Es war eine kleine Sensation, als die Universität Basel zusammen mit dem Universitätsspital im Juli den neuen Lehrstuhl für Ästhetische Chirurgie vorstellte. Europaweit einzigartig soll diese Stiftungsprofessur sein, hiess es, und auch der Qualitätssicherung in Sachen Schönheitsoperationen in der Schweiz und speziell in Basel dienen. Denn die sind ein Boom-Geschäft: Ob Gesichtsstraffung per Botox, ob Lifting, ob Haartransplantation – das Geschäft läuft, und es sind vor allem private Einrichtungen, die hierzulande in diesem Bereich tätig sind. Schönheit zählt und der Kunde bezahlt. Gerne.

Der neue Lehrstuhl und damit das Unispital beziehen deshalb an zentralster Lage in der Stadt ein Ladengeschäft, wie Recherchen der bz ergeben haben. Die Räumlichkeiten an der Inneren Margarethenstrasse entlang der Tramlinie 16 werden gerade eingerichtet, der Betrieb soll laut Thomas Pfluger, Sprecher des Unispitals, noch vor Weihnachten aufgenommen werden. Körperästhetik war dort schon vorher ein Thema: Der Vormieter hiess «Inthewhiteroom» und bot eine breite Palette an Schönheits-Eingriffen an.

Unispital: Externe Lage sei «zweckmässig»

Die ungewöhnliche Ortswahl für einen Hochschul-Lehrstuhl erklärt Pfluger so: «Eine Grundvoraussetzung für die Erfüllung der Anforderungen an die Stiftungsprofessur für Ästhetische Chirurgie sind die Patienten. Da es sich bei Patienten mit ästhetischen Fragen meist um gesunde Personen handelt, ist eine externe Lage zweckmässig.»

Zudem seien die Platz- und damit verbunden auch die Zeitverhältnisse am Universitätsspital knapp. Doch gerade Eingriffe im Bereich der Schönheitsoperationen brauchen laut Pfluger vor allem eines: Zeit. Von der Beratung bis zur Abschlusskontrolle.

Operiert wird weiter im Spital

Wirklich operiert wird im Ladengeschäft aber nicht. Zumindest noch nicht, wie es seitens Spital heisst: «Geplant sind sogenannte minimalinvasive oder nicht-invasive Massnahmen. Jedoch ist vorerst nicht geplant, Operationen am externen Standort anzubieten. Diese werden wie bisher am Universitätsspital unter gewohntem Gütesiegel und Qualitätsstandard durchgeführt», so Pfluger. Die zentrale Lage in der Nähe des Bahnhofs SBB soll vor allem der Beratung dienen und damit Hürden abbauen, in körperästhetischer Hinsicht eine laut Spital «qualitativ hochstehende Konsultation» in Anspruch zu nehmen. Für die Beratung werde eine Gebühr verlangt, so Pfluger, es erlösche dadurch aber der Verkaufsdruck, um profitabel zu bleiben. Dieser Profitdruck kann bei privaten Anbietern durchaus entstehen.

Dass die Nachfrage nach sogenannten Lifestyle-Eingriffen immer noch steigt, bestätigt auch das Universitätsspital. Gerade Behandlungen mit Botulinumtoxin, dem abgekürzt Botox genannten Nervengift, seien beliebt. Da aber stets neue Produkte auf den Markt gelangen und es bei der unkontrollierten Anwendung zu Komplikationen kommen könne, sei im Rahmen des Patientenschutzes und der Qualitätssicherung eine wissenschaftliche Untersuchung notwendig, sagt Pfluger. Auch deshalb werde im neuen Laden eine einzige Ansprechperson die Patienten auf ihrem Weg begleiten, vom ersten Kontakt bis zum Abschluss der Operation und darüber hinaus.

Von der «Optimierung der Gestalt»

Das Versprechen eines schöneren oder jüngeren Aussehens hat für die Betroffenen kaum mehr etwas Anrüchiges. Sie wollen ihren Körper optimieren. So stand etwa Adela Smajic, die Schweizer Bachelorette 2018 aus Basel, dazu, bereits im Alter von Anfang Zwanzig mehrere Schönheitsoperationen in Anspruch genommen zu haben. Etwa eine Brustvergrösserung oder das Aufspritzen der Lippen.

Das Unispital erachtet nach eigenen Angaben die Themen «Regeneration», «Rückgewinnung verloren gegangener jugendlicher Ausstrahlung» und «Optimierung der Gestalt» als zentral, wenn es um Fragen zum Körperbild und dessen Wandel im Rahmen des Alterns geht. Zudem bestehe am Spital selbst die Möglichkeit, entsprechende Fragestellungen interdisziplinär «kritisch zu besprechen» und zu untersuchen, wie es Spitalsprecher Pfluger formuliert.

Wer den neuen Lehrstuhl übernimmt und damit Hausherrin oder -herr der neuen Spital-Dependance in Schönheitssachen wird, ist allerdings noch offen. Laut dem Universitätsspital sei eine Strukturkommission zur Berufung «des Stiftungsprofessors» für Ästhetische Chirurgie gebildet worden. Die Professur werde also demnächst ausgeschrieben.