Psychisch krank
Der schizophrene Irrfahrer griff auch andere Patienten der UPK an

Der Mann, der am Dienstag eine Velofahrerin tötete, leidet unter paranoider Schizophrenie. 2007 wurde er im Baselbiet zu sechs Monaten Haft verurteilt – und kam nicht mehr frei.

Moritz Kaufmann
Merken
Drucken
Teilen
Auf der Mittleren Brücke zeugen die polizeilichen Markierungen noch von der schockierenden Tat.
6 Bilder
Auf der Mittleren Brücke zeugen die polizeilichen Markierungen noch von der schockierenden Tat.
Blumen wurden zum Gedenken an die Opfer der Amokfahrt.
Die Mittlere Brücke war die ganze Nacht gesperrt.
Auf der Mittleren Brücke und Schifflände ereignete sich ein schwerer Unfall. Hier an der Schifflände.
Der Schock sitzt tief nach der Amokfahrt auf der Mittleren Brücke.

Auf der Mittleren Brücke zeugen die polizeilichen Markierungen noch von der schockierenden Tat.

Moritz Kaufmann

«Er war betroffen», beschreibt Chefarzt Marc Graf den Moment, als er den Amokfahrer gestern Morgen zum ersten Mal mit dessen Taten konfrontierte. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass der Täter absichtlich Menschen verletzen oder töten wollte. Wahrscheinlicher sei, dass er «einfach nur abhauen wollte», meint Graf.

Mehr konnte er aus dem Irrfahrer, den Graf nur «Herr L.» nennt, nicht herausholen. Zu schlecht sei dessen psychischer Zustand gewesen.

Wieder zurück in der UPK

Am frühen Dienstagabend brach der 27-jährige Mazedonier aus den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) aus und landete nach seiner Wahnsinnstat wieder genau dort – allerdings in einer Isolationszelle unter Aufsicht der Polizei. Laut den UPK-Verantwortlichen leidet er unter paranoider Schizophrenie, hat Halluzinationen und Wahnvorstellungen und «darunter liegend eine Persönlichkeitsstörung».

Zur Tatzeit war L., der in der Schweiz zur Welt kam und in der Region aufgewachsen ist, vollgepumpt mit Medikamenten: Gegen seine Schizophrenie erhält er regelmässig eine Spritze in einer «überdurchschnittlich hohen Dosis».

Mit einem Hammer angegriffen

L. ist ein jahrelanger Patient. 2007 wurde er im Baselbiet wegen einfacher Körperverletzung zu sechs Monaten Haft verurteilt. Damals trank er viel und konsumierte Cannabis. Der gelernte Handwerker war gewalttätig geworden, hatte einen anderen Mann mit einem Hammer «im Beckenbereich verletzt». Das Delikt war zu gering, um ihn juristisch als «gemeingefährlich» einzustufen.

Wegen seines Geisteszustands wurde er ins Berner Massnahmenzentrum St.Johannsen eingeliefert, wo Straftäter mit psychischen Störungen in einem offenen Massnahmenvollzug behandelt werden. Weil man mit ihm da überfordert war, kam er in die forensische Klinik der UPK. Zuerst in den Bereich mit den höchsten, dann in jenen mit den zweithöchsten Sicherheitsmassnahmen, von wo aus ihm die Flucht gelang.

Niemand weiss, wie es weitergeht

Auch in Basel war er ein schwieriger Insasse. Er griff mehrere Male andere Patienten an und musste immer wieder in die Isolationszelle. Vollzugslockerungen oder Urlaube wurden ihm deshalb nicht erlaubt. Auch Besuch erhielt er wenig: «Er hatte vor seiner Haft kaum Kontakte. Und wenn, dann solche, die seiner Therapierung nicht dienlich sind.»

Die Behandlung des Schizophrenen zeigte wenig Fortschritte, sodass die Ärzte beantragten, ihn für weitere Jahre in den UPK zu behalten. Demnächst hätte ein Gericht darüber entscheiden sollen. L. wusste, dass ihm weitere Jahre in der geschlossenen Abteilung drohten. Man sei da sehr transparent mit den Insassen.

Der Täter verstand allerdings nicht, weshalb er überhaupt festsass. Er sieht das Problem bei den anderen, nicht bei sich. «Solche Patienten sehen nicht ein, dass sie psychisch krank sind», erklärt Chefarzt Graf. Es sei also durchaus möglich, dass er wegen der beantragten Verlängerung die Flucht ergriff. Nach seiner Festnahme soll er gesagt haben, dass er nach Mazedonien wolle. Dies, obwohl er dort laut Graf «keinerlei Verwandte mehr hat».

Wie geht es mit L. jetzt weiter? Graf weiss es nicht: «Das entscheidet die Polizei.» Die liess gestern verlauten, dass sie bereits Untersuchungshaft beantragt hat.