-Grossrat Heinz Käppeli hat schon seit Jahren mit Stutz zu tun. Er kennt Stutz als «hart in der Sache», als einen, «der seinen Willen durchsetzt». Die Landhof-Nostalgiker glauben, dass auf Stutz zurückzuführen sei, dass beim Landhof-Parking zwar oberirdisch keine Parkplätze abgebaut, dafür aber die Subventionen aus dem Pendlerfonds herangezogen werden.

Das Landhof-Parking soll Anwohner von parkierenden Roche-Mitarbeitern entlasten. Der Chemiekonzern baut derzeit auch ein eigenes, wenn auch provisorisches Parking an der Schwarzwald-Allee. Verantwortlich dafür: Christoph Stutz.