Mein Leben im Dreiland

Der schwierige Weg für französische Bücher nach Basel

In Schweizer oder deutschen Buchhandlungen kommen bestellte Bücher meistens innerhalb weniger Tage an. In Frankreich funktioniert das weniger gut.

In Deutschland und der deutschen Schweiz ist der Buchhandel super organisiert. Mithilfe der Buchzentren kann eine Basler Buchhandlung die meisten Bücher in Rekordzeit organisieren. Oft muss man nur einen Tag warten. Ungleich komplizierter ist das in Frankreich. Schon öfter habe ich die Erfahrung gemacht, dass es mehrere Wochen gedauert hat, wenn ich in einer französischen Buchhandlung ein Buch bestellt habe. Wie soll das erst über die Grenze funktionieren?

Ich habe die Buchmesse in Saint-Louis genutzt, um einige elsässische Verleger zu fragen, wie sie ihre Bücher nach Basel bringen, und dabei Erstaunliches zutage gebracht. Der kleine Ausflug am Sonntag hat sich anerboten, denn erstmals konnte man am Wochenende über die Rheinuferpromenade von Basel St. Johann nach Huningue flanieren oder mit dem Velo fahren. Ich kann nur sagen: super! Es hat mir gut gefallen.

Ich hatte mich auf der Buchmesse mit Pascal Schweitzer verabredet. Er hat 25 Jahre Erfahrung als Verleger, lange beim Buchverlag der Zeitung «Dernières Nouvelles d’Alsace» gearbeitet und sich vor kurzem mit den «Editions Ariovist» selbstständig gemacht. Vier Mal im Jahr bringt er die Zeitschrift «Mieux Vivre en Alsace» heraus, in der sich Tipps für gesundes Leben, Wellness, Ausflüge, Kultur und Küche finden. Diese wiederum hat er in einem kleinen Buch, das 24 Ausflüge im Elsass und den Vogesen anbietet, zusammengefasst.

Schweitzer spezialisiert sich auf den Oberrhein. Ein- bis zweimal im Jahr plant er ein Buch, das auf Deutsch wie auf Französisch erscheint. Zu Pfingsten gibt «Die gute Küche am Oberrhein» den Startschuss. Da er sich selber nicht um den Vertrieb kümmern will und seine Rolle als Verleger sieht, hat er mit dem deutschen Verlag Silberburg einen Partner gefunden. Basler Buchhändler erhalten das Buch so unkompliziert über den deutschen Grossisten KNV.

Das scheint aber nur aufgrund der Partnerschaft mit dem deutschen Verlag so gut zu klappen. Patricia Krauth von den «Editions du Bastberg», die viele Krimis auf Französisch herausbringen, berichtet von Problemen, in Deutschland Fuss zu fassen. Dafür könne man aus Basel unkompliziert über die Internetseite Bücher bestellen. «Der Versand ist ins Ausland für uns sogar günstiger als in Frankreich, weil er vom französischen Kulturministerium subventioniert wird», sagt Joël Boos. Allerdings kann es zehn Tage dauern, bis das Buch da ist.

Bestellt ein Buchhändler bei Bastberg, erhält er eine Vergünstigung von 35 Prozent – die Versandkosten werden geteilt. Gerade hat der Verlag «Le tueur à la coiffe alsacienne» herausgebracht. Dreht man das Buch um, heisst es «D’r Teter mit dem elsassesch Schlupf-Hüewa» und ist auf Elsässisch geschrieben.

Evelyne Wessang von der Buchhandlung «Toute une histoire» aus Saint-Louis arbeitet mit einer Buchhandlung aus Bern zusammen. Braucht diese ein französisches Buch, besorgt sie dieses für sie. «Das geht viel schneller. Sie helfen mir dafür bei englischen Büchern aus, bei denen sie gute Kontakte haben.» Das macht Sinn: In Saint-Louis leben viele englischsprachige Expats.

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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